Das verlorene Geschlecht: Über Herbizide und das Gefühl, „im falschen Körper“ zu sein

geschlechtTransgenderismus – nur ein Randphänomen der Gesellschaft? Das dachte sich die Autorin dieses Artikels auch, bis ihr im Herbst 2019 etwas auffiel. Es ging mit prominenten Werbebotschaften im Internet los, bestätigte sich in Presseartikeln, bis es sich auch im persönlichen Umfeld widerspiegelte.

Alles nur Zufall? Ein harmloser Trend? Ein Zeichen der neuen Freiheit und Ausdruck wahrer seelischer Bedürfnisse? Ihr biologischer Hintergrund ließ sie stutzig werden: Dass sich innerhalb einer Population in kürzester Zeit derartig grundlegende Veränderungen abzeichnen, ist evolutionsbiologisch nicht zur erklären.

Was sie auf ihrer Spurensuche entdeckte und erlebte, hat sie dazu bewogen, anonym zu bleiben.


Im Herbst 2019 saß ich vor meinem Laptop und machte eine Beobachtung, die mich seitdem nicht mehr loslässt: Mir fiel auf, dass ich gehäuft auf Werbung und Kurzartikel stieß, in denen Menschen mit androgynen Zügen abgebildet waren. Viele von ihnen behaupteten, sich „im falschen Körper“ gefühlt zu haben, inzwischen jedoch auf dem Weg zu ihrer wahren Identität zu sein. Diesen augenscheinlichen Trend nahm ich seinerzeit erstmals bewusst wahr.

Nachdem mir etwa zeitgleich sogar Fälle aus dem Bekanntenkreis zu Ohren kamen, wo Eltern ganz selbstverständlich darüber berichteten, dass ihr Sohn/ihre Tochter nun lieber das Geschlecht wechseln wolle, klingelten bei mir die Alarmglocken.

Was mir noch auffiel: Viele von diesen medial präsentierten Menschen sind noch sehr jung. Das offenbart sich besonders im Zusammenhang mit Talentshows, die überwiegend bei Privatsendern angesiedelt sind. „Sie oder er ist auf dem Weg zu seiner oder ihrer wahren Identität“, lauten die Botschaften an das Millionenpublikum. Darüber hinaus stellte ich fest, dass es mittlerweile ein nahezu inflationär gestiegenes Angebot an Büchern, Beratungsstellen und Merchandisingartikeln für diesen Personenkreis gibt. Dazu kommen immer mehr Kliniken, die sich auf geschlechtsangleichende Operationen spezialisieren.

androgyn8

Das alles stimmte mich sehr nachdenklich. Deshalb suchte ich im Internet gezielt nach entsprechenden Pressemeldungen und wurde fündig. „Schlange stehen für Geschlechtsumwandlung“, lautete beispielsweise ein Beitrag von Deutschlandfunk Nova aus 2016.1 Berichtet wurde über die enorme Nachfrage nach operativen Geschlechtsumwandlungen in Großbritannien. Doch auch hierzulande sind entsprechende Tendenzen zu verzeichnen. Im September 2019 sagte eine Ärztin gegenüber einer Redakteurin der FAZ, dass immer mehr Kinder in ihre Praxis kämen, die sich im falschen Körper fühlten – darunter ein sechsjähriges Mädchen. Viele Kinder und Jugendliche bereuten laut Aussagen der Ärztin jedoch später die bei solchen Fällen gängige Hormontherapie. Der Artikel erschien unter dem Titel „Es gibt einen Transgender-Hype“ am 7. September 2019 in der FAZ.2

Ein bio-logischer Anfangsverdacht

Übersahen die Medien im Zusammenhang mit dem „Transgender-Hype“ womöglich relevante Puzzleteile? Einer meiner ersten Gedanken war: Wenn sich ein bestimmtes Merkmal in einer Population sehr viel ausgeprägter als bisher morphologisch abbildet, hat das vermutlich etwas mit Umweltgiften zu tun, die sich über die Nahrungskette angereichert haben.

Vor etwa 40 Jahren hatte ich Biologie als Leistungskurs belegt; Bio war also ein Prüfungsfach im Abitur. Später machte ich eine Ausbildung zur Biologisch-technischen Assistentin, nach der ich mehrere Jahre als rechte Hand des Geschäftsführers eines ökologisch orientierten Planungsbüros tätig war. Dort wurden Umweltverträglichkeitsstudien und landschaftsökologische Gutachten erstellt.

Der Blick auf die Welt ist bei mir daher naturwissenschaftlich geprägt. Ich fragte mich, welche biologischen Gründe es für die augenscheinliche Häufung der Geschlechtsdysphorie geben könnte. Geschlechtsdysphorie umschreibt eine Geschlechtsidentitätsstörung (engl. gender identity disorder), mit der Menschen diagnostiziert werden, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Ich erfuhr bei der Internetrecherche, dass die Fachwelt zwischen Geschlechtsidentitätsstörungen und Transsexualität differenziert. Man orientiert sich dabei am ICD, einem weltweit angewandten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Auch hierzulande wird es von Ärzten für die Verschlüsselung von Diagnosen und zu Abrechnungszwecken genutzt. Herausgegeben wird das ICD von der WHO. Nach der ICD-Version 11 bestehen ab 2022 in Bezug auf Transgender-Diagnosen erweiterte Möglichkeiten. Der Spiegel schrieb am 19. Juni 2018 dazu:

„Transsexualität wird im jetzt von der WHO veröffentlichten, überarbeiteten System unter dem Überbegriff ‚sexueller Gesundheitszustand‘ (‚sexual health condition‘) geführt und als ‚Geschlechts­inkongruenz‘ bezeichnet. Zugrunde liegt nun nicht mehr ein einfaches Zweigeschlechter-Modell, in dem ein Mensch eindeutig weiblich oder männlich sein muss.“ 3

Doch mich inte­ressierten eigentlich weniger die Nuancen medizinischer bzw. psychiatrischer Diagnostik, sondern infrage kommende naturwissenschaftlich belegbare Gründe für die eklatante Zunahme an Menschen, die mit ihrem biologischen Geschlecht Identitätsprobleme haben. Dennoch fand ich es interessant, dass die EU inzwischen sogar schon auf die rapide steigende Anzahl an Menschen mit Geschlechtsdysphorie reagiert hat.

