Die deutschen Katastrophen: 1914 bis 1918 und 1933 bis 1945 im Großen Spiel der Mächte

Deutsche KatastophenAndreas von Bülow
Kopp Verlag
416 Seiten
ISBN: 978-3-86445-169-0
€ 24,95

Ach, was sind wir doch nach 9/11 alle misstrauisch geworden! Glauben den Mainstreammedien kein Wort, lesen stattdessen Blogs und Bücher kritischer Insider und haben uns selbst zu regelrechten Experten auf dem Gebiet der „Verschwörungstheorien“ gemausert. Bei einem solchen Entwicklungsprozess war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis der ein oder andere auch an den ehernen Schulwahrheiten über den Ersten und den Zweiten Weltkrieg zu zweifeln begann. Was, wenn die angelsächsische Seite schon damals genauso passioniert gelogen hat wie heute? Tja, dann wurde uns sicherlich auch hier ein gewaltiger Bär aufgebunden. Höchste Zeit also, sich jenem Zeitraum der deutschen Geschichte, der typischerweise in Schulen unterrichtet wird, nämlich 1871 bis 1945, erneut zuzuwenden und ihn mit unserem heutigen Wissen über angelsächsische Strategie und Propaganda zu betrachten.

Dieser Aufgabe widmet sich nun Andreas von Bülow, der aufgrund seiner Publikationen über Geheimdienste und die Hintergründe von 9/11 hinlänglich bekannt ist. Darüber hinaus hat von Bülow auch in den Mainstreammedien eineRestreputation, saß er doch 25 Jahre lang für die SPD im Bundestag und gehörte als Minister dem letzten Kabinett Schmidt an.

416 Seiten sind für ein solches Unterfangen natürlich denkbar knapp bemessen, haben die meisten Monografien der Fachhistoriker zu einem der beiden Weltkriege doch bereits für sich tausend Seiten. Da erzählen sie dann lang und breit, dass alle irgendwie in den Krieg hineingeschlittert oder schlafgewandelt seien und stimmen dann den Lobgesang auf die „westlichen Werte“ an.

Von Bülow dagegen widmet sich konsequent jenen Stellen, für die bei renommierten 1.000-Seiten-Wälzern „leider“ der Platz fehlt. Er erläutert, dass es schon immer englische Strategie war, gegen die stärkste Macht auf dem Kontinent vorzugehen und sich dafür der Unterstützung durch die nächstgrößeren Mächte zu versichern, auf dass sich alle anderen möglichst gegenseitig schwächen. So geschehen beim Kampf gegen Spanien, später gegen Frankreich, dann gegen Deutschland – und heute gegen Russland.

Dabei gelingt von Bülow insbesondere Schilderung der politischen Hintergründe, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten, hervorragend. Man wird sich darüber klar, dass die Vereinbarung über die gemeinsamen russischen und französischen Kriegsziele (Elsass-Lothringenund das Rheinland bzw. Istanbul, die Kontrolle über die Meerengen, Syrien und Palästina) und die gemeinsame sofortige Mobilmachung im Krisenfall von vornherein positiv auf einen großen Krieg ausgelegt waren. England wiederum signalisierte Russland gegenüber Zustimmung zu diesen Plänen, wobei es freilich die russischen Revolutionen dann nur zu gerne zum Anlass nahm, Russland von der Beuteverteilung auszuschließen. Deutschland aber brachte seinen Verbündeten Österreich-Ungarn dazu, gegen den russischen Verbündeten Serbien vorzugehen – und schon war der Weltkrieg da.

