Die Akte Epstein: „Drei können ein Geheimnis wahren, wenn zwei tot sind.“
Collin McMahon
Kopp Verlag
272 Seiten
ISBN: 978-3-98992-147-4
€ 21,00

Auch mehr als sechs Jahre nach seinem gewaltsamen Tod in einer bewachten Gefängniszelle bleibt der Fall Jeffrey Epstein in der Öffentlichkeit präsent. Mal werden neue Bilder aus den bizarren Innenräumen der Luxusimmobilien und Residenzen auf Privatinseln veröffentlicht, mal dringen weitere Verbindungen des pädophilen Multimilliardärs Epstein zu bekannten Gesichtern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ans Tageslicht.
Unaufhörlich gebärt die schamlose Verbindung von immensem Reichtum, kriminellen Sexpraktiken und einflussreichen Netzwerken neue Thesen zu den Hintergründen, die auch vom Mainstream nicht mehr als bloße „Verschwörungstheorien“ abgetan werden können. Sachkundig liefert nun der Buchautor Collin McMahon einen aktuellen Forschungsstand über das Phänomen Epstein.
Beginnend mit dem öffentlichen Lavieren um eine „Kundenliste“ und den vorgeblichen Selbstmord von Epstein, skizziert der Autor im ersten Kapitel eine aufschlussreiche Geschichte der „Honigtöpfe“, also der Sexfallen des US-Geheimdienstes. Im zweiten Buchabschnitt beleuchtet er den frühen Lebenslauf Epsteins – und im dritten Kapitel darf man sich über die besonderen Beziehungen zwischen Epstein und dem milliardenschweren Geschäftsmann Leslie Wexner wundern.
McMahon porträtiert ebenfalls die Mittäterin Ghislaine Maxwell, die für Epstein junge Mädchen ansprach und den Kontakt zum britischen Königshaus herstellte. Auch ihren Vater Robert Maxwell und dessen geheimdienstliche Verstrickungen handelt McMahon ab.
Ein thematisch unerwarteter Höhepunkt des Buches ist die Erinnerung an den Skandal um die PROMIS-Software als Vorläufer der heutigen Überwachungsprogramme wie PRISM und Palantir.
Den jungen Opfern widmet der Autor ein eigenes Kapitel, das auch den Beginn der polizeilichen Ermittlungen erläutert. Dabei verschont er seine Leserschaft nicht mit unappetitlichen Details, was seine Aussagen mit über 600 Belegquellen sachlich nachvollziehbar macht.
Besonders brisant sind die Abschnitte über die engen Verbindungen von Epstein zu Bill Clinton und Donald Trump. Gerade hier arbeitet er die weitreichenden Verbindungen bis hin zu internationalen Banken, Stiftungen und Staatsführungen deutlich heraus.
Immer wieder stellen sich beim Lesen die Fragen, wie Epstein zu seinem Milliardenvermögen und seinen zahlreichen Kontakten in höchste Gesellschaftskreise kommen konnte – aber auch, warum Köpfe wie Steve Bannon, Bill Gates, Elon Musk und Peter Thiel die Nähe zu einem verurteilten Sextäter suchten.
Unaufgeregt traut sich der deutsch-amerikanische Journalist, den jüdischen Hintergrund von Epstein sowie seine Verbindungen zu projüdischen Netzwerken und Israel darzustellen. Auch die Theorie, nach der Epstein für den israelischen Geheimdienst Mossad eine kompromittierende Sexfalle für Prominente bis hin zum US-Präsidenten Clinton aufgebaut haben soll, wird im letzten Kapitel argumentativ abgeklopft. McMahon erläutert weiterhin die Verbindungen zu den Geheimdiensten Großbritanniens, der USA und Saudi-Arabiens.
Am Ende muss der Leser seine eigenen Schlüsse aus der Gemengelage von Fakten und Vermutungen ziehen. Und die dürften im Regelfall beunruhigend ausfallen. Auffällig ist jedenfalls, dass selbst Donald Trump als ehemaliger Nachbar und Freund von Epstein gemäß eigener Aussagen kein Interesse an der weiteren Aufklärung des Falles zeigt.
