Chemtrails: Mythen & Fakten (Teil 2)

Sprühen „sie“ nun, oder sprühen sie nicht? Ein ehemaliger „Chemtrail-Gläubiger“ schreibt sich den Ballast von der Seele und bietet eine Sicht auf unser aller gestreiften Himmel, die das Wettern in Wissen verwandelt – und Hilflosigkeit in Tun. Teil 1 des Artikels finden Sie in NEXUS 125.

Mythos 5: Chemtrails gibt es seit den 1990er-Jahren

Mythologische Perspektive: In unserer Jugend (sofern Sie alt genug sind, sich an die 80er-Jahre oder früher zu erinnern) war der Himmel blau und wir sahen kaum Flugzeugspuren. Das muss am Beginn eines Sprühprogramms in den 1990er-Jahren liegen, denn heute sehen wir im Gegensatz zu früher ständig Chemtrails am Himmel.

Faktenorientierte Perspektive: Der Ursprung dieser Verschwörungstheorie sowie des Wortes „Chemtrail“ stammt aus den späten 1990er-Jahren. Nach allgemeiner Auffassung stand am Beginn der Verschwörungstheorie ein Ketten-E-Mail, das weite Verbreitung fand. Darin wurde ein Zusammenhang zwischen tödlichen Linien am Himmel und Laborergebnissen kontaminierter Felder behauptet, die große Mengen der giftigen Chemikalie Dibrommethan aufwiesen. Diese Idee wurde zunehmend populärer, als alternative Radiosender häufiger über dieses Phänomen berichteten.88 Aber warum gerade in den späten 90er-Jahren? Lang anhaltende Streifen am Himmel wurden seit 1921 dokumentiert89 und die Beobachtung, Untersuchung und Bedenken wegen dieser Streifen begann bereits im Ersten Weltkrieg.90 (Wer fliegt im Krieg schon gerne über feindliches Gebiet und hinterlässt dabei eine riesige weiße Spur zur eigenen Position?)

Es gibt mehrere Erklärungen für das häufigere Auftreten künstlicher Wolken und das gestiegene Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Themen in den 90er-Jahren. Die Zahl der kommerziellen Flüge stieg in den 1990ern im Vergleich zu den Jahrzehnten davor rasant an, alle NATO-Staaten adaptierten einen neuen Standard für Flugzeugtreibstoffe und Mantelstromtriebwerke wurden zur vorherrschenden Antriebsart in der kommerziellen Luftfahrt.

Ein kurzer Überblick über die Flugstatistik der vergangenen vier Jahrzehnte: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) flogen 1980 800 Millionen Menschen. Im Jahr 1990 betrug die Zahl der Flugpassagiere bereits 1,2 Milliarden Menschen, im Jahr 2000 waren es 1,8 Milliarden. Am Höhepunkt 2019, vor Beginn der Coronapandemie, wurden 4,6 Milliarden Passagiere gezählt.91 Laut den Daten von flightradar24.com werden derzeit täglich zwischen 100.000 und 150.000 kommerzielle Flüge durchgeführt. Addiert man dazu die Militärflüge, Privat- und Businessjets, Frachtflugzeuge, Hubschrauber usw., sind es zwischen 200.000 und 250.000 Flüge pro Tag.92 Für das Jahr 2023 waren weltweit 35,3 Millionen kommerzielle Flüge geplant.93 Laut Statistik der US Energy Information Administration verbrauchten 1980 allein die USA 850.820 Barrel Flugzeugtreibstoff pro Tag, 1990 waren es etwa 1.290.000 Barrel, im Jahr 2000 bereits rund 1.743.000 Barrel.94 Zur Anzahl der täglich durchgeführten Flüge in den Jahren 1980 und 1990 waren leider keine Daten zu finden, die vorhandenen Zahlen sind jedoch aussagekräftig genug. Die Flugaktivitäten haben sich von 1980 bis zum Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Diese Daten sind ein Teil der Antwort auf die Frage, warum die 1990er-Jahre das Geburtsjahrzehnt des Chemtrail-Mythos waren und dieser auch heute noch immer mehr Anhänger findet. Es gibt immer mehr Flugverkehr, wodurch die Entstehung künstlicher Wolken, die länger am Himmel verbleiben, immer wahrscheinlicher wird.

Den vollständigen Artikel können Sie in NEXUS 126 lesen.

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