Dabei verdient es besondere Beachtung, dass die deutschen Politiker wohl tatsächlich davon ausgingen, England würde neutral bleiben. Welch grandiose Fehleinschätzung! Immerhin machte das Deutsche Reich mit seinem Projekt der Bagdad-Bahn und der Unterstützung des Osmanischen Reichs dem englischen Hauptprojekt eines zusammenhängenden Kolonialreiches von Indien bis Ägypten buchstäblich einen Strich durch die Rechnung und forderte mit seinem Flottenprogramm die englische Seeherrschaft offen heraus. Unter diesen Umständen noch von einer Neutralität auszugehen zeugt von einer völligen Verkennung der Lage. Bedenkt man ferner, wie von Bülow sehr schön herausarbeitet, dass die Politik Bismarcks eine Generation zuvor eben deshalb so erfolgreich war, weil sie aufs Engste mit dem Britischen Empire abgestimmt war und dass Deutschland trotz seiner neu aufgebauten Flotte keine reale Chance hatte, die englische Seeherrschaft zu gefährden, da ihm das dafür notwendige lückenlose Netz an Versorgungsstützpunkten fehlte, wird das ganze Ausmaß der strategischen Unfähigkeit der deutschen Führung sichtbar. Sie hatte es geschafft, Deutschland binnen einer Woche Ende Juli 1914 in eine völlig ausweglose Situation hineinzumanövrieren.

Danach gab es kein Zurück mehr. Zuerst wurden alle Überseeverbindungen gekappt und Mitteleuropa wurde via Blockade in den Status einer belagerten Festung überführt, bis Deutschlands Reserven erschöpft waren und der Zusammenbruch erfolgte. Danach übernahmen im Reich die Demokraten die Macht und wurden – welch Überraschung! – von den damaligen Verfechtern der „westlichen Werte“ zu Tode gemobbt. Hitlers Aufstieg wurde dagegen gefördert, um ihn gegen den Kommunismus in Stellung zu bringen, und erst 1938, nach Hitlers Einmarsch in Tschechien, kam es zu einem britischen Kurswechsel. Da hatte man den deutschen militärischen Widerstand, der im Falle eines Einmarsches ins Sudetenland hatte putschen wollen, allerdings bereits auflaufen lassen.

Alles in allem gelingt es aber auch von Bülow nicht, das englische strategische Kalkül völlig aufzuhellen. So manches bleibt auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch im Dunkeln.

Trotzdem kann ich von Bülows Buch allen wärmstens ans Herz legen, die ihre politische Bildung über das Oberstufenniveau hinausheben wollen. Eigentlich sollte es auch für alle Schüler Pflichtlektüre sein, da die derzeitige Indoktrination mit „westlichen Werten“ und die damit einhergehende Erziehung zu einer „Kultur der Lüge“ schlecht für die Persönlichkeitsentwicklung ist und eben jene Idiotien produziert, denen wir nur zu oft ausgesetzt sind. Doch zwischendurch habe ich mir, ehrlich gesagt, auch so manches Mal gedacht, dass eigentlich doch alles in Ordnung ist und die Angelsachsen ihre Sache gar nicht so schlecht machen. Immerhin bin ich dank von Bülow jetzt ins Innerste der deutschen Idiotie vorgedrungen und sehe, dass es sie auch schon gab, bevor Deutschland Teil des angelsächsischen Imperiums wurde.

Kommentare

18. Februar 2016, 13:26 Uhr, permalink

Friedrich Götz

Ich möchte Ihnen und um Weiterleitung an Herrn Andreas von Bülow bitten:
Hallo,

Ich möchte Sie aber noch auf folgende Bücherreihe aufmerksam machen. Diese lese ich gerade und bin mit Feuer dabei. Ein Erklärungsansatz der vieles miteinander verbindet, um das warum wieso weshalb und wohin soll es führen. Dieses Wissen wäre für alle am gleichen Strang ziehenden „Alternativen“ wichtig zu wissen.

Verlag: alternative Realität
www.alternative-realitaet.de (Denn habe ich heute nicht geöffnet bekommen - aber Bücher gibts auch bei Amazon)

Julian von Salomon 3 Bücher, die Schlüssel der Offenbarung.

Bitte ggf. weiter verbreiten. Wenn das stimmt, dann sollen das alles wissen.

MfG
Friedrich Götz
Eschweiler bei Aachen

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