D-Mannose: Selbstbehandlung bei Harnwegsinfektionen

mannoseBei Harnwegsinfektionen greifen Ärzte allzu oft nach einem Antibiotikum - dabei gibt es eine unbedenkliche, natürlich vorkommende Alternative. Die erste Selbstbehandlung einer Harnwegsinfektion mit D-Mannose, einem unbedenklichen Einfach­zucker, fand in den 1980er-Jahren statt: Bei der Patientin handelte es sich um ein Mädchen, das noch keine zehn Jahre alt war und den größten Teil seines damals noch kurzen Lebens an wiederkehrenden Niereninfektionen gelitten hatte.

Obwohl die Entzündungen erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden konnten, wies man die Eltern darauf hin, dass das Kind später – vielleicht im Teenageralter – unter Umständen auf eine Nierentransplantation angewiesen sein könnte, weil die zahlreichen Infektionen und Behandlungen allmählich offensichtliche Spuren an den Organen hinterließen. Außerdem gingen den Ärzten wirksame Antibiotika gegen das E.-coli-Bakterium aus, das die Tochter heimsuchte. Weil aber die Mutter eine Nierentransplantation unbedingt verhindern wollte, brachten sie und ihr Mann das Mädchen in die Tahoma Clinic (USA), um eine weitere Expertise einzuholen.

Glücklicherweise war die Mutter eine fantastische Archivarin und hatte Kopien der Berichte aller Ärzte dabei, die ihre Tochter aufgesucht hatte. Dazu kamen noch die Aufzeichnungen über die Ergebnisse jeder einzelnen Urinkultur der letzten Jahre. Aus all diesen Berichten ging hervor, dass die Infektionen immer auf Escherichia coli zurückzuführen waren – also auf ein Bakterium, das, wie die lateinische Bezeichnung nahelegt, normalerweise im mittleren Abschnitt des Dickdarms (Kolon) lebt. Es ist aber auch die häufigste Ursache von Harnwegsinfektionen – 85 bis 90 Prozent dieser Erkrankungen gehen darauf zurück.

Ein weiterer Glücksfall war, dass im Jahr 1980 ein Wissenschaftlerteam der medizinischen Fakultät der Northwestern University in Chicago einen Bericht veröffentlicht hatte, demzufolge der Zucker D-Mannose das Anheften (die Adhäsion) des E.-coli-Bakteriums an die Zellen verhindere, die den gesamten Harntrakt auskleiden (der Fachbegriff für diese Zellen lautet Urothelzellen).1

Aus der Lektüre ging klar hervor, dass D-Mannose zur Beseitigung von E.-coli-Infektionen beitragen könne. Im Unterschied zu einem Antibiotikum tötet der Zucker die Bakterien nicht ab, sondern sorgt dafür, dass sich die Krankheitserreger nicht mehr an die Zellen der Blase und der übrigen Harnwege anheften können und in der Folge mit dem Harn ausgeschieden werden.

Sobald die Mutter des Mädchens von der Leistungsfähigkeit dieses ungefährlichen, natürlichen Zuckers erfuhr, wollte sie wissen, wo man ihn kaufen könne. Doch obwohl die Forschungsergebnisse schon seit ein paar Jahren für jeden Interessierten frei erhältlich waren, konnte man D-Mannose bloß in großen Mengen und auch nur von Lieferfirmen für die chemische Industrie beziehen, die ihre Produkte selten an Privatpersonen verkauften. Die Mutter erklärte sofort, dass es ihr egal sei, was eine „Schüttlieferung“ koste, weil zumindest die Chance bestehe, eine drohende Nierentransplantation zu verhindern – daher möge die Tahoma Clinic oder das Meridian Valley Lab bitte eine Bestellung vornehmen. Das taten wir, und als die Lieferung eintraf, kam die Mutter zur Abholung vorbei.

Sie hatte sich schon über D-Mannose informiert und auch die Kopie des Forschungsberichts gelesen, den wir ihr bei ihrem ersten Besuch in der Tahoma Clinic ausgehändigt hatten. So war sie zu der Erkenntnis gelangt, dass D-Mannose völlig harmlos sei, und fragte, ob es in Ordnung sei, ihrer Tochter bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung einen Teelöffel zu verabreichen und danach dieselbe Menge alle drei bis vier Stunden, bis die Symptome der Infektion verschwunden seien.

Wenn die relativ hohe Dosis von einem Teelöffel wirken würde, könnte sie bei einer erneuten Infektion eine kleinere Menge probieren und gegebenenfalls wieder auf eine höhere Dosis zurückgreifen. Und es war natürlich nicht nötig, die Tochter nachts aufzuwecken, um ihr im Drei- bis Vierstundentakt D-Mannose zu verabreichen, weil der Körper die gesamte überschüssige D-Mannose in die Harnblase abgibt, wo sie das Anheften der E.-coli-Bakterien verhindert. Dort schwimmen die Bakterien, ohne Schaden anzurichten, herum, bis sie am nächsten Morgen mit dem Urin davongespült werden.

Mutter, Vater oder Tochter kamen danach nicht mehr persönlich in dieser Angelegenheit vorbei, aber die Mutter rief in großer Aufregung an, als die nächste Harnwegsinfektion ihres Kindes in nur etwas mehr als 24 Stunden mithilfe von D-Mannose abgeklungen war. Außerdem hatte sie beschlossen, ihrer Tochter jeden Tag eine Dosis D-Mannose zu verabreichen, um Entzündungen vorzubeugen, und das tat sie, bis das Mädchen die Pubertät durchmachte und die Gewebe, unterstützt durch Sexualhormone, anscheinend kräftig genug geworden waren, um E. coli von sich aus abzuwehren.

Zwischen ihrem ersten Besuch in der Tahoma Clinic und der Pubertät fing sich die Tochter lediglich eine weitere Blaseninfektion ein, als sie zwischen elf und zwölf war; denn die Familie fuhr in Urlaub und vergaß, D-Mannose-Pulver mitzunehmen.

Die letzte Meldung, die wir von dieser Familie erhielten, bestand in der Ankündigung, dass die Tochter – sie war inzwischen Anfang 20 – heiraten werde. Weil die Feier in Idaho zu einem Zeitpunkt stattfinden sollte, zu dem wir wegen eines schon vereinbarten Termins im Bundesstaat Washington nicht anwesend sein konnten, schickten wir stattdessen unsere Glückwünsche.

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