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NEXUS Magazin 29, Juni-Juli 2010

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Unsterbliche HeLa-Zellen und Viren-Voodoo

Ein schwarzmagischer Scifi-Thriller: Die Krebsforschungszelllinie, die einem malignen Tumor einer einzigen Person – Henrietta Lacks – entstammt und in der Medizinforschung Geschichte geschrieben hat, wurde mit einem Hexengebräu aus Tier-Embryonenblut und menschlicher Plazenta genährt und wuchert sich inzwischen zu einer eigenen Art aus.

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Die neue Mikrobiologie des menschlichen Körpers

Eine der bemerkenswertesten neuen Erkenntnisse über den menschlichen Körper besagt, dass die meisten unserer Zellen keine menschlichen, sondern Zellen von Krankheitserregern sind. So unglaublich es klingt: Unser Körper enthält zehn Mal so viele Bakterienzellen wie menschliche Zellen. Hinzu kommt, dass sich ein erheblicher Teil unserer DNS aus Virenresten zusammensetzt, wie Frank Ryan in seinem Artikel „I, virus: Why you’re only half human“ [Ich, der Virus: Warum Sie nur halb menschlich sind] im New Scientist vom 29. Januar 2010 schrieb.

Im gesunden Zustand befinden sich Mikroben und der Körper in einer symbiotischen Beziehung – das heißt, dass mikrobielle und menschliche Zellen zum beiderseitigen Vorteil friedlich nebeneinander existieren. Wird das empfindliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Mikroben jedoch gestört, kann das zu Krankheiten führen. In der medizinischen Forschung häufen sich zudem die Hinweise darauf, dass die Erreger, die wir in uns tragen, mit der Entstehung von Krebs und chronischen Erkrankungen zu tun haben. Trotz dieser neuen Forschungsergebnisse glauben die meisten Ärzte nach wie vor nicht daran, dass symbiotische Bakterien bei der Entstehung von Krebs sowie chronischen Erkrankungen eine Rolle spielen.

Was das alles mit der Krebs- und Impfstoff-Forschung aus den vergangenen 50 Jahren zu tun hat? Die Antwort auf diese Frage besteht aus einer Reihe weiterer Fragen. Könnten Experimente zur Karzinogenese und mit Impfstoffen, bei denen lebende Zellen menschlichen sowie tierischen Ursprungs zum Einsatz kommen, Viren und Bakterien von einer Spezies zur anderen übertragen? Könnten solche Experimente mit neuen Krankheiten und im Menschen ausbrechenden Viren zu tun haben? Oder mit der zunehmenden Besorgnis und Kontroverse über Krankheiten, die möglicherweise durch Impfungen verursacht werden? Oder zur Verseuchung mit HeLa-Zellen – den in medizinischen Versuchen häufig benutzten Krebszellen, die in Krebs- und Impfstofflabors wie Unkraut wuchern?

Das Hexengebräu: Wie die HeLa-Zellen unsterblich wurden

Die Geschichte der menschlichen Zellkulturen begann mit Henrietta Lacks, einer jungen Schwarzen aus Baltimore, die 1951 an einer äußerst bösartigen Form von Gebärmutterhalskrebs starb. Zuvor hatte sich ihr Tumor trotz Operation und Strahlentherapie rapide ausgebreitet; die 31-jährige Frau war binnen acht Monaten nach der Diagnose tot. Doch ein Teil von Henriettas Krebs blieb am Leben. Während der Operation waren ein paar Gewebeproben des Geschwürs entnommen und anschließend einem auf Zellkulturen spezialisierten Labor übergeben worden. Zellkulturen sorgten damals bei den Forschern noch hauptsächlich für Frustration, da die meisten Versuche, menschliche Zellen außerhalb des Körpers zu kultivieren, scheiterten. Es kam nur selten vor, dass ein paar der Zellen eine Zeitlang gediehen, doch auch diese starben bald ab.

Henriettas Zellen konnten am Leben erhalten werden, indem man sie mit einer Mixtur fütterte, die eher einem Hexengebräu glich als einem Laborrezept für Zellkulturen. Wie Michael Gold in seinem Buch „A Conspiracy of Cells“ aus dem Jahre 1986 berichtete, bestand das im Labor verwendete Präparat aus:

  1. Blut aus einer menschlichen Plazenta (Der Mutterkuchen, der den Fötus während seiner Entwicklung ernährt, enthält sehr wirksame Hormone, aber auch eine ganze Heerschar von Viren und Bakterien, die bis heute nicht vollständig erforscht sind);
  2. Embryo-Extrakt vom Mastrind (die zermahlenen Überreste eines drei Wochen alten ungeborenen Rinderembryos);
  3. frisches Hühner-Blutplasma aus dem Blut eines lebenden Hühnerherzens.

HeLa-Zellen 1

Teile und herrsche: Eine HeLa-Zelle teilt sich in zwei neue Zellen. (Photo: mit freundlicher Genehmigung von Paul D. Andrews, Popular-Science-Website, www.popsci.com.au)

Aus bis heute unklaren Gründen teilten sich Henriettas Krebszellen unermüdlich. Und sie alterten nicht. Wenn sie richtig gefüttert wurden, konnten sie unbegrenzt weiterleben und sich vermehren. Ihre neue „Zelllinie“ erwies sich erstaunlicherweise als „unsterblich“. Die bösartigen Zellen wurden zur ersten erfolgreichen permanenten Zelllinie der Medizingeschichte – den heute berühmten HeLa-Zellen, deren Name an die legendäre Henrietta Lacks erinnert.

Gold behauptet, dass diese Zelllinie das Fachgebiet der Karzinogenese revolutionierte – aber auch einiges Chaos anrichtete. Viren konnten nun direkt in Glasröhrchen voll lebendem Zellmaterial platziert werden, und die Virologen konnten zum ersten Mal beobachten, wie sich eine Virusinfektion auf lebende Zellen auswirkt.

Aber was war mit all den bekannten und unbekannten Viren und Bakterien, die mit der unsterblich machenden Nährlösung aus Blut und Gewebe von Hühnern, Rindern und Menschen in Henriettas Zellen eingebracht worden waren? Und mit den humanen Papillomaviren, die ihre Krebszellen enthielten und die in den 1950er Jahren von der Medizin noch nicht als mögliche Verursacher eines Zervixkarzinoms anerkannt worden waren? All diese Verunreinigungen waren für die Wissenschaft offenbar kein Thema.

Kommentare

02. August 2016, 17:51 Uhr, permalink

Cynthia

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