Aus der Ausgabe

NEXUS Magazin 46, April-Mai 2013

NEXUS Magazin 46
April-Mai 2013

Zur Ausgabe
E-Paper kaufen 4,99 €

hier werben

Gratis Ausgabe 31

NEXUS Magazin, Ausgabe 31, Kostenloses E-Paper

E-Paper (PDF)

Gesundheitsrisiken „intelligenter“ Stromzähler

Mit Metersdem vermehrten Einsatz intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meters, nehmen auch Berichte über deren Einfluss auf den menschlichen Organismus zu. Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Tinnitus, um nur die häufigsten zu nennen, scheinen von der Hochfrequenz-Abstrahlung der Geräte verursacht zu werden. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Entwicklungen rund um das Thema, im Mittelpunkt steht die aktuelle Situation in Australien.

Derzeit existieren keine Studien zu möglichen gesundheitsschädlichen Effekten der durch die Geräte ausgesandten Radio- bzw. Hochfrequenzen (HF). Es kam jedoch zu einer Befragung von 318 US-Amerikanern, die einen intelligenten Stromzähler in ihren eigenen vier Wänden installiert hatten oder in der Nähe eines solchen Geräts wohnten. Die Auswertung der Antworten zeichnete ein deutliches Bild: 49 Prozent der Befragten klagten über Schlafstörungen, 43 Prozent über Angespanntheit, 40 Prozent über Kopfschmerzen, 38 Prozent über Ohrenklingeln und 26 Prozent über Herz-Kreislauf-Probleme.13, 14 Auch in diesen Fällen schienen sich die vorliegenden Symptome stärker auszuprägen, wenn sich der intelligente Stromzähler in unmittelbarer Nähe zum Schlafzimmer der Betroffenen befand.

Als Reaktion auf die Umfrageergebnisse haben die kalifornischen Energieversorger unter dem Banner der California’s Electric Investor-Owned Utilities (IOUs) angeblich damit begonnen, kürzlich verbaute Smart Meters wieder durch analoge Zähler zu ersetzen. Das scheint zumindest in Haushalten geschehen zu sein, in denen sich die Bewohner über ein oder mehrere der oben gelisteten Beschwerden beklagten.15

Das Maine Supreme Judicial Court (Höchstgericht in Maine, USA) hat währenddessen gegen Regierungsstellen geurteilt, die es versäumten, vor der Einführung der intelligenten Stromzähler mögliche Gesundheitsrisiken zu thematisieren.16 Den Anklagepunkt aus dem US-amerikanischen Bundesstaat könnte man ebenso im australischen Victoria geltend machen.

Zwei Symptombeschreibungen betroffener Personen in Victoria:

„Seit der Installation [des Smart Meters] wache ich jeden Morgen mit Kopfschmerzen auf und gehe abends mit Schwindelgefühlen ins Bett. Der Stromzähler befindet sich auf meiner Veranda, an der Außenwand meines Schlafzimmers. Ich bin dem Gerät nachts also sehr nahe.“17

„Meine Symptome traten erstmals in der Nacht unmittelbar nach der Installation des Smart Meters auf. Ich erwachte mit starkem, rasendem Herzklopfen und einem Benommenheitsgefühl. [Ich nahm] ein anschwellendes Gefühl [wahr], das immer wieder durch meinen Körper fuhr. [Ich hatte] Kopfschmerzen und ein brennendes Gefühl in der linken Seite meines Kopfes. [Ich habe ein] geschwächtes Immunsystem, das zur Verkühlung und Grippe führte. Derzeit leide ich an Übelkeit und bekomme maximal zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht.“18

Weisen die berichteten Beschwerden auf die unmittelbare Beeinflussung durch die gerätespezifischen HF-Emissionen hin oder handelt es sich um eine sogenannte Smart-Meter-Hysterie, wie manche behaupten?19 Letzterem Urteil nach soll die mediale Panikmache einer der Auslöser für die demnach eingebildeten Krankheitsbilder sein. Das behaupten vor allem jene, die an der neuen Technologie verdienen oder sie aus anderen Gründen bewerben. Im Folgenden werde ich auf alle Eventualitäten und den derzeitigen Erkenntnisstand eingehen.

Ein Nocebo-Effekt?

Ein im Januar 2012 veröffentlichter Artikel einer kanadischen Zeitung bezeichnete den öffentlichen Widerstand gegen die Einführung der intelligenten Stromzähler durch den Elektrizitätsversorger Hydro-Québec als „ungerechtfertigte Panikmache“, die nur durch die Ökobewegung angefacht und aufrechterhalten werde.20 Berichte über negative Auswirkungen auf die Gesundheit würden demnach aus der Voreingenommenheit der Betroffenen resultieren, die sich durch ihre Befürchtungen selbst krank machten.

Das als Nocebo-Effekt bekannte Wirkmodell passte als rein psychosomatischer Erklärungsversuch der Symptome ins Bild. So hielt Andrew Wood vom Brain and Psychological Sciences Research Centre an der Swinburne University of Technology, Melbourne, Victoria, in seinem Bericht über Smart Meters fest, der Nocebo-Effekt könnte eine Rolle bei den beschriebenen Krankheitszeichen spielen.21

Es gibt zwei Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber der Erwägung, intelligente Stromzähler könnten durch ihre HF-Emissionen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen. Zum einen verlässt sich die Öffentlichkeit auf offizielle, von Normierungsbehörden festgelegte Richtlinien und Sicherheitsstandards, zum anderen auf spezifische Untersuchungen bzw. sogenannte Provokationsstudien.

