Missing 411: Das Phänomen der mysteriösen Vermisstenfälle

411Als sich der Ex-Kriminologe David Paulides mit seinem geschulten Verstand daranmacht, mysteriöse Vermisstenfälle in amerikanischen Nationalparks zu untersuchen, stößt er auf Fakten, die jeder Logik entbehren: unerklärliches, plötzliches Verschwinden, fehlende Kleidungsstücke und/oder Erinnerung, unmögliche Fundorte, mit Kratzern übersäte Haut. Vonseiten der Behörden wird gemauert – doch Paulides lässt sich nicht abbringen.

Nach der Analyse von 1.500 Einzelfällen – wobei Paulides überhaupt nur solche Fälle betrachtet, die sich nicht auf herkömmliche Weise erklären lassen – lässt sich ein Muster herausschälen. Mit wem oder was haben wir es hier zu tun?

Kleine Kinder verfügen mitunter über eine blühende Fantasie; doch was ist mit den erwachsenen Überlebenden? Erst fünf Jahre ist es her, dass sich die 53 Jahre alte Linda Arteaga und ihr Bruder beim Spaziergang im Wald verliefen, aus den Augen verloren und mehrere schreckliche Tage im Wald durchlebten. „Wie sie behauptet, war sie nicht allein“, berichtete der KY3 Reporter.

„,Ich habe Leute gesehen. Ich bat sie um Hilfe, doch sie benahmen sich, als würden sie mich gar nicht hören‘, erzählt Arteaga. Sie erinnert sich, dass sie direkt in ihre Richtung schauten, aber kein Wort sagten. ,Sie hielten sich im Gebüsch versteckt. Das waren merkwürdige Leute, sehr merkwürdige …‘“

Paulides weist darauf hin, dass ihr Arzt ihr geistige Gesundheit bescheinigte; zudem sei sie nicht die Einzige, die berichtet habe, im Wald von „Männern“ verfolgt oder gar gejagt worden zu sein. Die 22-jährige Eloise Lindsay etwa wollte 1989 die ersten sieben Tage ihrer 70-Kilometer-Tour allein wandern und sich erst dann mit einem Freund treffen. Doch am dritten Tag bemerkte sie, dass sie von einer Gruppe von Männern verfolgt wurde; sie sah sie zwar nie, konnte sie aber immer wieder hören. Sie habe in permanenter Todesangst gelebt und alles versucht, um sie abzuhängen, kaum geschlafen und schließlich ihren Rucksack und andere Habseligkeiten zurückgelassen. Nach über zwei Wochen lief sie, halb wahnsinnig und ohne Ausrüstung, glücklicherweise einem Jäger in die Arme. Immerhin vermochte sie sich zu erinnern und zu artikulieren – anders als beispielsweise der 20-jährige Larry Davenport, der sich 1983 beim Zelten wortlos vom Tisch erhob und im Wald verschwand: Als man ihn Tage später nackt und zerschrammt fand, gab er nur zusammenhanglose Worte von sich. Übrigens gab es auch unter den verschwindenden Collegestudenten einen Überlebenden. Als dieser zu sich kam, fand er sich in einem Fluss treibend wieder und war im Begriff zu ertrinken. Wie er dorthin gelangt war, wusste er nicht; das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war, wie er mit Freunden tanzte.

Missing 411 ist potenziell überall …

Als wäre all dem nicht genug, werden wir dem Mystery- (und dem Grusel-)Faktor noch einige Größenordnungen hinzufügen, wenn wir im zweiten Teil dieses Artikels Amerika verlassen, nach Parallelen und Querverbindungen zu verwandten Phänomenen rund um den Erdball Ausschau halten und die Täter – nein, nicht entlarven (daran haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen), aber doch ihren Charakter und die Natur des Phänomens etwas näher beleuchten werden. Dass sich der Blick über den Tellerrand lohnt, zeigt etwa ein Fall, der sich am Nachmittag des 20. Mai 1950 in Frankreich zutrug und ebenfalls polizeilich dokumentiert worden ist.

