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Das Phänomen der spontanen Selbstentzündung

Immer wieder wird von Zwischenfällen berichtet, bei denen Menschen scheinbar ohne Fremdeinwirkung in Flammen aufgehen und bis auf wenige Gliedmaßen zu Asche verbrennen. Dabei müssen Temperaturen entstehen, die selbst Krematorien nicht erreichen.

„Es gibt keine unnatürlichen oder übernatürlichen Phänomene, sondern nur sehr große Wissenslücken darüber, was natürlich ist.“

Edgar D. Mitchell, Apollo-14-Astronaut

Unerklärliche Selbstverbrennungen

Spontane menschliche Selbstentzündung (SHC, von engl.: „spontaneous human combustion“) ist ein ungeklärtes Phänomen und bezeichnet einen Vorfall, bei dem ein Mensch fast vollständig zu Asche verbrennt, wobei alles dafürspricht, dass er plötzlich und ohne ersichtlichen Grund von innen heraus zu brennen begann. Dabei lässt die Hitze des Brandes vom Fleisch und sogar von den Knochen nichts übrig, und oft werden die Überreste gefunden, nachdem die Person etwa zehn bis zwölf Stunden zuvor letztmals lebend gesehen wurde. Vom Rumpf ist normalerweise nichts übrig, doch einzelne oder ein paar Gliedmaßen sind meist erhalten und stecken oft sogar noch in der Kleidung. Zuweilen kommt es vor, dass in der Nähe befindliche Gegenstände keine Brandspuren aufweisen und unbeschädigt sind.

Auch wenn in Zweifel steht, ob solche Feuer wirklich spontan auftreten, da eine äußere Brandursache in vielen Fällen nicht auszuschließen ist, bleibt SHC ein verblüffendes Phänomen. Um einen Körper einzu­äschern, werden in modernen Krematorien Öl, Gas und andere Brennstoffe sowie Druckluftgebläse verwendet, damit Temperaturen zwischen 760 und 1.150 Grad Celsius erreicht werden. Der gesamte Vorgang dauert eineinhalb bis zwei Stunden – und selbst dann sind noch Knochenstücke übrig, die in einer Knochenmühle zermahlen werden müssen. Hier stehen wir vor einem Rätsel: Es erfordert viel Energie, einen menschlichen Körper zu Asche zu verbrennen – nicht zuletzt, weil er zu 65 Prozent aus Wasser besteht. Woher kommt in Fällen von SHC die Energie und durch welchen Vorgang wird sie freigesetzt?

Mary Hardy Reeser

Der Fall von Mary Reeser, die in den USA als cinder woman – sinngemäß etwa „Aschefrau“ – bekannt wurde, ist zweifellos der bekannteste und faszinierendste unter den vielen Verdachtsfällen von SHC, über die im Lauf der Jahre berichtet worden ist. Die Presse befasste sich seinerzeit ausführlich mit den ungewöhnlichen und teils bizarren Todesumständen, über die auch heute noch diskutiert und gestritten wird. Die 67-jährige Arztwitwe lebte in Columbia im US-Bundesstaat Pennsylvania. Etwas widerwillig entschied sie sich dazu, nach St. Petersburg in Florida umzuziehen, um näher bei ihrem Sohn und dessen Familie zu sein. Das schwülheiße Klima des Sonnenstaates mochte sie überhaupt nicht, sondern sehnte sich nach dem Frieden und den kühleren Witterungsbedingungen ihrer früheren Heimat. In den Wochen vor ihrem Tod war sie melancholisch. Sie war in ein Apartment eingezogen und hatte erst fünf Wochen dort gewohnt, als in der Nacht des 1. Juli 1951 ihr Leben in einem Feuer endete. Von dem 85 Kilogramm schweren Körper der wohlbeleibten Frau, die zeitlebens gerne gut gegessen hatte, war nur noch feine Asche übrig, ebenso von dem Lehnstuhl, auf dem sie saß. Lediglich ihr – angeblich geschrumpfter – Schädel soll noch vorhanden gewesen sein, ein Teil ihres linken Fußes, der noch im Hausschuh steckte, sowie ein Stück der Wirbelsäule.

Genauso seltsam ist es, dass ihre Wohnung selbst fast unbeschädigt blieb. Die Farbe an den Wänden in nächster Nähe des Vorfalls hatte keine Risse und war nicht versengt. Ein Stapel Tageszeitungen, den sie von ihrem Lehnstuhl aus hätte greifen können, wies nicht die geringsten Brandspuren auf, und Laken auf einem Bettsofa, das etwa einen Meter entfernt stand, waren in einem makellosen Zustand. Die Zimmerdecke und die Wände waren von Rauch geschwärzt und mit feuchtem Ruß bedeckt, aber erst ab einer Höhe von rund 1,20 Meter. Alles darunter war nicht betroffen (abgesehen natürlich von Frau Reesers sterblichen Überresten und dem verbrannten Stuhl).

Mary Reeser wurde zuletzt von ihrer Vermieterin Pansy Carpenter und ihrem eigenen Sohn Richard junior lebend gesehen. Erstere berichtete, dass sie früh am Morgen des 2. Juli durch einen dumpfen Schlag oder ein gedämpftes Geräusch wie von einer zuschlagenden Tür geweckt worden sei und später einen schwachen Rauchgeruch bemerkt habe. Als sie im Lauf des Morgens ein Telegramm in Mary Reesers Apartment brachte, fiel ihr auf, dass etwas Ernstes geschehen sein musste: Die Fliegengittertüre war heiß, es roch nach Rauch und an den Wänden des Korridors war Ruß. Im Polizeibericht heißt es zwar, dass Mary Reeser beim Rauchen im Stuhl eingedöst sei, doch diese Erklärung ist in vielerlei Hinsicht unbefriedigend; unter anderem deshalb, weil es nahezu unmöglich ist, dass ein Stuhl wegen einer heruntergefallenen Zigarette Feuer fängt.

Dr. Wilton M. Krogman, ein Professor für Somatologie und weltweit führender Fachmann in der Frage, was mit dem menschlichen Körper unter der Einwirkung von Feuer geschieht, machte zu der Zeit, als die Ermittlungen im Gang waren, zufällig Urlaub in der Nähe von St. Petersburg. Er gab zu, dass dieser Todesfall für ihn völlig rätselhaft war und dass er „noch nie von etwas Ähnlichem gehört habe“.

Er wusste aus Erfahrung, dass es enormer Hitze bedurfte, um einen menschlichen Körper dermaßen zu verbrennen, wie es bei Mary Reeser geschehen war.

„Ich war dabei, als getestet wurde, wie sich extreme Hitze auf den Körper und die Knochen auswirkt. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine Temperatur von etwa 1.650 Grad Celsius nötig ist, damit die Knochen so vollständig verbrennen wie im Reeser-Fall. […] Ich kann mir nicht vorstellen, wie es zu einer totalen Ein­äscherung kommen kann, ohne dass das Apartment selbst mehr Brandspuren aufweist.“

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 84 lesen. Die Ausgabe können Sie hier erwerben.

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