Wo die Wüste lächelt

Teaser_Desert_GreeningMadjid Abdellaziz hat eine Vision: Einen grünen Streifen des Lebens, quer durch die algerische Sahara. Und wie so oft beginnen große Visionen mit kleinen Schritten, wenig beachteten Erfolgen und unkonventionellen Ideen, die vom herrschenden Dogma allenfalls belächelt werden.

Integrale Umweltheilung

Da die Technologie so mächtig ist, übt Abdellaziz auch Zurückhaltung, wenn es um technische Details geht. Zwar sind die Möglichkeiten immer noch sehr begrenzt, weil auch der beste DOR-Buster kaum mehr kann, als die Selbstregulationsmechanismen des Systems anzuregen. Doch können andererseits lang andauernde Aktionen ebendieses natürliche Fließgleichgewicht genauso stören. Abdellaziz sieht deshalb die Bemühungen seiner Kollegen von solchen Initiativen wie Orgonise Africa und Orgonise Germany auch eher kritisch. Deren Aktivisten versuchen mit Gerätevariationen das Wetter, elektromagnetische Streufelder (den Elektrosmog) oder die sogenannten Chemtrails zu beeinflussen. Diese sogenannten Orgonitgeneratoren gibt es als Cloudbuster-Version mit und ohne Rohre. Erfunden wurden sie um die Jahrtausendwende von Don Croft, einem Amerikaner, der sich selbst als „Etheric Warrior“ sieht und einen Typ seiner „Generatoren“ demzufolge ebenso martialisch als „heilige Handgranaten“ bezeichnet. Auf der Orgonise-Africa-Website wird Orgonit als „der Stein in Davids Schleuder“ gesehen, „der Goliath wirklich zu Fall bringen konnte“. Orgonit soll nicht nur das Wetter beeinflussen, sondern auch noch den Geist klären sowie den Körper entgiften – was sich durchaus mit den Auffassungen Wilhelm Reichs deckt. Anders als die klassischen Cloudbuster, die von ihren Anwendern gewöhnlich nur wenige Tage und einige Male im Jahr gezielt eingesetzt werden, wirken zumindest die „heiligen Handgranaten“ dauerhaft, weil sie irgendwo eingegraben werden – wenn sie denn tatsächlich wirken. William Thomas, der als einer der Erstaufdecker der umstrittenen Chemtrails gilt, meint aber zumindest in Hinblick auf die Wirkungen gegen die bösen Kondensstreifen: Nein, das tun sie nicht.

Unter anderem ist die Wirkung zweifelhaft, weil sie statt mit lebendigem Wasser mit einem Mix aus Metallspänen und Halbedelsteinen in einem Kunstharzblock „geerdet“ sind. Ob die Wirkung der mit Röhren bestückten Cloudbuster besser ist als die klassische Variante, die Wasser als Anziehungspol nutzt, ist gegenwärtig nicht klar. Zumindest deuten zahlreiche Episodenberichte darauf hin, dass es Wetter- und andere Effekte gibt.7 Da es für ihre Wirkungsweise ebenso wie für die der Reich’schen Cloudbuster bisher bestenfalls Theorieansätze gibt, sollte man sicherheitshalber auf die dauerhafte Installation verzichten, meint Madjid Abdellaziz, inbesondere dann, wenn sie auch noch massenweise undokumentiert vergraben werden.

Anstatt mit menschengemachten Technologien dauerhaft in die Natur einzugreifen, gehe es primär um „Integrale Umweltheilung“, und die „geschieht weder durch künstliche Bewässerung noch durch Wettermanipulationen, sondern dadurch, dass man die Natur sanft und gezielt dazu anregt, das zu tun, was sie ohne Hilfe nicht tun kann – zum Beispiel Wolken bilden“, erklärt er. Echte Heilung geschieht also, indem die natürlichen Kreisläufe wieder in Gang gesetzt werden, zu denen allerdings durchaus auch Wirtschaftskreisläufe gehören dürfen.

Schließlich gehört zum Methodenapparat Integraler Umweltheilung für den deutschen Algerier auch eine alte indische „Technologie“ aus der vedischen Tradition, Homa genannt, oder auch Agnihotra – ein Feuerritual, das bei Sonnenaufgang und -untergang vollzogen wird.[Siehe NEXUS-Ausgaben 8 und 23] Dabei wird, während ein spezielles Mantra rezitiert wird, in einem blumentopfgroßen pyramidenförmigen Kupfergefäß getrockneter Kuhdung zusammen mit Ghee verbrannt, dem Öl geklärter Butter. Anschließend wird die Asche auf dem Feld zerstreut, und da die Menge der Asche kaum eine Handvoll übersteigt, ist leicht einzusehen, dass der Wirkungsmechanismus kein chemisch-physikalischer sein kann, sondern ein feinstofflicher – in moderner Diktion: ein informatorischer, analog dem der Homöopathie also.

Die ersten Äpfel

Der Rest ist schnell erzählt. Nachdem die ersten Cloudbuster-Operationen erfolgreich waren, wurde mit der Bepflanzung begonnen. Im Januar 2006 erfolgte die nächste Operation, bei der die Temperatur innerhalb von zwei Stunden um fünf Grad fiel und sich bald darauf wieder wohlgeformte Kumuluswolken bildeten. Im September 2006 waren die ersten drei Äpfel reif, im Juli 2007 die ersten Weintrauben. 2008 waren aus 40 Kilo eingepflanzten Kartoffeln etwa zehn Mal so viel geworden.

