Unter Indern und Indianern – als Weichei auf dem Weg zum Wahren Selbst

Manchmal, liebe Leser, hält das Leben für uns Chancen der inneren Reinigung bereit. Manche dieser Wege betreten wir freiwillig; in andere stolpern wir vielleicht eher zufällig hinein.

Indianische Schwitzhütte

Um auch in meinem feinstofflichen Körper ein wenig aufzuräumen fuhr ich ein paar Wochen später nach Tirol zu einer indianischen Schwitzhütten-Zeremonie. Peter Kirschner, ein Namensvetter von mir, betreibt da eine Wildnisschule, in der er Erwachsenen wie auch Kindern Grundwissen über die Natur vermittelt. Die Schwitzhütten-Termine gehören zum spirituellen Teil seines Seminar-Programms. Peter, ein ehemaliger Rafting-Guide, hat lange Zeit bei Schamanen verschiedener Länder gelernt und war mir als Schwitzhütten-Leiter nachhaltig empfohlen worden. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Aber eins nach dem anderen. Wer auf eine solche Veranstaltung geht, sollte sich von der Auffassung trennen, dass eine indianische Schwitzhütte lediglich eine Art Freiluft-Sauna sei. Weit gefehlt. Während Sie für die Sauna einfach ein Ticket lösen und gleich danach im Warmen sitzen, sollten Sie bei Peters Zeremonie darauf vorbereitet sein, volle 24 Stunden mit der Vor- und Nachbereitung beschäftigt zu sein.

Das geht los mit einer Einführung ins indianische Medizinrad und wird dann gleich sehr praktisch, indem jeder Teilnehmer eine Aufgabe bekommt, mit der verschiedene Naturkräfte aufgerufen werden.

Schließlich muss doch irgendjemand zuerst den Ameisen davon erzählen und ihnen ein wenig Zucker anbieten, damit sie die Zeremonie nicht kompromittieren. Und für das Abwedeln der heißen Steine braucht es natürlich einen handgemachten Besen aus Tannenzweigen, die man aber nur schneiden sollte, nachdem man den Bäumen vorher erzählt hat, wofür ihre Zweige jetzt gebraucht werden. Außerdem wollen die Bäume für den Verlust auch angemessen kompensiert werden, etwa in Form von ein paar Tabakkrümeln, die man als kleine Spende bei ihren Wurzeln zurücklässt. Auch die Trolle dürfen keineswegs vergessen werden: Daher bekam einer von uns die Aufgabe, mit einer Rassel auf dem Gelände herumzulaufen, und alles Zwergenvolk darüber zu unterrichten, dass mal wieder eine Schwitzhüttenzeremonie ansteht.

Das hält einen den Nachmittag über erstmal beschäftigt, und wenn es dann abends richtig losgeht und die vorher sorgfältig ausgewählten Steine rotglühend im Feuer auf ihren Einsatz warten, dann ist man eigentlich schon allein durch das Ambiente in einem leicht veränderten Bewusstseinszustand.

In die Schwitzhütte kommt man übrigens nur auf allen Vieren rein, und drinnen ist es dann stockdunkel. Gleich drauf kommen die ersten heißen Steine, und dann wird man dann von den rituellen Gesängen des Schamanen und der Hitze und der ganzen befremdlichen Situation überhaupt in archaische Seinszustände geschleudert, die mit einer herkömmlichen Sauna ungefähr so viel zu tun haben, wie eine Grillparty im Garten mit dem Fegefeuer.

Etwa drei volle Stunden blieben wir in der Hütte. Nun, um ehrlich zu sein, sollte ich erwähnen, dass ich nach der Hälfte für einen kurzen Moment ins Freie kriechen musste, weil ich glaubte, ansonsten gleich ins Koma zu fallen. Ich bin halt doch ein Weichei, meine Frau hat recht.

Aber trotz meines Schwächelns bin ich durch die Schwitzhütte ein Stück weiter zu mir selbst gekommen: Am nächsten Tag fühlte ich mich so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr, und dieses Gefühl kommt von irgendwo ganz innen.

Kontakt

Native Spirit
Peter Kirschner
Am Schalklhof 176
6543 Nauders
Österreich
0043/(0)676/4246 634
www.native-spirit.at

Kommentare

20. Juni 2009, 08:19 Uhr, permalink

URGANORI

Spannender Artikel, allerdings drängt sich bei mir schon die Frage auf, wenn mir ein Ast aus dem Kopf wachsen würde, ob ich nicht irgendwann vielleicht doch einen Arzt oder ähnliches aufsuchen würde. Die beigelegten Bilder würden dies ohnehin rechtfertigen.

20. Oktober 2009, 22:47 Uhr, permalink

Otto Stam

2005 ist das Produkt Two Feathers vom Markt genommen worden. Es ist in den Vereinigten Staaten verboten zu behaupten, dass etwas gegen Krebs (und vieles andere) hilft, ohne dass es von Experten als gefahrlos und effektiv anerkannt wurde.
Die Website www.healingformula.net besteht auch nicht mehr.
Siehe www.quackwatch.org/01QuackeryRelatedTopics/Cancer/twofeathers.html

27. Oktober 2009, 12:06 Uhr, permalink

Matthias Jakob

Die Seite www.healingformula.net besteht auf jeden Fall noch. Demnach ist die Salbe auch noch zu kaufen. Ich überlege gerade, ob ich mir die Salbe für alle Fälle mal besorgen sollte.
Ehe ich mich der sog. Schulmedizin, mit ihrem herumdoktern an den Symptomen, ausliefere, würde ich sowieso erst alle natürlichen Heilmittel, und auch solche, ausprobieren.

28. November 2013, 19:20 Uhr, permalink

Ursula Z.

Diese Paste wird jetzt in Tablettenform als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Schade! Die angegebene Seite gibt es aber noch.

Kommentar schreiben

Folgende Art von Kommentaren sind unerwünscht und werden von uns entfernt:

  • (Schleich-)Werbung jedweder Art
  • Kommentare die nichts zum Thema beitragen
  • Kommentare die der deutschen Sprache nicht gerecht werden
  • Geplänkel mit anderen Kommentarschreibern
  • Kontaktanfragen an die Redaktion (benutzen Sie hierfür bitte das Kontaktformular)

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise

NEXUS Suche

Weitere Artikel dieser Ausgabe

Der Autor

Artikel herunterladen

Download starten Format: PDF
Größe: 5 KB
Download starten

NEXUS Magazin Artikel Feed

Alle Artikel-Veröffentlichungen auf nexus-magazin.de

 RSS-Feed abonnieren