Vielleicht sind die jüngsten militärischen Angriffe auf Venezuela auch ein Versuch des US-Präsidenten, von seinen anrüchigen Eskapaden abzulenken – es wäre nicht das erste Mal. Was für den „Demokraten“ Bill Clinton die Affäre Monika Lewinsky und der Jugoslawienkrieg Ende der 1990er-Jahre war, könnte für den „Republikaner“ Donald Trump die Akte Epstein und neue Erpressungskriege in Südamerika werden.
sb
Wilde Talente
Charles Fort
Kopp Verlag
309 Seiten
ISBN: 978-3-98992-135-1
€ 12,00

Ein Kapitel von Charles Forts viertem und letztem Buch „Wilde Talente“ (die anderen drei – „Das Buch der Verdammten“, „Neuland“ und „Da!“ – wurden an dieser Stelle besprochen) beginnt mit dem denkwürdigen Satz: „Konservatismus ist unsere Opposition, aber ich hege beträchtliche Sympathie für Konservative, schließlich bin ich selbst oft faul.“ Dann erwähnt er, dass er es beim Lesen seiner Abendzeitung gern bequem hat, aber wenn er dann auf eine neue Idee stößt, wird seine Ruhe gestört, weil er eine Stecknadel oder eine Reißzwecke suchen muss, um den betreffenden Artikel zu markieren, oder eine Schere, um ihn auszuschneiden.
Das war typisch für Fort (1874–1932), der den Großteil seines Erwachsenenlebens in Bibliotheken und Zeitungsarchiven verbrachte, um dort nach Ungewöhnlichem zu suchen. Mit den zehn Romanen, die er verfasste, blieb er relativ erfolglos, doch seine vier Werke über unerklärliche Phänomene machten ihn zusehends bekannt. Dass er bis heute eine literarische Kultfigur ist, liegt nicht etwa daran, dass er sich mit dem Paranormalen befasste – sondern daran, wie er es tat.
Kehren wir zum eingangs erwähnten Kapitel zurück. Nachdem sich der Autor über die Schwierigkeiten ausgelassen hat, heutzutage – also Anfang der 1930er-Jahre – zufällig Reißzwecken zu finden, kehrt er zu einer neuen Kategorie von Seltsamkeiten zurück, nämlich dem Haardiebstahl, also verschiedenen Fällen aus mehreren Jahren und aus aller Welt, in denen unbekannte Täter lebenden und toten Menschen die Haare abschnitten oder Zöpfe aus der Auslage eines Friseurladens stahlen. Waren es Fetischisten? Perverse Gewalttäter, die Erinnerungen an ihre Opfer sammeln wollten? Übernatürliche Haardiebe? Fort liefert auch hier keine Antworten, sondern stellt vor allem provokante und ironische Fragen bzw. spielt mit möglichen Erklärungen. Sicher aber ist, wie er selbst zugibt, dass er auch die Artikel zu diesem Thema in seinem umfangreichen Archiv abgelegt hat, das zum Zeitpunkt seines Todes mehr als 60.000 Seiten umfasste.
Das besagte Kapitel handelt im Weiteren von scheinbaren Poltergeistphänomenen, aus dem Nichts fliegenden Steinen und seltsamen Bränden. Zu einem Detail schreibt Fort: „Angesichts all dessen halte ich mich selbst für geistig gesund und finde es vernünftig, wenn ich ihm Beachtung schenke. Immer vorausgesetzt, es gibt so etwas wie geistige Gesundheit und Vernunft.“
Vielleicht verstehen Sie anhand dieses Beispiels, wie Charles Forts Gehirn funktionierte und warum sein Schreibstil so anziehend und attraktiv ist – auch wenn man sich für die „obskuren Observationen“, die er hortete, nur nebenbei interessiert. Seine Bücher sind nämlich so witzig und packend geschrieben, dass man einfach wissen will, was dem Mann als Nächstes einfällt. Natürlich werden sich Anhänger der Parapsychologie bei der Lektüre in ihren Ansichten bestätigt fühlen, doch auch literarisch Interessierte finden auf jeder Seite gute Geschichten, zynische Anmerkungen über das wissenschaftliche Establishment, die Massenmedien und alle anderen „Erklärer“, die selbst das absurdeste Ereignis in ihre Schablonen pressen wollen und sich damit den Spott Forts zuziehen.