In der gesamten Region hat sich das Klima so stark verändert, dass in der Wüste wieder wie früher die Kalahari-Trüffel wachsen – ein Ereignis, das es als Nachricht sogar in die deutsche Tagesschau schaffte: „Die blühenden Landschaften, sie kommen – in der Sahara!“, eröffnete der Tagesschau-Moderator den Filmbeitrag – um den visionären Verursacher dann mit keinem Wort zu erwähnen.

Bedeutsamer als die Trüffel sind ohnehin andere Resultate, zum Beispiel, dass Algerien 2009 eine Rekordernte an Getreide eingefahren hat; für 2010 sieht es ähnlich aus. Ob solche Erfolge vom Klimawandel in einem nur einige tausend Quadratkilometer großen Gebiet verursacht worden sind, ist freilich eine offene Frage. Zumindest ein Zusammenhang mit den neu entstandenen Seen und wieder gefüllten Staudämmen in der Region Boughzoul, etwa 300 Kilometer nördlich von Djanan, darf jedoch als sehr wahrscheinlich gelten. Dort soll den Planungen zufolge mit Beteiligung deutscher Unternehmen eine „Zero-Emission-Stadt“ entstehen, doch kam das Projekt bisher auch aufgrund des Wassermangels nur stockend voran. Nun besteht wieder neue Hoffnung.

Hoffnungerweckend ist Djanan jedoch auch, weil Madjid eine weitere Vision hat: die eines grünen Gürtels, der sich von West nach Ost quer durch Afrika zieht. Diese „Welle“, wie er das Projekt nennt, das gegenwärtig kaum mehr ist als ein kühner Gedanke, könnte eine Art Auffangbecken für die Flüchtlinge aus dem Inneren des Kontinents auf dem Weg nach Europa werden. Statt dort wie bisher als illegale und unterbezahlte Hilfsarbeiter von den Brosamen der westlichen Wohlstandsgesellschaften zu darben, könnten sie in den Oasen solch eines Gürtels die Methoden der Integralen Umweltheilung erlernen, um das Wissen anschließend in ihren Heimatregionen umzusetzen.

Noch aber ist es lange nicht so weit. Noch fehlen neben dem Dach auf dem einzigen Gebäude auch die Unterkünfte für weitere Familien in Djanan. Die Felder werden derzeit nur von zwei Familien und einigen Helfern betreut. Perspektivisch soll das Gelände etwa 30 Familien bzw. 150 bis 200 Menschen ernähren. Zum Wohnen ist eine Architektur aus „Earth-Bags“ angedacht, aus Sandsäcken also – eine Bauweise, die wegen der einfachen Handhabung und der niedrigen Kosten besonders bei Entwicklungsprojekten in Afrika stark im Kommen ist. Dabei werden die weltweit verwendeten Getreidesäcke aus Polypropylen mit dem vor Ort vorhandenen Erdmaterial gefüllt und aufeinandergestapelt. Stacheldraht zwischen den Lagen sorgt für Halt und Stabilität. Anschließend werden die Mauern verputzt; Putzträger ist dann meist Maschendraht oder ein anderes Geflecht. Mit etwas Kenntnis und Gefühl für Statik sind der architektonischen Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Ein deutsches Architekturbüro hat mit entsprechenden Entwürfen begonnen. Geplant sind unter anderem auch künstliche Teiche – zum Baden und für die Fischzucht.

Kommentare

23. Februar 2011, 11:27 Uhr, permalink

Petra

Brilliant!!!

Danke für diese Veröffentlichung!

Leider funktioniert das URL nicht, sonst würden wir Madjid Abdellaziz eine Spende zukommen lassen. Any ideas?

23. Februar 2011, 21:23 Uhr, permalink

NEXUS-Redaktion

Uups, die Seite wurde vor Kurzem erneuert, hier der aktuelle Link: www.desert-greening.com/spenden/spenden. Wird auch gleich auf der Seite aktualisiert.

27. Januar 2012, 19:21 Uhr, permalink

nakamura

die sogenanten wasser und teichreiniger sind nichts anderes als
aluminiumclorid und somit reine chemie

26. Juli 2016, 09:48 Uhr, permalink

Rainer

Selbst wenn: Aluminiumchlorid ist eine ganz einfache Verbindung, das "Chlorid des Aluminiums" (AlCl3) [das laut dem Wiki de.wikipedia.org/wiki/Aluminiumchlorid auch "gegen leichte Entzündungen im Rachenraum" "zum Gurgeln" verwendbar und "in Apotheken und Drogerien frei verkäuflich" ist].
Aluminium selber (ohne Chloranteil) kommt [www.lenntech.de/pse/wasser/aluminium/aluminium-und-wasser.htm] auch in der Natur vor "bei der Verwitterung von Mineralien, wie etwa den Feldspaten Orthoklas, Anorthit oder Albit, Glimmer und Bauxit" und "auch in einigen Edelsteinen, wie Rubin oder Saphir", allerdings auch in "unreinen Formen von Korund," (siehe dort) "einem der härtesten bekannten Stoffe"

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