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NEXUS Magazin 46, April-Mai 2013

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Gesundheitsrisiken „intelligenter“ Stromzähler

Mit Metersdem vermehrten Einsatz intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meters, nehmen auch Berichte über deren Einfluss auf den menschlichen Organismus zu. Symptome wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Tinnitus, um nur die häufigsten zu nennen, scheinen von der Hochfrequenz-Abstrahlung der Geräte verursacht zu werden. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Entwicklungen rund um das Thema, im Mittelpunkt steht die aktuelle Situation in Australien.

Auch in einer schweizerischen Studie über die Wirkung kurzwelliger Radiofrequenz-Transmitter der Sendeanlage in Schwarzenburg, nahe Bern, konnte der Nocebo-Effekt ausgeschlossen werden. Die Untersuchung wurde in den frühen 1990ern durchgeführt, da es zu anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden in der Bevölkerung nahe der Anlage gekommen war. Die Erkenntnisse deuteten „in höchstem Maße auf eine direkte Wirkung der Kurzwellensender auf die Schlafqualität“ hin (Unvermögen einzuschlafen und Schlafstörungen). Andere Symptome der Betroffenen waren Ruhelosigkeit, Konzentrationsstörungen, Gelenkschmerzen, allgemeine Kraftlosigkeit und Müdigkeit. Die Schlafstörungen der Anwohner wurden mit einer maximalen Belastung von 18,5 mW/m2 und einer durchschnittlichen Belastung von weniger als 7 mW/m2 in Verbindung gebracht.38 Die Studienleiter suchten gezielt nach dem vermeintlichen Nocebo-Effekt, den sie als „gesundheitsbesorgte Persönlichkeit“ deklarierten, fanden jedoch keine Belege für ihre Mutmaßung. Als die Funkstation unerwartet und den Studienteilnehmern unbekannt den Sendebetrieb einstellte, erholten sich Gesundheit und Schlafrhythmen der Anwohner. Erst als die Anlage wieder in Betrieb ging, zeigten sich die Leiden der Bürger erneut.39

Zur Thematik der Elektrosensibilität veröffentlichte die American Academy of Environmental Medicine (AAEM) eine Stellungnahme. Das Schreiben erklärt Personen, die im alltäglichen Einflussbereich von Netzfrequenzen und HF-Feldern stehen, als potentiell empfindlicher gegenüber derartigen Emissionen. Die Vereinigung empfiehlt behandelnden Ärzten, die auf Patienten einwirkenden Gesamtbelastungen bei Diagnose und Behandlung zu berücksichtigen. EM-(Netzfrequenz) und HF-Felder könnten der zugrunde liegende Auslöser bestimmter Krankheitsbilder sein.40

Vorschlag für eine Studie

Belege für die schädliche Wirkung der HF-Abstrahlung intelligenter Stromzähler sind zahlreich. Der Einfluss auf den menschlichen Organismus müsste dringend näher untersucht werden. Im Interesse öffentlicher Gesundheit spielt es keine Rolle, ob bisher noch relativ wenige Personen über Symptome klagen. Die Zahl der potenziell Betroffenen steigt täglich, mit jedem neu installierten Smart Meter. Auswirkungen als Hirngespinste abzutun bzw. auf den Nocebo-Effekte abzuwälzen, ohne eine unabhängige Untersuchung anzustreben, ist fahrlässig und unentschuldbar.

Einen Schritt in die richtige Richtung könnte eine Untersuchung des Worst-Case-Szenarios darstellen: Eine wissenschaftliche Versuchsreihe mit Personen, deren Bett sich besonders nah zu einem intelligenten Stromzähler befindet. Hierfür müsste ein Schlafraum eingerichtet werden, in oder unmittelbar außerhalb dessen ein Smart Meter angebracht wäre. Den Versuchsteilnehmern dürfte das Vorhandensein des Geräts natürlich nicht mitgeteilt werden. Entweder müsste in einer Laborumgebung der Betrieb eines Smart Meters unter realitätsnahen Bedingungen (wie in einem Haushalt) simuliert werden oder man könnte eine reale Wohnstätte für die Versuche heranziehen, um zu validen Ergebnissen zu kommen. Einzig künstlicher Eingriff in die lebensnahe Versuchsanordnung würde die kontrollierbare Schaltung des intelligenten Stromzählers darstellen. Das Smart Meter müsste abwechselnd bei bestimmten Studienteilnehmern ein- und ausgeschaltet werden. Die Aktivitäten würden vertraulich aufgezeichnet, weder die Testpersonen noch die Studienleiter dürften wissen, welche Geräte zu einem gegebenen Zeitpunkt aktiv sind und welche nicht.

Das Versuchsteilnehmerfeld sollte sich zu gleichen Teilen aus gesunden, männlichen und weiblichen Freiwilligen zusammensetzen. Probanden müssten bereit sein, einige Nächte in den Versuchsräumlichkeiten zu schlafen. Während des Schlafs sollten Daten über Gehirnwellen und Schlafqualität gesammelt werden, etwa mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG). Anhand von Fragebögen, die Teilnehmer im Laufe des Experiments ausfüllen würden, könnten subjektive Empfindungen bzw. mögliche Symptome erfasst und evaluiert werden.

