Brustkrebs: Die Präventionsfalle

In Deutschland wird Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre ein Mammografie-Screening angeboten – die Teilnahme ist zwar freiwillig, aber ist diese Vorsorgeuntersuchung auch sinnvoll? Ein englischer Dokumentarfilm mahnt zur Vorsicht.

Der vor Kurzem veröffentlichte Dokumentarfilm „Boobs: The War on Women’s Breasts“ zeigt eindrücklich, dass Mammografien vielen Frauen mehr Schaden als Nutzen bringen.

Ein durch Mammografien als Diagnoseinstrument verursachtes Problem ist, dass mit dem Verfahren viel zu häufig Brustkrebs diagnostiziert und behandelt wird, etwa durch falsch positive Befunde oder nicht notwendige Biopsien. Der Film legt dar, dass mit Einführung der Mammografie im Laufe von 30 Jahren bei 1,3 Millionen Frauen Brustkrebs „überdiagnostiziert“ wurde – sprich, es wurden Tumore gefunden, die nie klinische Symptome verursacht hätten. Mammografien und die darauf folgenden Biopsien könnten dadurch zur Ausbreitung des Krebses im Körper beigetragen haben. Darüber hinaus könnten Pathologen bei bis zu einem Viertel der Biopsien eine falsch positive Krebsdiagnose gestellt haben, sodass die deswegen erfolgten Mastektomien nicht notwendig gewesen wären.

Ebenfalls problematisch ist die hohe Dosis ionisierender Strahlung, die bei einer Mammografie eingesetzt wird. Die Strahlung allein kann schon zur Entstehung von Brustkrebs beitragen. Auf die Frage, welcher Strahlendosis Frauen bei einer Mammografie ausgesetzt sind, antwortet Dr. Ben Johnson, Autor des Buches „No Ma’amograms“, mit:

„Mindestens die 100-fache Strahlung eines Thorax-Röntgens.“

Diese Aussage mag viele Frauen in den USA überraschen, die als standardmäßige Vorsorgemaßnahme gegen Brustkrebs eine Einladung zur Mammografie erhalten – und dies ist nur eine der vielen Informationen aus der Dokumentation „Boobs: The War on Women’s Breasts“, die Ihnen die Augen öffnen werden.

Zu Beginn des Films wird erklärt, dass alle Aussagen von wissenschaftlicher Literatur gestützt werden, obwohl vieles dem allgemeinen Standpunkt der konventionellen Medizin widerspricht. Mediziner aus verschiedenen US-Bundesstaaten (etwa Kalifornien, Georgia, Virginia oder Arizona) und anderen Ländern (beispielsweise der Schweiz) stellen ihr Expertenwissen in Interviews zur Verfügung und erklären, warum wir Mammografien zur Brustkrebsprävention möglicherweise überdenken sollten.

Der „Früherkennungsmythos“ und die Risiken einer Biopsie

Einer der hartnäckigsten Mythen der konventionellen Medizin lautet, dass Mammografien die beste Vorsorgeuntersuchung in Bezug auf Brustkrebs darstellen, da „Tumore bis zu zwei Jahre früher entdeckt werden können, ehe sie für die Patientin oder deren Arzt fühlbar sind“.1 Die Dokumentation zeigt allerdings, dass der Krebs bereitszwei bis fünf Jahregewachsen sein kann, ehe ein Knoten in der Brust zu ertasten ist. „Mammografie ist keine Früherkennung“, sagt Johnson.

Im Film wird ebenfalls auf den Mythos eingegangen, dass Mammografien das Krebswachstum oder die -streuung auf keinen Fall begünstigen können. Als Beispiel wird die Geschichte einer Frau herangezogen, bei der Brustkrebs im Stadium drei diagnostiziert wurde. Die Ärzte gaben ihr noch ein Jahr zu leben. Die Frau stellte ihren Lebensstil um – und ein Großteil der Tumore verschwand. Jahre später war der Krebs stabil, bis eine Biopsie und mehrere Mammografien durchgeführt wurden. Die Frau berichtete, der Krebs habe sich danach ausgebreitet – und ein Tumor sei an der Stelle gewachsen, an der die Biopsie durchgeführt worden war.

Bei einer Biopsie werden aus einem Tumor oder einem Organ Gewebeproben entnommen und anschließend unter einem Mikroskop untersucht, meist um festzustellen, ob es sich um Krebs handelt. Nadelbiopsien zum Beispiel sind ein übliches schulmedizinisches Verfahren zur Diagnose von Brustkrebs. Sie können allerdings dazu führen, dass bösartige Krebszellen vom Tumor „abgerissen“ werden und den Krebs in andere Bereiche des Körpers tragen.

