Werkzeugfunde in Indien stellen Out-of-­Africa-Theorie infrage

outWissenschaftler haben eine außergewöhnliche Analyse von Tausenden von Steinwerkzeugen veröffentlicht, die man an einem Ort namens Attirampakkam nordwestlich von Chennai in Tamil Nadu in Indien entdeckt hat. Dank neuer Datierungsmethoden konnte ein Team unter der Leitung der Archäologin Shanti Pappu nämlich feststellen, dass die meisten Werkzeuge zwischen 385.000 und 172.000 Jahre alt sind. Diese Datierung stellt die Vorstellung auf den Kopf, dass sich die Werkzeugherstellung in Indien erst wandelte, nachdem der moderne Homo sapiens vor etwa 130.000 Jahren aus Afrika eingewandert war.

Laut den neuen Erkenntnissen fertigten die Hominini in Indien also beinahe 250.000 Jahre vor ihrer Begegnung mit den modernen Menschen Werkzeuge an, die stark denjenigen ähnelten, die von Hominiden in Afrika belegt sind – ein weiterer Beweis dafür, dass die Sache mit dem „Ursprung in Afrika“ wesentlich ungeordneter und komplexer verlief als ursprünglich angenommen.

Bei der Datierung der Werkzeuge arbeitete Pappu mit einem Team von Geowissenschaftlern und Physikern des Sharma-Zentrums für Kulturerbebildung zusammen. Die Wissenschaftler verwendeten ein spezielles Verfahren zur „infrarotstimulierten“ Lumineszenzdatierung, mit deren Hilfe sich bestimmen lässt, wann Mineralien das letzte Mal Licht oder Wärme ausgesetzt waren. Im Wesentlichen ermöglicht diese Technik den Wissenschaftlern, festzustellen, wann ein Werkzeug vergraben und somit vor der Sonnenwärme verborgen wurde. Diese Information dient als Indikator für das Alter des Werkzeugs.

In einem Artikel in der Zeitschrift Nature erklärt das Team, dass der Fundort in Attirampakkam für diese Art von Datierung ideal ist, weil er regelmäßig von einem nahe gelegenen Fluss überschwemmt wurde. Das bedeutet, dass weggeworfene Werkzeuge rasch unter den vom Wasser mitgeführten Sedimenten begraben wurden. Diese regelmäßigen Überflutungen hinterließen eine wohlgeordnete Formation von Ablagerungsschichten, die allesamt datiert werden konnten.

Zu ihrer Überraschung stellten Pappu und ihre Kollegen fest, dass diese Region – einst eine baumbestandene Küstenlandschaft, die sich hervorragend für eine langfristige Niederlassung eignete – Hunderttausende von Jahren von frühen Menschen bewohnt war. Das lag teilweise daran, dass der Fluss große Mengen an Kiesel- und Quarzsteinen mitführte. Quarz war das bevorzugte Gestein für die Werkzeugherstellung, und der war dieser Ort offensichtlich gewidmet: Außer Äxten, Messern, Speerspitzen und Schabern fand das Team auch halbfertige Werkzeuge und abgefallene Steinsplitter, die während des Bearbeitungsvorgangs zur Herstellung von Klingen vom Stein abgesprungen waren.

Doch an dieser Stelle wird die Geschichte merkwürdig. Die Hominini, die in Attirampakkam Werkzeuge herstellten, fertigten eine ganze Reihe von Gegenständen an, von denen einige starke Ähnlichkeiten mit dem mittelpaläolithischen Stil aufwiesen, der vor circa 300.000 Jahren in Afrika entstand. Aus irgendeinem Grund entwickelten die afrikanischen und die indischen Hominini also etwa zur selben Zeit die gleichen Fertigkeiten zur Werkzeugherstellung – und damit gerät unser Bild der menschlichen Entwicklung und der Migrationsmuster früherer Zeiten ins Wanken.

Ohne Zweifel wanderte eine große Anzahl moderner Menschen vor etwa 100.000 Jahren aus Afrika aus. Aber sie übten nicht notwendigerweise einen so wichtigen Einfluss auf die globale kulturelle Entwicklung aus, wie wir vielleicht glauben mögen.

Wer auch immer diese frühen Menschen waren, fest steht, dass sie sich bereits mit moderner Werkzeugherstellung befassten, ehe der Homo sapiens aus Afrika eintraf.

Wie Shanti Pappu und ihre Kollegen schreiben, handelt es sich bei den Funden von Attirampakkam um mehr als nur um Zeugnisse menschlicher Innovation. Sie weisen auch auf eine aktive Gestaltung von geografischen Orten hin, eine kognitive Veränderung, die in den Menschen den Wunsch aufkommen ließ, Generation für Generation immer wieder an denselben Ort zurückzukehren. Wir erkennen hier das Aufkommen eines kollektiven Gedächtnisses und eines historischen Verständnisses, das sich parallel zur Entwicklung ausgeklügelter Steinwerkzeuge vollzog.

Quelle: ArsTechnica.com, 01.02.18, http://tinyurl.com/Yb4w72xv

Kommentare

15. Juli 2018, 05:06 Uhr, permalink

Abrasax

Warum sollte die Menschheit der Planet-Erdgeschichte eigentlich nur von einem einzigen zentralen Punkt gestartet haben? Und warum sollten die ersten Menschheits-Artefakte unbedingt auf heute trockenen Erdteilen zu finden sein? Warum wärmen die Verlage immer wieder die ollen Kamellen auf und bearbeiten und befeuern stets die gleichen Geschichten? Welche Existenzen bestechen Verlage um wichtige Literatur verschwinden zu lassen? Warum und wozu?

31. Juli 2018, 09:05 Uhr, permalink

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Ich bezweifle zwar, dass das jemand lesen kann, der nicht der Weltmafia angehört, aber sei's drum.

Ich möchte einfach noch mal daraus Aufmerksam machen, dass die Weltmafia nicht nur aus einer kleinen Elite besteht. Agenten der Weltmafia befinden sich in fast allen Gesellschaftsschichten und können einem täglich auf der Straße begegnen. Insbesondere in Großstädten.

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