Neue grundlegende Entdeckungen brauchen gleiche Wettbewerbsvoraussetzungen
Dr. Gerald H. Pollack ist ein pensionierter Bioengineering-Professor aus Seattle, der viel Gutes für die Welt getan hat, indem er beispielsweise die Studenten an der University of Washington inspirierte, Bücher schrieb und Wasserkonferenzen in Europa organisierte. Ich bin ein Fan seiner Arbeit, seit er einen Vortrag an einer großen Universität mit dem Satz beendete: „Was wir am liebsten mögen, ist ein Verständnis für die sanfte Schönheit der Natur.“
Ach ja – Dr. Pollack hat auch das gemeinnützige Institute for Venture Science (IVS) gegründet, um bahnbrechende Innovationen zu unterstützen. Die Aufgabe des Instituts besteht nicht darin, Technologie zu finanzieren, sondern Revolutionen in der Grundlagenforschung zu fördern. Ich werde gleich darauf zurückkommen. Zuvor aber noch ein paar Worte zur Person:

Gerald Pollack (Foto: © Ethan Pollack)
Dr. Pollacks produktive Karriere ist vorerst auf Eis gelegt, weil er Ende des vergangenen Sommers einen Schlaganfall erlitten hat. Ethan, einer seiner Söhne, antwortete auf mein Ersuchen nach einem aktuellen Bericht über den Gesundheitszustand seines Vaters:
„Es geht ihm gut, sein Zustand verbessert sich. Seine motorischen Fähigkeiten kehren langsam zurück, aber die Kommunikation ist halt noch schwierig. Er hat wunderbare Therapeuten und Ärzte; außerdem unterstützt ihn ein ausgedehntes Netzwerk aus Angehörigen, Freunden und Kollegen.“
In Gerald Pollacks Buch „Wasser – viel mehr als H2O: Bahnbrechende Entdeckung – das bisher unbekannte Potenzial unseres Lebenselements“ schreibt er über seine Entdeckung eines vierten Aggregatzustands von Wasser, der unser Leben verbessern kann. Die Auswirkungen dieses „EZ-Wasser“ genannten Aggregatzustands reichen von der Biologie über Energie und Informationsspeicherung bis hin zur Gewinnung von Elektrizität aus Wasser.
Im vergangenen Jahr erschien Gerry Pollacks faszinierendes neues Buch „Charged: The Unexpected Role of Electricity in the Workings of Nature“, in dem sich die Begeisterung des Autors für die Funktionsweisen der Natur von der ersten bis zur letzten Seite zieht.

