Brustkrebs: Die Präventionsfalle

In Deutschland wird Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre ein Mammografie-Screening angeboten – die Teilnahme ist zwar freiwillig, aber ist diese Vorsorgeuntersuchung auch sinnvoll? Ein englischer Dokumentarfilm mahnt zur Vorsicht.

2015 enthüllten Forscher des Boston Children’s Hospital in Massachusetts, die falsch positiven Mammografien und die Überdiagnose von Brustkrebs bei Frauen im Alter von 40 bis 59 würden in den USA jährlich Kosten von vier Milliarden Dollar verursachen.11

Mammografien bei hoher Brustdichte möglicherweise nicht sinnvoll

Der Fall von Nancy Cappello ist ebenfalls Teil der Dokumentation. Cappello erhielt die Diagnose Brustkrebs, obwohl zwei kurz zuvor gemachte Mammografien unauffällig gewesen waren. Der Krebs wurde nicht gefunden, weil Cappello eine hohe Brustdichte aufweist. Erst als der Arzt einen harten Streifen in ihrer Brust ertastete und eine Ultraschalluntersuchung zusätzlich zur Mammografie anordnete, wurde der Tumor entdeckt.

Cappello wurde zur Vorreiterin einer Bewegung, die Frauen über die Probleme eine Mammografie bei hoher Brustdichte aufklären möchte. Einen Tumor in einer solchen Gewebestruktur zu entdecken sei wie „einen Eisbären im Schneesturm zu suchen“. Sie sagt:

„Ich machte mich – zu Forschungszwecken – auf die Suche nach Informationen und fand heraus, dass knapp zehn Jahre vor meiner Diagnose bereits sechs große Studien mit mehr als 42.000 Frauen zu dem Ergebnis gekommen waren, dass bei einer Ergänzung von Mammografien durch Ultraschalluntersuchungen bei Frauen mit hoher Brustdichte die Erkennung von Krebs von 48 auf 97 Prozent gesteigert werden konnte. Ich fand auch heraus, dass Frauen mit extrem hoher Brustdichte ein fünfmal höheres Brustkrebsrisiko haben als Frauen mit viel Fettgewebe in der Brust.“12

Und weiter:

„Ich musste mich einer Mastektomie und einem Brustwiederaufbau unterziehen und durchlief acht Chemotherapie- sowie 24 Strahlentherapiezyklen. Der pathologische Befund bestätigte Brustkrebs im Stadium 3c, da der Krebs bereits in meine Lymphknoten gestreut hatte. Mir wurden 18 Lymphknoten entfernt, 13 davon enthielten Tumore – dabei war meine Mammografie wenige Wochen davor ,unauffällig‘ gewesen. Sieht so Früherkennung aus?“

Als Reaktion auf Cappellos Informationsbewegung haben 38 US-Bundesstaaten verpflichtende Gesetze zur Analyse der Brustdichte verabschiedet. Im Film wird angeführt, bis zu 90 Prozent aller Frauen hätten zumindest teilweise dichtes Brustgewebe, was das Ergebnis einer Mammografie verfälschen könnte. Sie würden von einer Ultraschalluntersuchung der gesamten Brust profitieren – doch dieses Diagnoseinstrument ist nicht überall verfügbar. Im Film berichten die Frauen, man habe ihnen zwar gesagt, sie hätten eine hohe Brustdichte, jedoch nicht, was das für die Effektivität einer Mammografie bedeuten würde.

„Krebsvorstufe“: Duktales Karzinom in situ

Duktales Karzinom in situ (DCIS) bezeichnet die krankhafte Wucherung von Zellen in den Milchgängen der weiblichen Brust, es bilden sich Läsionen mit etwa 1–1,5 Zentimeter Durchmesser. Obwohl die Zellen unter dem Mikroskop bösartig sind, sind sie noch nicht in das umgebende Gewebe eingedrungen und werden daher als „Krebsvorstufe“, nichtinvasiv und „Brustkrebs im Stadium null“ betrachtet. Einige Experten empfehlen sogar, DCIS nicht als Krebs einzustufen.

Der Film berichtet von einer Frau, der trotz dieser Empfehlungen aufgrund einer DCIS-Diagnose beide Brüste amputiert worden waren. DCIS stellt heute etwa 20 bis 25 Prozent aller „Brustkrebsdiagnosen“,13 die Standardbehandlung bei DCIS ist entweder Mastektomie oder eine die Brust erhaltende, operative Entfernung des Gewebes mit anschließender Strahlentherapie.

Ein Review im British Journal of Cancer führt aus:

„Im Grunde genommen werden Frauen mit DCIS als ,Krebspatientinnen‘ tituliert, mit Ängsten als Begleiterscheinung und allen negativen Auswirkungen auf ihr Leben, obwohl die meisten DCIS-Läsionen voraussichtlich niemals zu invasivem Brustkrebs werden. Da nicht feststeht, welche Läsionen sich zu invasivem Krebs entwickeln, ist die gegenwärtige Risikobewertung irreführend und beeinflusst in weiterer Folge den Dialog zwischen Medizinern und Frauen mit DCIS-Diagnose. Das führt bei einigen, möglicherweise bei vielen Frauen zu einer Überbehandlung.“14

Ist die Strahlung einer Mammografie gefährlich?

Ein weiteres Problem ist, dass für Mammografien ionisierende Strahlung in relativ hoher Dosis genutzt wird, die selbst zur Entstehung von Brustkrebs beitragen kann. In einer Studie aus dem Jahr 2016 wird angemerkt:

„Ionisierende Strahlung, wie sie beim Mammografie-Röntgen eingesetzt wird, könnte mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Krebs einhergehen.“15

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass Personen, die Träger bestimmter Genvarianten sind oder erblich bedingt ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, ionisierende Strahlung so weit wie möglich meiden sollten. Ausgerechnet für letztgenannte Personengruppe empfiehlt die Schulmedizin routinemäßige Mammografien, manchmal sogar öfter.