Wie schreibt der Meister an anderer Stelle so überzeugend? „Ich präsentiere in diesem Buch ja offensichtlich alles als Fiktion. Das heißt, wenn es so etwas wie Fiktion überhaupt gibt. Denn dieses Buch ist in dem Sinne Fiktion, wie es ‚Die Pickwickier‘, ‚Die Abenteuer von Sherlock Holmes‘ und ‚Onkel Toms Hütte‘, Newtons ‚Principia‘, Darwins ‚Über die Entstehung der Arten‘, die Genesis, ‚Gullivers Reisen‘, mathematische Abhandlungen, jedwedes Geschichtswerk über die Vereinigten Staaten und überhaupt alle Geschichtsbücher sind. Einer der Bibliotheksmythen, die mich am meisten ärgern, ist die Einteilung von Büchern in ‚Belletristik‘ und ‚Sachbuch‘.“
Lesen Sie alle vier Bücher von Fort. Sie werden staunen, Sie werden lachen, Sie werden lernen. I rest my case.
ph
The Natron Theory: With the recipe of the impossible stone blocks of The Great Pyramid of Giza
Marcell Fóti
Eigenverlag
372 Seiten
ISBN: 979-833832089-1
€ 28,34

„Die Annahme, alle Steine seien natürlich, besonders an von Menschen errichteten Stätten wie Stonehenge, ist ein fundamentaler Irrtum.“ So lautet Marcell Fótis zentrale Erkenntnis zur Entstehung von antiken und prähistorischen Monumentalbauten. Die dafür verwendeten, teils gewaltigen Steine waren eben nicht natürlichen Ursprungs, sondern wurden direkt vor Ort gegossen und geformt.
Hinweise darauf identifiziert der Autor überall auf der Welt: zum Beispiel kleine Ausbuchtungen, die als Ablauf für das Wasser nach dem Gießvorgang dienten, Trocknungsrisse, Schöpfspuren oder Handabdrücke in massivem Gestein. Vielfach wurden auch Baumassen mit Gussstein verkleidet und Reliefs nicht gemeißelt, sondern mit vorgefertigten Formen in den noch weichen Stein gedrückt.
Viele Fragen, an denen man herumgerätselt hat, lassen sich mit diesem Denkansatz ganz einfach beantworten. Doch es ergeben sich auch neue: Wie konnten alle diese Fertigkeiten binnen kurzer Zeit in Vergessenheit geraten? Wieso steht in keinem Geschichtsbuch, dass die Menschheit bis ins 18. Jahrhundert die Wälder der halben Welt abholzte, um Pottasche zur Stein- und vor allem Glasherstellung zu gewinnen?
Was „The Natron Theory“ besonders macht, ist die immer wieder neu gestellte Frage, ob – und vor allem wie – die Menschen schon vor Tausenden Jahren solche Verfahren mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen konnten. Das erforscht der Autor in leicht verständlichem, lockerem Stil sehr gründlich, vollzieht die Ressourcen und möglichen Vorgehensweisen unserer Vorfahren nach und demonstriert jeden Schritt theoretisch-chemisch und praktisch. Dazu gibt es klare, recht einfache Rezepte, mit denen jeder Leser selbst Stein ätzen oder lösen und aus dem Produkt wieder formbaren, gestaltbaren Stein herstellen kann.
Bilder aus der Werkstatt zeigen, dass das alles wirklich funktioniert wie beschrieben. Über einen eingebetteten QR-Code kann man von den Darstellungen direkt auf die Website des Autors oder zu externen Quellen wechseln. Auch Video-Tutorials sind direkt in der Lektüre verlinkt – was vor allem das E-Book sehr komfortabel vernetzt und ergänzt.
Wer sich selbst an der Herstellung von Steinen versuchen möchte, findet die erforderlichen Zutaten leicht im Handel und vielleicht in der Asche vom letzten Grillabend. Weltweit experimentiert schon eine beachtliche Szene mit gegossenem Stein à la Fóti.
Freilich hat dieser sich das alles nicht allein ausgedacht: Seine „Natron Theory“ fußt zum größten Teil auf der Arbeit von Professor Joseph Davidovits am Geopolymer Institute im nordfranzösischen Saint-Quentin.