Wie bereits erwähnt, führen Mammografien teilweise zur Überdiagnose und damit auch zu unnötigen Behandlungen wie Biopsien.2 Eine Studie des John Wayne Cancer Institute ergab beispielsweise, dass Nadelbiopsien, verglichen mit Exzisionsbiopsien, bei denen ein Knoten vollständig entfernt wird, die Ausbreitung von Krebs fördern können.3

Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass bei

„Manipulation eines Tumors durch Feinnadel- oder Hohlnadelbiopsie ein Zusammenhang mit häufigerem Auftreten von Metastasen im Wächter­lymphknoten nachweisbar ist, möglicherweise durch die mechanische Reizung des Tumors durch die Nadel.“4

Johnson bezeichnet Biopsien als „Kuss des Todes“, da die Nadel durch Milliarden von Zellen fährt, den Tumor durchsticht, auf der anderen Seite austritt, auf dem „Rückweg“ Zellen mit sich reißt und so zur Ausbreitung von Krebs im Körper beiträgt.

Dr. Manfred Doepp, medizinischer Leiter des Holistic Center in der Schweiz, vertritt ebenfalls die Ansicht, Biopsien könnten die Ausbreitung von Krebs fördern. Darüber hinaus ist er der Meinung, dies könne schon durch das Zusammenpressen der Brust während der Mammografie geschehen. Die Dokumentation zitiert eine imBritish Medical Journalveröffentlichte Antwort, die besagt, dass „fundierte wissenschaftliche Studien, veröffentlicht in anerkannten medizinischen Fachzeitschriften, das Konzept untermauern“, die Quetschung der Brust während der Mammografie könnte schädlich sein.5

Brustkrebs bei 1,3 Millionen Frauen überdiagnostiziert

Die Annahme, Mammografie sei ein präzises Diagnose­instrument, ist ein weiterer Mythos, der im Film entlarvt wird. Es kommt sowohl zu falsch positiven als auch zu falsch negativen Ergebnissen – die Kompetenz des Radiologen bei der Interpretation der Aufnahmen ist dabei ein entscheidender Faktor.

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Schematische Darstellung einer Mammographie

Als Wissenschaftler in den USA die Entwicklung von Brustkrebs im Früh- und Endstadium bei Frauen über 40 Jahren von 1976 bis 2008 statistisch untersuchten, stellten sie fest, dass sich die Zahl der jährlich diagnostizierten Brustkrebsfälle im Frühstadium mit Einführung der Mammografie verdoppelt hatte.6 Die Zahl der Frauen, die Brustkrebs im Endstadium hatten, war in diesem Zeitraum allerdings um acht Prozent zurückgegangen. Die Forscher kamen daher zu dem Schluss, dass nur ein kleiner Teil der im Frühstadium diagnostizierten Fälle ein fortgeschrittenes Stadium der Krankheit erreichen würde:

„Obwohl die Zahl der im Frühstadium entdeckten Fälle von Brustkrebs deutlich anstieg, sank die Anzahl der Frauen, bei deren Mammografie Krebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde, kaum. Obwohl sich nicht feststellen lässt, welche Frauen davon betroffen waren, legt dieses Ungleichgewicht nahe, dass es zu massiver Über­diagnose kommt, wovon knapp ein Drittel aller neu diagnostizierten Krebspatientinnen betroffen sind. Die Untersuchungsmethode hat im besten Fall nur geringe Auswirkungen auf die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs.“7

Die Wissenschaftler kamen daher zu dem Schluss, dass durch die Einführung der Mammografie im Verlauf von 30 Jahren bei 1,3 Millionen Frauen Brustkrebs überdiagnostiziert worden war.

Bis zu 80 Prozent der bei Biopsien entnommenen Proben sind gutartig

Diese Überdiagnose von Brustkrebs bringt ernste Risiken mit sich, etwa überflüssige Behandlungen, unnötigen psychischen Druck und Ängste. In einer weiteren im Film zitierten Studie wird berichtet, dass in den USA jährlich mehr als eine Million Brust­biopsien durchgeführt werden, 75 bis 80 Prozent davon sind gutartig.8 Man schätzt, dass bis zu einem Viertel der Gewebeproben von Pathologen falsch diagnostiziert worden sein könnten9 – und manchmal liegt das Ergebnis der Gewebeprobe als gutartig erst vor, nachdem eine überflüssige Mastektomie (Brustamputation) durchgeführt wurde.

In Israel landete 2020 ein solcher Fall vor Gericht. Eine Frau erhielt eine Brustkrebsdiagnose, nachdem zwei medizinische Einrichtungen die Proben als positiv befundet hatten. Infolgedessen musste sie sich einer sechsmonatigen Chemotherapie unterziehen und der Gewebeknoten wurde ihr zusammen mit einem Teil der Brust entfernt. Als der Knoten nach der Entfernung untersucht wurde, stellte sich laut Klageschrift heraus, dass die Zellen gutartig waren.10

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