Im letzten Kapitel von „Charged“ geht er näher auf das Thema ein, zu dem ich ihn im vergangenen Jahr interviewt hatte. Ich wollte wissen, warum noch keine Revolution in der Art und Weise stattgefunden hat, wie wir Strom erzeugen. Die Welt hat revolutionäre Veränderungen in der Kommunikation, im Verkehrswesen und in anderen Branchen erlebt. Nur der Großteil des erzeugten Stroms stammt nach wie vor aus der schmutzigen Verbrennung fossiler Energieträger. Die befreiendste Revolution von allen wurde abgewürgt.
Es ist einfacher, sich an den Mainstream zu halten, als Pionierarbeit zu leisten.
Dr. Pollack, der auf mehr als nur einem Wissenschaftsgebiet als Pionier tätig war, stieß dabei auf eine Art von Widerstand, der auch in anderen Bereichen – einschließlich der Energiebranche – vorkommt. Am Beginn seiner Laufbahn musste er zusehen, wie etablierte Wissenschaftler sich an ihre Theorien klammerten, als hielten sie an einer Religion fest. Und das selbst dann, wenn diese Theorien längst widerlegt worden waren …
Irgendwann fiel ihm auf, dass Beweise, die der vorherrschenden Ansicht etablierter Wissenschaftler widersprechen, oft einfach ignoriert werden. „Es ist einfacher, sich der Mainstream-Meinung anzuschließen und dafür Lob von den führenden Köpfen eines Fachgebiets zu erhalten, statt diese Meinung infrage zu stellen. Weil diese führenden Köpfe eben so viel Macht haben. Aber so sollte Wissenschaft nicht funktionieren …“
Leider ist diese Reaktion auf wissenschaftliche Durchbrüche jedoch nicht selten.
Man stelle sich vor, führende Physiker würden mit überzeugenden Beweisen für eine bisher unbekannte Energieform konfrontiert. Das mag für diese Wissenschaftler zwar durchaus spannend sein, aber möglicherweise auch destabilisierend und bedrohlich für ihre Eigeninteressen.
„Das führt zur Versuchung, die Behauptungen eines solchen Herausforderers einfach abzutun und sie vielleicht sogar als ,Pseudowissenschaft‘ oder ,Spinnerei‘ zu bezeichnen“, sagte Pollack.
„Die Zukunft der Welt steht auf dem Spiel, weil eine Welt ohne sprunghafte wissenschaftliche Fortschritte stagniert und für den Niedergang anfällig ist.“
Institute for Venture Science
Gatekeeper kontrollieren die öffentliche Meinung und die Finanzierung
Einzelne Dissidenten wurden mittels Zurückweisungen wie „Weiß doch jeder, dass Dr. Soundso verblendet ist – was er sagt, ist unmöglich, hört gar nicht hin“ ignoriert. Eine saloppe Ablehnung dieser Art „verleiht den Mitgliedern der infrage gestellten Gruppierung Sicherheit“, so Dr. Pollack. „Sie fühlen sich dadurch in ihrer Denkweise bestätigt.“
Früher mussten Forscher, die ein wissenschaftliches Paradigma infrage stellten, nur wenige einflussreiche Anführer umstimmen. Heute hängt der Erfolg davon ab, dass man eine große Zahl von Menschen überzeugt, die noch dazu ihre Ansichten wahrscheinlich nur zögerlich ändern werden.
Aber hat die Wissenschaft in diesem Jahrhundert nicht erhebliche Fortschritte gemacht?
Dr. Pollack wies darauf hin, dass zwar immer wieder neue Technologien aufkommen, aber neues Grundlagenwissen selten ist. Wegweisende Durchbrüche, die so revolutionär sind wie die Spaltung des Atoms, sind nicht in Sicht. Der Laser, der Transistor und das Internet bauten auf revolutionären wissenschaftlichen Erkenntnissen auf – die allerdings mehr als 30 Jahre alt waren.
Pressemitteilungen über Forschungsergebnisse, die angeblich Krebs heilen oder die Energieversorgung revolutionieren werden, kommen häufig von Institutionen, die sich von solchen aufregenden Ankündigungen einen Prestigegewinn versprechen. Wie Pollack mir aber bereits 2019 in einem Interview erklärte, schlagen diese Laborwissenschaftler oft nur eine mögliche praktische Anwendung ihrer Forschungsresultate vor, haben aber in dieser Hinsicht noch keinen Erfolg erzielt. Ziel seines Instituts sei es daher, „die Wissenschaft wieder zu dem höchst fruchtbaren Unterfangen zu machen, das sie war, bevor die Fördereinrichtungen einen Steuerungsprozess von oben einführten und Mainstreamwissenschaftler dazu einluden, ihre Herausforderer zu beurteilen.“
Das derzeitige System ist gegen Gamechanger ausgerichtet
Früher wurden wissenschaftliche Durchbrüche von Forschern erzielt, die über die Freiheit verfügten, das zu erforschen, wozu sie ihre Neugier und ihre unerwarteten Beobachtungen führten. Heute entscheiden Verwalter darüber, welche Forschungsbereiche am meisten einbringen könnten, und halten die Forscher dazu an, Erfolge in ihrer Nische zu erzielen. Dabei können nur inkrementelle Fortschritte herauskommen, weil die Wissenschaftler auf dem einmal eingeschlagenen Weg nur kleine Schritte machen.
„Führende Mainstreamwissenschaftler zögern, sich ernsthaft mit Ideen zu befassen, die ihre eigenen, bestens finanzierten Tätigkeiten – die in jedem Fall den Status quo repräsentieren – bedrohen könnten“, sagte Dr. Pollack.
Es gibt keinen Anreiz für sie, etwas Unbekanntes zu untersuchen, das unsere Denkweise zu wichtigen Themen auf den Kopf stellen könnte. Der Begutachtungsprozess (die Entscheidung, wessen Arbeit eine Förderung verdient) ist einseitig. Wenn jemand eine Förderung beantragt, ernennen die Verwalter der Förderstelle einen etablierten Wissenschaftler aus dem betreffenden Bereich, um die Anträge zu prüfen. Solche Gatekeeper neigen selbstverständlich dazu, Antragsteller zu unterstützen, deren Ansichten sich mit ihren decken. Die Antragsteller wissen das auch, also reichen sie nur sichere Projekte ein, bei denen es um Forschung in kleinen Schritten geht.
Das Institut verfolgt eine Strategie
Es geht darum, eine kritische Masse zu erreichen – indem man zumindest zehn Wissenschaftler oder Forscherteams finanziert, die in voneinander getrennten Labors auf der ganzen Welt arbeiten und über das Fachwissen für einen bestimmten Forschungsbereich verfügen. Jedes der beteiligten Labors verwendet möglicherweise eine andere Methode, um die Arbeit an einer bestimmten Hypothese zu überprüfen und so unabhängig voneinander zu Schlussfolgerungen zu gelangen. (Eine Hypothese ist eine vorläufige Erklärung für eine Beobachtung, ein Phänomen oder ein wissenschaftliches Problem, die sich überprüfen lässt.) Je nach ihren Resultaten werden die Wissenschaftler die besagte Hypothese dann entweder aufgeben oder sie ernst nehmen.
Für das wissenschaftliche Establishment wäre es schwierig, eine bahnbrechende Entdeckung zu ignorieren, wenn ein Dutzend Forschungsgruppen mit komplementärer Expertise dieselbe potenziell welterschütternde Idee verifiziert hätten. „Bis es so weit ist“, sagte Pollack im Interview, „werden allerdings selbst die überzeugendsten revolutionären Ideen in der Versenkung verschwinden, so wie viele das heute schon tun.“
Das Institut macht weiter
Laut Ethan Pollack übernimmt Glenn Estrabillo, der amtierende Vorsitzende des Institute for Venture Science, erweiterte Führungs- und Managementaufgaben für das Institut. „Sein erklärtes Ziel besteht darin, das Gründungsprinzip weiterzuführen: die Unterstützung risikoreicher, unkonventioneller wissenschaftlicher Forschung, die grundlegende, Paradigmen verschiebende Entdeckungen hervorbringen kann.“

Dr. Gerald H. Pollack ist ein pensionierter Bioengineering-Professor aus Seattle, der viel Gutes für die Welt getan hat, indem er beispielsweise die Studenten an der University of Washington inspirierte, Bücher schrieb und Wasserkonferenzen in Europa organisierte. Ich bin ein Fan seiner Arbeit, seit er einen Vortrag an einer großen Universität mit dem Satz beendete: „Was wir am liebsten mögen, ist ein Verständnis für die sanfte Schönheit der Natur.“
Jeane Manning ist eine preisgekrönte Autorin mit Wohnsitz im kanadischen British Columbia.
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