Wer mehr über formbare künstliche Steine und ihre Entdeckung an vielen bedeutenden historischen Stätten wissen will, der werfe auch einen Blick in den Artikel „Künstlicher Kalkstein: Mythos oder möglich?“ von Marcell Fóti in NEXUS122 sowie auf seine Website NatronTheory.com. Die harte Wissenschaft zum Thema mit vielen historischen Bezügen und chemischen Zusammenhängen findet sich auf der Website des Geopolymer-Instituts unter Geopolymer.org.
hjo
Plasma Science and Technology: Lectures in Physics, Chemistry, Biology, and Engineering
Alexander Fridman
Wiley
798 Seiten
ISBN: 978-3-52734954-8
€ 86,99

Wussten Sie, dass sich mit einem „kalten Blitz“ aus Plasma chronische Wunden schneller heilen lassen, weil fein dosierte reaktive Teilchen tiefe zelluläre Signalwege anstoßen, statt das Gewebe zu verbrennen? Diese und weitere verblüffende Anwendungen der modernen Plasmaforschung stellt Alexander Fridman in „Plasma Science and Technology“ ausführlich vor. Sein wegweisendes Lehr- und Referenzwerk begreift Plasmaphysik konsequent als Querschnittsdisziplin – und passt damit sehr gut in eine Zeit, in der Plasma in fast allen Zukunftsfeldern von der Energietechnik bis zur Medizin eine wachsende Rolle spielt.
„Plasma Science and Technology“ basiert auf Fridmans langjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit im Bereich der Niedertemperaturplasmen und der angewandten Plasmaforschung, geht aber weit darüber hinaus. Sein Buch ist wie eine Vorlesungsreihe aufgebaut: Nummerierte „Lectures“ führen von den Grundlagen (Kinetik, Stoßprozesse, Ladungsträger, Wellen, Stabilität) über die Physik elektrischer Entladungen und typische Plasmakonfigurationen hin zu spezialisierten Anwendungsfeldern in Physik, Chemie, Biologie und dem Ingenieurswesen. Der mathematische Anspruch ist hoch: Fridman leitet die wesentlichen Gleichungen der Plasmaphysik her und wendet sie an – bleibt dabei aber praxisnah und konkret, was das Buch auch für Ingenieurinnen und Naturwissenschaftler aus Nachbarfächern zugänglich macht. Jede Lecture des Lehrbuchs endet mit Aufgaben und konzeptionellen Fragen, die sowohl für Unterrichtssituationen als auch fürs Selbststudium geeignet sind.
Der besondere Mehrwert des Werks liegt in den interdisziplinären Blöcken. Fridman behandelt Plasma in der Material- und Oberflächenbearbeitung, in der Mikro- und Nanostrukturierung, in der Energie- und Umwelttechnik (Abgasreinigung, Gasumwandlung, CO2-aktive Prozesse) und führt weiter zu Plasmaanwendungen in Biologie und Medizin.
Gerade die Kapitel zu Plasmamedizin, plasmaaktiviertem Wasser, zur Wechselwirkung von Plasmen mit Geweben und Mikroorganismen sowie zu Plasma-Landwirtschaft zeigen, wie systematisch der Autor bekannte Plasmaeffekte in biologische und technische Kontexte hineindekliniert. Sein Ton bleibt dabei sachlich und modellbasiert – die oft in populären Texten anzutreffende Überhöhung von Plasma zu einem metaphysischen oder „mystischen“ Medium findet hier keinen Platz.
Im Vergleich zu rein technischen Plasmahandbüchern und zu stärker spezialisierten Monografien positioniert Fridman „Plasma Science and Technology“ als Brücke zwischen den Disziplinen: Physikerinnen, Chemiker, Ingenieurinnen, Umwelt- und Lebenswissenschaftler finden jeweils eigene Anknüpfungspunkte, ohne dass der physikalische Kern verwässert würde. Für Interessierte, die eine fundierte, aber nicht überakademisierte Einführung in die Breite moderner Plasma-Anwendungen suchen – und die bereit sind, sich auf einen gewissen mathematisch-physikalischen Tiefgang einzulassen –, ist dieses Buch ein empfehlenswerter Ausgangspunkt.
rc
Rezensenten:
sb– Sascha Bach, rc– Renan Cengiz, ph– Peter Hiess, hjo– Hans-Jürgen Ott, ds– Detlef Scholz, cv– Christian Vogt


Parasiten | Lumenari | Erdkosmos | Anarchie – jetzt oder nie! | Der Krieg des FBI gegen Tupac Shakur | Die Akte Epstein | Wilde Talente | The Natron Theory | Plasma Science and Technology
Kommentar schreiben