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Eine Frau unbekannten Alters und Namens war, ein fröhliches Lied auf den Lippen, unweit der Loire allein auf dem Heimweg, als sie Opfer einer Entführung der unheimlichen Art wurde. Gerade war sie sich der merkwürdigen Stille gewahr geworden – „nicht einmal ein Lüftchen“ wehte –, als aus dem Nichts zwei Hände vor ihr erschienen. Hände ohne zugehörigen Körper, wohlgemerkt, die „nicht von hinten [kamen], sondern von oben – so als ob sie nur auf den richtigen Moment gewartet hätten, mich zu schnappen“. Die Hände erfassten ihren Kopf in einer Weise, dass sie nicht schreien und nur schwer atmen konnte, und zerrten sie eilends einen Pfad entlang und in ein Brombeergebüsch. Über sich hörte die Frau eine körperlose Stimme sagen „Wir haben sie“, gefolgt von einem „merkwürdigen Lachen“. Sie fühlte sich benommen und gelähmt; die Stimme habe „wie unter Wasser“ geklungen. Ihr Rücken habe wie Feuer gebrannt, ihr Körper war inzwischen mit Schrammen übersät. Aus irgendeinem Grund ließen die Wesen jedoch von ihr ab, obwohl sie sich offenbar noch immer in der Nähe aufhielten:

„Ich dachte, ich würde meine Angreifer jeden Augenblick zu Gesicht bekommen, doch ich sah nichts! Nur die Zweige bewegten sich […] und das Gras wurde niedergedrückt, wie unter den Stapfen eines unsichtbaren Wesens.“

Es ist verblüffend, wie viele Elemente aus Paulides’ 411-Profil sich in dieser bereits 1975 veröffentlichten4 Zeugenaussage wiederfinden: das Opfer ist allein unterwegs; die Unfähigkeit zu schreien; schwerfälliges Atmen; schnelle Entfernung vom Tatort; Beerensträucher; Nähe zum Wasser; mit Schrammen übersäter Körper; Täter ist nicht zu sehen, obwohl er in der Nähe sein muss. Die Wärmeempfindung am Rücken ist insofern interessant, als verschiedene Rechercheure mutmaßen, dass die Opfer durch Hitzegefühle dazu veranlasst werden, sich ihrer Kleidung zu entledigen. Selbst die Uhrzeit entspricht dem dominierenden Zeitfenster der 411-Fälle (nachmittags), und die merkwürdige Stille, die dem Geschehen vorausging, ist den Erforschern des Paranormalen und des UFO-Phänomens aus derart vielen Berichten bekannt, dass man dafür einen eigenen Begriff geprägt hat: „Oz-Faktor“. (Paulides will den Effekt übrigens auch selbst einmal erlebt haben.) Nicht einmal der Wetterwechsel im unmittelbaren Anschluss an die Entführung fehlt:

„Plötzlich hörte ich lauten Lärm, wie vom heftigen Wind während eines Sturms […] Ich sah, wie die Bäume niedergedrückt wurden, wie bei einem plötzlichen Sturm, und wurde fast selbst zu Boden geworfen.“

Gönnen wir uns für den Augenblick eine Verschnaufpause. In Teil 2 werden wir uns unter anderem nach Großbritannien, Neufundland, Indonesien, Panama, Russland und in die Schweiz begeben, um mögliche Parallelen zum 411-Phänomen unter die Lupe zu nehmen.

Fortsetzung im nächsten Heft.