Es müsste sich selbstverständlich um eine Doppelblindstudie handeln, durchgeführt von einem unabhängigen Schlafforschungs-Institut. Prüfeinrichtung und untersuchende Wissenschaftler dürften in ihrer Urteilsfähigkeit nicht durch gegenwärtige oder frühere finanzielle bzw. dienstliche Verbundenheiten mit der Industrie belastet sein. Ebenso essenziell wäre eine ungebundene Aufsichtskommission, die das Studienprojekt überwachen würde und sich aus Gewerkschaftsmitgliedern, öffentlichen Interessengruppen und der Ärzteschaft rekrutieren könnte. Die bedeutende Rolle völliger Unabhängigkeit wird vom International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE) in seiner Aufstellung der einheitlichen Anforderungen zu Manuskripteinreichungen hervorgehoben.41

Erst nach der Ansammlung ausreichender Datensätze und sobald damit geklärt werden könnte, ob es Korrelationen zwischen Schlafrhythmen und HF-Emissionen der intelligenten Stromzähler gibt, dürften die Ergebnisse an die Öffentlichkeit gelangen.

Ein zweiter Teil der Studie könnte sich mit Personen befassen, die behaupten, bereits durch HF-Abstrahlung eines Smart Meters gesundheitlich beeinträchtigt worden zu sein. Man könnte untersuchen, ob die Symptome der Betroffenen tatsächlich mit dem Sendeverhalten der Geräte zusammenhängen. In einem in die Studie eingegliederten Provokationstest könnte erforscht werden, ob gewisse Individuen auch im wachen Zustand fühlen, ob ein intelligenter Stromzähler aktiv ist oder nicht.

Falls sich nach dem Ende des ersten Teils der Studie keine Veränderung der Schlafrhythmen der Teilnehmer zeigen sollten, selbst bei jenen, die ihre Nächte unmittelbar neben einem aktiven Smart Meter verbrachten, würde das internationale Medienecho für grandiose PR zugunsten intelligenter Stromzähler sorgen. Falls sich allerdings klare Auswirkungen auf die Schlafrhythmen oder andere Symptome zeigen sollten, müssten umgehend Maßnahmen gegen den leichtfertigen Einsatz der Geräte ergriffen werden.

Kommentare

09. März 2014, 17:07 Uhr, permalink

Matthias

Man muß hier zwei Dinge unterscheiden:
1. Das Smart Meter selbst
2. Die Datenübertragung zwischen Smart Meter und Energieversorger oder Kunde. Dafür kann es ein separates Modul geben oder es kann ins Smart Meter integriert sind.

Das Smart Meter selbst enthält einen Mikroprozessor sowie eine Möglichkeit, Spannung und Strom zu messen, für den Strom üblicherweise einen kleinen Meßtransformer. Es würde mich wundern wenn dieser Teil stärkere Störungen verursacht als andere kleine elektronische Geräte.

Es gibt sehr viele unterschiedliche Technologien, mit denen die Daten von "Smart Metern" zu Energieversorger und Kunde transportiert werden können. Dazu gehören GSM (Handynetz), das Stromnetz des Energieversorgers (ähnlich PowerLine-Netzwerk) oder in den Räumlichkeiten des Kunden Kurzstreckenfunk wie Bluetooth, ZigBee, WLAN, PowerLine oder spezielle Protokolle wie MBus. Höchstwahrscheinlich muß zwischen diesen verschiedenen Übertragungsverfahren streng unterschieden werden, wenn man über Störungen durch Smart Meter spricht. Es ist bedauerlich, daß er Artikel auf diesen Punkt nicht eingeht, sondern verallgemeinert.

21. Januar 2015, 15:24 Uhr, permalink

Regen

Ich kenne so ein Meter mit einem eingebauten GSM-Modul. Wer gesundheitliche Bedenken hat, sollte dann auch grundsätzlich auf Handy, Schnurlostelefon und WLAN zu hause verzichten.-

28. April 2017, 12:33 Uhr, permalink

Clemenza Schwarz

Ich bin der Meinung, dass in diesem Artikel nicht zu Unrecht vor den genannten Risiken moderner Stromzähler gewarnt wird und ich sehe nicht, weshalb hierbei angeblich irgendetwas leichtfertig über einen Kamm geschert würde. Alle für die Erfassung und Übermittlung in Frage kommenden jeweils möglichen Systeme neuer funkbasierender Stromzähler, sind aufgrund ihrer jeweiligen Ausrichtung dazu per se dazu prädestiniert, gesundheitlich nachhaltig zu beeinflussen oder zu schädigen. Neben genannter WLAN Technologie oder der klassischen Mobilfunktechnik, bietet auch ein angeblich sicherer Einsatz bestimmter Power Line Bereiche, keine wirkliche Entspannung, zumal bei dieser Variante jeder in der Whg. oder dem Haus befindliche Stromleitung und Steckdose, permanent unter Spannung gesetzt wird, und EMF quasi im Dauerbetrieb über die Wohnbereiche verteilt wird. Dessen sollten wir uns bewusst sein.

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