Humanstudien basieren oft auf fehlerhafter Tierforschung

humNeueste Nachforschungen haben aufgezeigt, dass Aufsichtsbehörden und Ethiker ihre Entscheidungen bezüglich der Freigabe von Medikamenten für Tests an Menschen oft auf Tierstudien stützen, die gravierende Fehler aufweisen.Ein Team um Dr. Daniel Strech, Bioethiker und Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover, hat erstmals einen unabhängigen Blick auf die Prüferinformationen (engl.: investigator’s brochure, IB) geworfen, die von Zulassungs- und Aufsichtsbehörden begutachtet werden, um die Risiken und den Nutzen experimenteller Behandlungen abzuwägen und zu entscheiden, ob bestimmte Tests an Menschen durchgeführt werden dürfen.

„Die Art und Weise, wie Tierstudien derzeit in den Prüferinformationen dargestellt werden, verfälscht die Risiko-Nutzen-Abwägung wirklich stark“, erklärte Strech während eines Telefon­interviews.

Andere Wissenschaftler haben anhand von bereits veröffentlichten Forschungsergebnissen und Studienprotokollen herausgefunden, dass bei Tierversuchen oft auf wichtige Analysen verzichtet wird, die das Ergebnis der Studien weniger verzerren würden.

Für ihre neue Studie haben Strech und sein Team 109 Prüferinformationsbroschüren aus den Jahren 2010 bis 2016 untersucht, die drei institutionelle deutsche Untersuchungsausschüsse genehmigt hatten und für die insgesamt 708 Tierstudien durchgeführt worden waren.

Strech merkte an, dass seine in PLOS Biology veröffentlichte neue Analyse keine Antwort auf die Frage gibt, warum Forscher derart minderwertige Ergebnisse einreichen und warum diese von Gutachtern abgenickt werden. Aber in persönlichen Gesprächen habe er mehr und mehr den Eindruck gewonnen, „dass Ethik­komitees und -behörden sich gar nicht weiter mit den vorklinischen Ergebnissen zur Wirksamkeit der Medikamente beschäftigen“.

Die Aufsichtsbehörden konzentrieren sich stattdessen auf die Daten zur Toxizität und Sicherheit eines neuen Medikaments, fügte er hinzu. „Sie vertrauen mehr oder weniger darauf, dass die Geldgeber, die Industrie sowie die Forscher niemals eine solche klinische Studie durchführen würden, wenn sie nicht absolut davon überzeugt wären, dass das besagte Medikament auch Wirkung zeigt.“

Fast die Hälfte aller untersuchten Studien wurde von einem der 25 größten Pharmaunternehmen finanziert, bemerkte Strech. An vielen waren nicht deutsche Forscherteams beteiligt, was darauf schließen lässt, dass es sich hier um ein weltweites Problem handelt.

Quelle: ScienceDaily.com, 05.04.18, http://tinyurl.com/y8r7fc6o

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