Weiterführende Informationen

Wer sich mit dem Thema Missing 411 eingehender vertraut machen möchte, dem seien die höchst unterhaltsamen und lehrreichen Interviews mit dem Autor und Rechercheur Wladislaw Raab empfohlen, der zu diesem Thema zweimal in der Talksendung CropFM zu Gast war5, sowie der YouTube-6 bzw. Dailymotion-Kanal7 des Mythen-Metzgers, der Legenden und Mythen wohlwollend, aber unerbittlich auf den Zahn fühlt – der Name ist Programm. Paulides’ Bücher sind leider nicht auf Deutsch erhältlich; dem Englischkundigen seien dringend Paulides’ Vorträge sowie seine Gastauftritte bei Coast to Coast AM und Where Did the Roads Go ans Herz gelegt.8 Paulides’ viel gescholtener Dokumentarfilm9, der im Mai diesen Jahres veröffentlicht wurde, ist zwar durchaus sehenswert, aber aufgrund seiner Fokussierung auf nur eine Handvoll Fälle – die nicht unbedingt das Gesamtphänomen repräsentieren und nicht immer überzeugen – als Einstieg weniger geeignet. Paulides’ Bücher sollten Sie ausschließlich über seine Website beziehen10; auf Amazon ist er nicht selbst vertreten, sondern nur Trittbrettfahrer, die dort seine Bücher zum zehnfachen Preis loszuschlagen versuchen.

Teil 2 des Artikels, der die Spur zu Vermisstenfällen aus aller Welt weiterverfolgt und mögliche Ursachen des Phänomens skizziert, finden Sie in Heft 75.

Anm. d. Red.: Sie haben selbst ähnliche Erfahrungen gemacht oder in Ihrem Umfeld ist ebenfalls jemand auf mysteriöse Weise verschwunden? Schreiben Sie dem Autor unter 411(at)little-giant.org. Oder nutzen Sie die Kommentarfunktion im Blog.

Endnoten

  1. Paulides, D.: „Missing 411 – Eastern United States“; „Missing 411 – Western United States & Canada“; „Missing 411 – North America and Beyond“; „Missing 411 – The Devil’s in the Detail“; „Missing 411 – A Sobering Coincidence“; „Missing 411 – Hunters“; „Missing 411 – Off the Grid“ (alle bei North Charleston, SC: CreateSpace, 2011–2017)
  2. Marsh, R.: „Missing Person Cases: Never Be Last in Line“ auf huffingtonpost.com, 26.09.13; http://tinyurl.com/411-huffington
  3. Abrahamic Faith: „Henry McCabe Voice-mail, Non-human Growling – David Paulides“ auf YouTube.com, 03.04.2016; http://tinyurl.com/411-mccabe (aufgerufen: November 2017)
  4. Vallée, J.: „Passport to Magonia“ (McGraw-Hill Contemporary, 1974)
  5. Teil 1: http://tinyurl.com/411-cropfm; Teil 2: http://tinyurl.com/411-cropfm2; CropFM: http://cropfm.at; Blog von Wladislaw Raab: http://superspektrum.blogspot.de
  6. MythenMetzger: „411 Missing: Was geht da vor sich? Was ist mit den Menschen passiert?“ (u. a.) auf YouTube.com; http://tinyurl.com/411-mythi
  7. https://www.dailymotion.com/MythenMetzger
  8. WuweiFilms: „Missing 411 – David Paulides’ Lectures & Interviews“, Playlist auf YouTube.com, 07.11.17; http://tinyurl.com/411-paulides
  9. http://tinyurl.com/411-movie
  10. http://www.canammissing.com

Kommentare

05. November 2018, 02:29 Uhr, permalink

Stefan

Solche "verschwinde Momente" beschreibt auch Stan Wolf in seiner Buchserie über den Untersberg.
Sehr spannend

05. November 2018, 22:32 Uhr, permalink

Rachel

Das ist gruselig, aber hochinteressant und deckt sich mit vielen Einzelinformationen, die ich darüber habe. Gibt es in einem der angeführten Schriften eine plausible Theorie darüber?

06. November 2018, 10:09 Uhr, permalink

Redaktion

Da müssen Sie schon Teil 2 lesen ... :-)

29. November 2018, 03:40 Uhr, permalink

Abrasax

@Stefan:
Stan Wolf ist indiskutable durch seine Romane.
Er selbst sagt, daß ein Großteil seiner Romaninhalte reine Erfindungen sind. Darum habe ich ihm geschrieben, daß sein ganzes Werk für die Tonne ist. Denn was wir brauchen ist nicht Verwirrung, sondern klare, belastbare Fakten.