Hatte bisher noch niemand dieses Puzzle zusammengesetzt?

Welche toxischen Substanzen spielten womöglich als Ursache der stark zunehmenden Geschlechtsdysphorie eine Rolle? Ich dachte spontan an die Gesetzmäßigkeiten der Nahrungskette und in dem Zusammenhang an die Begriffe Bioakkumulation und Trophiestufen. Die Nahrungskette dient als Modell für stoffliche Wechselwirkungen zwischen Arten von Lebewesen. Von Bioakkumulation spricht man in der Ökologie, wenn sich Schadstoffe in Organismen über die Nahrungskette anreichern. Die Beziehungen der Arten innerhalb der Nahrungskette werden als Trophiestufen bezeichnet (griech.: trophein = „sich ernähren“) und unter dem Begriff Nahrungsnetz zusammengefasst, wobei bestimmte Arten die Nahrungsgrundlage für andere sind.

Was die Anreicherung von Giften angeht, gilt: Je höher die Trophiestufe, desto länger dauert es, bis Gifte sich so stark angereichert haben, dass ihre Effekte in einer Population spürbar und häufiger als bisher sichtbar werden. Als sogenannter Endorganismus in der Nahrungskette ist der Mensch somit der finale Müllschlucker, denn da er sich als Allesfresser von dem ernährt, was die Umwelt zu bieten hat – ob es sich um pflanzliche oder tierische Produkte handelt –, verzehrt er genau das, worunter Flora, Fauna und besonders das Wasser zu leiden haben.

Die Tatsache, dass unsere Umwelt inzwischen mit Giften geradezu gesättigt ist, macht es der Erde als System und den Menschen als deren Bewohner zudem immer schwerer, selbstreinigende Funktionen auszuführen. Mit anderen Worten: Wir ersticken am eigenen Dreck, wenn wir so weitermachen.

Ich fragte mich nun, ob es spezielle Umweltgifte geben könnte, die das Hormonsystem derart beeinflussen, dass so viele Menschen heutzutage Probleme mit ihrem biologischen Geschlecht haben. Doch bevor ich mich näher mit infrage kommenden Substanzen beschäftigte, frischte ich mein Gedächtnis in Sachen Hormonsystem auf. Ich stöberte in Büchern und besonders im Internet.

Von Drüsen und Disruptoren

Wenn es im Volksmund heißt „Das sind die Hormone“, steckt dahinter eine Menge Wahrheit: Hormone sind Botenstoffe, die einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gefühle haben. Sie werden von endokrinen Drüsen ins Blut abgegeben, das sie im Normalfall zu den Zielzellen transportiert. Vom reibungslosen Funktionieren rund um Hormone hängen Körperfunktionen wie der Stoffwechsel (Metabolismus), das Wachstum, die Fortpflanzung, der Schlaf und die Gemütslage ab. Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen exo- und endokrinen Drüsen. Exokrine Drüsen geben ihr Sekret an eine innere oder äußere Körperoberfläche ab. Die Bauchspeicheldrüse beispielsweise hat exokrine und endokrine Zellen: insulinproduzierende Beta-Zellen in endokrinem Gewebe und exokrine Zellen, die ihre Produkte nicht direkt ins Blut, sondern über eine Art Kanalsystem in den Zwölffingerdarm abgeben. Endokrine Drüsen interessierten mich im Zuge meiner Recherche vorrangig, da ich sie wesentlich mit geschlechtsspezifischen Befindlichkeiten verband. Zu den endokrinen Drüsen gehören die Zirbeldrüse, die Hypophyse, die Schilddrüse, der Thymus, das Pankreas, die Nebenniere, die Ovarien bei der Frau und die Hoden beim Mann.

Betrachtet man nur einmal die Nebennierenrinde, wird schon deutlich, wie sensibel und wichtig unser Drüsensystem ist. Die Nebennierenrinde ist der äußere Bereich der Nebenniere, die mehr als 40 Hormone produziert, darunter auch Androgene und das als Stresshormon bezeichnete Cortisol. Der Cortisolstoffwechsel beeinflusst neben der Produktion männlicher Sexualhormone auch die Gehirnentwicklung.

Kommentare

07. Januar 2021, 12:44 Uhr, permalink

Hucky

Klasse recherchiert; auf die Idee muss man erst mal kommen, das mit Umweltgiften in Verbindung zu bringen. Ein weiterer wichtiger Aspekt wäre u. U. noch der Milchkonsum. Immerhin fressen die Tiere ja auch das möglicherweise pestizidverseuchte Gras und werden mit solchen Unmengen an Hormonen und vor allem Antibiotika vollgepumpt das es einem schon mulmig werden kann, wenn man das einmal live gesehen hat.

Kommentar schreiben

Folgende Art von Kommentaren sind unerwünscht und werden von uns entfernt:

  • (Schleich-)Werbung jedweder Art
  • Kommentare die nichts zum Thema beitragen
  • Kommentare die der deutschen Sprache nicht gerecht werden
  • Geplänkel mit anderen Kommentarschreibern
  • Kontaktanfragen an die Redaktion (benutzen Sie hierfür bitte das Kontaktformular)

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise