Editorial Ausgabe 36

Liebe Leser, in dieser Ausgabe kann ich Ihnen wieder einen jener Artikel präsentieren, die tief aus dem Land des „WooWoo“ stammen, wie Clif High es wohl ausdrücken würde – jener Terra Incognita, in der alle Dinge grundsätzlich unbeweisbar bleiben müssen, wenngleich sie von höchst faszinierender und schwer auszulotender Natur sein mögen. Diese Art von Geschichten bevorzugt eigentlich das Internet als natürlichen Lebensraum: Dort wachsen und gedeihen sie in bestimmten Foren, und erst die Auseinandersetzung vieler Menschen mit ihren Inhalten verleiht ihnen das gewisse Aroma des subversiv Enigmatischen, das wir so schätzen.

Druckbar ist das oftmals nicht, weil man mitunter eine Eselsgeduld braucht, um all das Material zu sichten, das zu dieser Art von Geschichten zwangsläufig dazu gehört. Unser Artikel über das CHANI-Projekt hat einen dementsprechend langen Werdegang hinter sich: Er begann als eine Serie von Threads in einem dubiosen Forum, die von einem User mit dem Pseudonym „Acolyte“ gestartet wurden; das Niveau seiner Enthüllungen kann man als höchst komplex beschreiben.

Irgendwann schaltete sich Duncan Roads von der australischen Nexus-Redaktion ein und schrieb über Monate hinweg immer wieder Zwischenberichte und Zusammenfassungen für neu eingestiegene User. Dabei kam es zu einer persönlichen Bekanntschaft zwischen ihm und dem ominösen Acolyte. Dies wiederum resultierte Monate und endlose Wirrungen später darin, dass Acolyte sich bereit erklärte, für NEXUS eine geraffte Darstellung der Dinge niederzulegen, in der er erstmalig auch über seine eigenen Hintergründe erzählt. Dies ist ein äußerst vielschichtiger Text geworden, und ihn ins Deutsche zu bringen, war dann nochmal eine eigene Herausforderung für sich.

Wie Sie dann sehen werden, geht es im Hauptaspekt um eine Art computer-gechannelter Durchsagen an die Menschheit, die auf eine Weise formuliert werden, die den Leser unmittelbar in den Eingeweiden packt. Doch das ist nur der eine Aspekt, es gibt noch andere. Zum Beispiel behauptet Acolyte, wissenschaftlicher Mitarbeiter eines „Think-Tanks“ zu sein, der u. a. die Aufgabe hat, die Stimmung der Öffentlichkeit in Bezug auf sensible Themen zu erforschen und auch zu lenken. Was könnte heutzutage besser dafür geeignet sein als das Internet!

Mit seinen Einlassungen über seine Auftraggeber bestätigt Acolyte meinen lang gehegten Verdacht, dass die Leute mit den unbegrenzten Budgets sehr gerne verfolgen, welchen Weg neue Gedanken und Informationen in der Gesellschaft nehmen. Wenn man eine ungewöhnlich interessante Information neu ins Netz stellt, lässt sich schön verfolgen, wer diese Information aufnimmt und weitergibt oder wer sie gleich verwirft. Nach ein paar Wochen lassen sich per Google dann vielleicht schon erste Verweise auf die ursprüngliche Information auf anderen Webseiten „der Szene“ finden und auf diese Art kann man bestimmt die allerliebsten Landkarten oder Simulationen entwickeln – darüber, wer wen kennt zum Beispiel. Oder wer die Meinungsführer sind bzw. die „Early Adopters“. Macht man das ein paarmal, kann man ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie sich Teile der Öffentlichkeit in eine bestimmte Richtung lenken oder gezielt hinters Licht führen lassen.

Wieviel ist also die Aussage eines Mannes wert, der einräumt, in diesem Bereich Profi zu sein? Nun, das kommt wiederum darauf an, wie faszinierend die Informationen sind, die er anbietet. In Acolytes Fall sagt meine Intuition, dass wir ihm dennoch zuhören sollten – aber urteilen Sie bitte wie immer selbst.

Dann möchte ich Sie noch auf einen weiteren Aspekt hinweisen, der in dieser Geschichte steckt: Die Leser von David Ickes neuem Buch werden wissen, dass der Mond in letzter Zeit immer öfter in Verdacht gerät, etwas anderes zu sein, als wir bisher glaubten. Auch in NEXUS hatten wir schon einen Artikel von Jim Marrs publiziert, der in eine ähnliche Richtung zielt. In Acolytes Channeling-Saga geht es nun (unter anderem) auch um den Mond. Das ist ein lustiger Zufall. Oder werden wir auch hier wieder sanft gelenkt?

Menschen wie Sie und ich, die sich für NEXUS-Themen interessieren, haben zwar generell in der Gesellschaft nichts zu melden, aber wir sind anscheinend dennoch eine interessante Zielgruppe: wir denken noch selbst; wir reden vielleicht auch über unsere Gedanken und stecken gar weitere Leute damit an. Mit anderen Worten: Wir sind die Avantgarde. Das macht uns zu einem Unsicherheitsfaktor. Wer die absolute Gültigkeit unserer Realität in Zweifel zieht oder seinen Krebs lieber selber kuriert, der glaubt andererseits vielleicht auch nicht an Osama und die sieben Geißlein. Man muss auf solche Leute schön aufpassen, sonst fällt ihnen vielleicht noch ein, die Welt zu verändern.

Und damit wären wir mal wieder beim Punkt: Was tun Sie persönlich gerade, um die Apokalypse aufzuhalten? Ach so, Sie meinen, die Welt soll in ihrer derzeitigen Form ruhig untergehen? Na, da haben Sie auch wieder Recht. Dann wünsche ich Ihnen bis dahin zumindest eine interessante Lektüre mit unserem neuen Heft.


Thomas Kirschner

Kommentare

04. August 2011, 14:10 Uhr, permalink

Christian Narkus

Klingt interessant, zumal ich beim Mond des öfteren sehr merkwürdige Gefühle hatte, speziell nach einer Übung nach Castaneda. Bin schon gespannt auf die Ausgabe. Danke auch für den schönen Humor im Schlussabschnitt. :) Sonnige Grüße aus dem gerade chemtrailerlösten, herrlich abregnenden Potsdam.

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