Es kostet eine Menge Zeit und Aufwand und auch Geld, die Lügen von der Wahrheit zu trennen. Stan Wolf rühmt sich selbst, positive Kontakte zu einigen Illuminaten zu haben. Stan Wolf verschleiert die Wahrheit. Lieber sollte er gleich ganz seine Quappe halten.

Natürlich war er nicht begeistert über meine natürlich nicht sehr freundliche Kritik. Er macht Geld mit seinen Halb-Wahrheiten und nutzt die Unsicherheit und Neugier der Menschen aus. Das finde ich nicht in Ordnung. Seine nutzlosen Bücher kann er behalten.

Halbwahrheiten sind oft gefährlicher als gar keine Informationen.

24. April 2020, 04:01 Uhr, permalink

Marie

Ich hatte schon 3x so etwas, allerdings nicht so wie es allgemein geschildert wird. Das erste mal (ich war da 19 J. alt) war tagsüber, ich habe nicht geschlafen!! Mein Freund war bei mir und wir lagen auf der Couch, als ich plötzlich eine schwarze menschenähnliche Gestalt sah in der Zimmer Ecke. Ich erschrak fürchterlich wollte schreien und mich bewegen doch es ging nicht. Das ging ca. 2min so und dann war die Gestalt weg und alles wie vorher. Mein Freund verhielt sich die ganze Zeit normal ich habe ihm nie davon erzählt ich wusste er konnte es nicht gesehen haben und ich wollte nicht verrückt wirken.

Das zweite mal (ich war 21j. es war 2014 und wohnte in einer neuen Wohnung mit meiner Tochter) lag ich im Bett und wollte versuchen zu schlafen. Ich hatte ein komisches Gefühl und hörte ein Geräusch. Ich schaute zur Tür und sah eine schwarze Gestalt im Türrahmen stehen. Ich hatte fürchterliche Angst und wollte das licht anmachen, doch konnte mich weder bewegen noch schreien. Ich habe mich versucht zu wehren erfolgreich die Gestalt verschwand nach 3-4min und es war wie vorher. Eine Nacht später ich lag wieder im Bett und konnte vor Angst nicht schlafen, da passierte es wieder ich hatte dieses Gefühl und war paralysiert konnte nicht schreien. Doch diesmal blieb die Gestalt nicht beim Türrahmen sie kam auf mich zu und drückte mich heftig ins Bett sodass ich keine Luft bekam ich hatte das Gefühl die Gestalt wolle entweder in mich eindringen oder meine Seele aussaugen. Ich hab mich mental wieder gewehrt hab in Gedanken geschrien das sie mich in ruhe lassen soll und an Gott gedacht... Die Gestalt löste sich in Luft auf. Bis heute weiß ich nicht genau was das war und was es von mir wollte es sind nun 6 Jahre vergangen und es ist nie wieder passiert. Seit dem habe ich heftige Schlafstörungen und Angst vor dem ins Bett gehen. Meine Tochter hat zu de Zeit immer von einem Wesen geredet dem "Lorpot" sie war damals 1,5 Jahre alt ich glaube sie hat auch etwas gesehen, aber sicher weis ich es nicht denn heute erinnert sie sich nicht mehr daran. Ich hoffe das passiert mir nie wieder!

13. Dezember 2020, 10:35 Uhr, permalink

Manfred

Ich habe es mehrfach erlebt,daß die Zeit ca. halb so schnell wie sonst ablief-eine Fahradstrecke die ich sonst in 30 Minuten fuhr benötigte nur 15 Minuten.

09. Februar 2021, 17:07 Uhr, permalink

JJ

Was ich mich frage: kann man aus den Vorfällen Verhaltensregeln ableiten?

26. März 2021, 17:14 Uhr, permalink

Peter

@JJ: Keine grellen Farben in der Natur tragen, kein ungebührliches, respektloses Verhalten in der Natur, umsichtig und aufmerksam vielleicht ...

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