Immerhin wird den Patientinnen in dieser Studie eine andere – sicherere – Untersuchungsmethode nahegelegt: Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT).16 Eine „neue und verbesserte“ Form von Mammografie namens 3-D-Tomosynthese, vereinfacht gesagt eine Computertomografie der Brüste, ist laut den Studienautoren besonders problematisch, da die Strahlendosis dabei erheblich höher ist als bei herkömmlichen Mammografien.

Laut einer anderen Studie steht die jährliche Untersuchung mit digitalen oder analogen Mammografien bei Frauen im Alter von 40 bis 80 Jahren in Zusammenhang mit der Entstehung von Brustkrebs und 20 bis 25 Krebstoten pro 100.000 untersuchten Frauen im Jahr.17 Sprich, jedes Jahr sterben 20 bis 25 Frauen pro 100.000 Untersuchten an einem durch Mammografie induzierten Brustkrebs. Die 3-D-Mammografie benötigt sogar mehrere Bilder aus verschiedenen Winkeln für eine dreidimensionale Abbildung, das Risiko durch die Strahlung ist daher logischerweise deutlich größer als bei einer herkömmlichen 2-D-Mammografie.

Thermografie und Ultraschall nutzen keine Strahlung

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, sollten Frauen alle zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden sowie deren Vor- und Nachteile kennen und frei wählen dürfen.

Mammografie ist nur eine der möglichen Methoden und weist erhebliche Nachteile auf. Andere, möglicherweise sicherere Optionen sind die Abtastuntersuchung der Brust durch die Frauen selbst oder ihren Arzt, Thermografie, Ultraschall und MRT.

Thermografie und Ultraschall nutzen keine ionisierende Strahlung und könnten sogar Veränderungen entdecken, die auf Mammografien nicht zu sehen sind, speziell bei Frauen mit hoher Brustdichte. Die beiden Diagnose­instrumente werden am Ende des Films im Detail erläutert, sind aber in den USA nur schwer zugänglich, da die milliardenschwere Mammografie-Industrie den flächendeckenden Einsatz verhindert.

Wichtig zu verstehen ist auch, dass Mammografien Brustkrebs nicht verhindern können. Brustkrebsprävention umfasst einen gesunden Lebensstil, die Vermeidung von Toxinen und die Beachtung einiger Regeln bei der Ernährung, etwa betreffend Vitamin D. Dieses Vitamin kann das Krebsrisiko drastisch senken – es ist daher von großer Bedeutung, den Vitamin-D-Spiegel zu optimieren.

Die angeführten Faktoren zu ignorieren, bloß regelmäßig zur Mammografie zu gehen und zu glauben, man sei geschützt, ist ein Trugschluss, den sich viele Frauen von der Schulmedizin haben einreden lassen. Diese potenziell tödliche Falle lässt sich mit einem gesunden Lebensstil sowie eingehender Beschäftigung mit anderen möglichen Untersuchungsmethoden auf Brustkrebs vermeiden.

Endnoten

  1. Fors, M.: „Breast Cancer – Understanding Risk Factors and Screening“, CancerCare.org, https://is.gd/cfuznE
  2. Constanza, M. E.: „Has screening mammography become obsolete?“,Curr Oncol, Oktober 2015, https://is.gd/CFWeQ7
  3. Hansen, N. M. et al.: „Manipulation of the Primary Breast Tumor and the Incidence of Sentinel Node Metastases From Invasive Breast Cancer“,Arch Surg, 01.06.2004, https://is.gd/wcPFDW
  4. Ebd.
  5. Hefti, R.: „Re: Twenty five year follow-up for breast cancer incidence and mortality of the Canadian National Breast Screening Study: randomised screening trial“,BMJ, 14.02.2014, https://is.gd/EGqC6L
  6. Bleyer, A. et al.: „Effect of Three Decades of Screening Mammography on Breast-Cancer Incidence“,N Engl J Med, 22.11.2012, https://is.gd/QwNJRW
  7. Ebd.
  8. Parisky, Y. R. et al.: „Efficacy of Computerized Infrared Imaging Analysis to Evaluate Mammographically Suspicious Lesions“,American Journal of Roentgenology, Januar 2003, https://is.gd/GIjw85
  9. Elmore, J. G. et al.: „Diagnostic Concordance Among Pathologists Interpreting Breast Biopsy Specimens“,JAMA, 17.03.2015, https://is.gd/HpwzEL
  10. Attman, Y.: „Woman subjected to mastectomy, chemo never had cancer“,Israel Hayom, 05.05.2020, https://is.gd/RdQ2tl
  11. Ong, M.-S.: „National expenditure for false-positive mammograms and breast cancer overdiagnoses estimated at $4 billion a year“,Health Aff (Millwood), April 2015, https://is.gd/5xxItd
  12. Cappello, N.: „Nancy’s Story“, AreYouDense.org, https://is.gd/WeENlA
  13. van Seijen, M. et al.: „Ductal carcinoma in situ: to treat or not to treat, that is the question“,British Journal of Cancer, 09.07.2019, https://is.gd/gTHnjk
  14. Ebd.
  15. Pauwels, E. K. J.: „Breast Cancer Induced by X-Ray Mammography Screening? A Review Based on Recent Understanding of Low-Dose Radiobiology“,Med Princ Pract, Februar 2016, https://is.gd/gNEqVh
  16. Ebd.
  17. Hendrick, R. E.: „Radiation Doses and Cancer Risks from Breast Imaging Studies“,Radiology, 09.08.2010, https://is.gd/2NmAhe

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