Unzureichende Richtlinien

Problem Nummer eins ist also bei den Standardisierungsgremien zu finden, insbesondere bei der International Commission on non-ionizing radiation protection (ICNIRP, dt.: Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung), an deren Standards sich auch die ARPANSA orientiert. Die Richtlinien besagen, die schädliche Wirkung von HF-Abstrahlung ergibt sich durch kurze, hoch-intensive Belastungen, die das Gewebe eines Organismus erhitzen. Andere mögliche chronische Auswirkungen, die nicht im Zusammenhang mit der Erhitzung stehen, konnten nicht festgestellt werden und flossen demnach nicht in die Festlegung der Belastungsgrenzwerte mit ein.22

ICNIRP befindet sich nachweislich in einem nicht unerheblichen Interessenskonflikt, der augenscheinlich objektive Beurteilungen einschränkt. Die Kommission scheint vor allem an der Anhebung der Belastungsgrenzen interessiert, was letztlich neuen Entwicklungen der Technologiebranche zugute kommt. Angesichts einer derartigen Agenda marginalisiert die Kommission wissenschaftliche Ansätze, die das Paradigma der ausschließlich thermalen Beeinflussung hinterfragen.23

Den offiziellen Ergebnissen der ICNIRP bzw. ARPANSA steht eine Vielzahl an Studien gegenüber, die erstere als unzulängliche Nichtbeachtung empirischer Belege entlarvt. Die Intensität der zulässigen HF-Abstrahlung auf den menschlichen Organismus müsste demnach weit unter den sogenannten sicheren Grenzwerten festgelegt werden.24, 25, 26

Kommentare

09. März 2014, 17:07 Uhr, permalink

Matthias

Man muß hier zwei Dinge unterscheiden:
1. Das Smart Meter selbst
2. Die Datenübertragung zwischen Smart Meter und Energieversorger oder Kunde. Dafür kann es ein separates Modul geben oder es kann ins Smart Meter integriert sind.

Das Smart Meter selbst enthält einen Mikroprozessor sowie eine Möglichkeit, Spannung und Strom zu messen, für den Strom üblicherweise einen kleinen Meßtransformer. Es würde mich wundern wenn dieser Teil stärkere Störungen verursacht als andere kleine elektronische Geräte.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Technologien, mit denen die Daten von "Smart Metern" zu Energieversorger und Kunde transportiert werden können. Dazu gehören GSM (Handynetz), das Stromnetz des Energieversorgers (ähnlich PowerLine-Netzwerk) oder in den Räumlichkeiten des Kunden Kurzstreckenfunk wie Bluetooth, ZigBee, WLAN, PowerLine oder spezielle Protokolle wie MBus. Höchstwahrscheinlich muß zwischen diesen verschiedenen Übertragungsverfahren streng unterschieden werden, wenn man über Störungen durch Smart Meter spricht. Es ist bedauerlich, daß er Artikel auf diesen Punkt nicht eingeht, sondern verallgemeinert.

21. Januar 2015, 15:24 Uhr, permalink

Regen

Ich kenne so ein Meter mit einem eingebauten GSM-Modul. Wer gesundheitliche Bedenken hat, sollte dann auch grundsätzlich auf Handy, Schnurlostelefon und WLAN zu hause verzichten.-

28. April 2017, 12:33 Uhr, permalink

Clemenza Schwarz

Ich bin der Meinung, dass in diesem Artikel nicht zu Unrecht vor den genannten Risiken moderner Stromzähler gewarnt wird und ich sehe nicht, weshalb hierbei angeblich irgendetwas leichtfertig über einen Kamm geschert würde. Alle für die Erfassung und Übermittlung in Frage kommenden jeweils möglichen Systeme neuer funkbasierender Stromzähler, sind aufgrund ihrer jeweiligen Ausrichtung dazu per se dazu prädestiniert, gesundheitlich nachhaltig zu beeinflussen oder zu schädigen. Neben genannter WLAN Technologie oder der klassischen Mobilfunktechnik, bietet auch ein angeblich sicherer Einsatz bestimmter Power Line Bereiche, keine wirkliche Entspannung, zumal bei dieser Variante jeder in der Whg. oder dem Haus befindliche Stromleitung und Steckdose, permanent unter Spannung gesetzt wird, und EMF quasi im Dauerbetrieb über die Wohnbereiche verteilt wird. Dessen sollten wir uns bewusst sein.

Kommentar schreiben

Folgende Art von Kommentaren sind unerwünscht und werden von uns entfernt:

  • (Schleich-)Werbung jedweder Art
  • Kommentare die nichts zum Thema beitragen
  • Kommentare die der deutschen Sprache nicht gerecht werden
  • Geplänkel mit anderen Kommentarschreibern
  • Kontaktanfragen an die Redaktion (benutzen Sie hierfür bitte das Kontaktformular)

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise

Weitere Artikel dieser Ausgabe

Der Autor

Artikel herunterladen

Download starten Format: PDF
Größe: 5 KB
Download starten

hier werben

NEXUS Suche

NEXUS Magazin Artikel Feed

Alle Artikel-Veröffentlichungen auf nexus-magazin.de

 RSS-Feed abonnieren