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Die Energierevolution ist da: Interview mit dem Fusionsbotschafter Willi Meinders

fusion Seit er das erste Mal von erfolgreichen Experimenten zur kalten Fusion gelesen hat, lässt Willi Meinders das Thema nicht mehr los. Mit seinem Buch geht er nun den nächsten Schritt, eine breitere Öffentlichkeit über ein unterschlagenes Faktum zu gewinnen: Die Küchentisch-Kernschmelze ist längst bewiesen, völlig ungefährlich – und steht zur Anwendung bereit.

NEXUS: Herr Meinders, gerade ist Ihr Buch „Kalte Kernreaktion“ im Novum Verlag erschienen. Sie fassen darin die wichtigsten Erkenntnisse zusammen, die Sie in gut sieben Jahren auf ihrem Blog ColdReaction.net gesammelt haben. Was hat Sie bewogen, den Blog dichtzumachen? Hatte das Thema nicht genügend Substanz, um es weiterzuverfolgen?

Willi Meinders (WM): Im Gegenteil, das Thema hat mehr Substanz denn je. Die Ergebnisse werden immer deutlicher, die Wege in den Markt immer konkreter. Ich habe den Blog übrigens nicht komplett geschlossen, denn er bleibt als Archiv und Begleitung für mein Buch erhalten – aber ich konnte die nahezu tagesaktuelle Berichterstattung einfach nicht mehr leisten. Ich bin mittlerweile 75 Jahre alt und habe noch andere Verpflichtungen und Interessen. Die Recherche war und ist sehr zeitaufwendig und spielt sich fast ausschließlich im angloamerikanischen Raum ab. Es war mühevoll, die Patente und Gutachten auszuwerten und verkürzt, aber sachlich richtig aufzubereiten. Meine Leser haben mir das mit kumuliert rund 1,5 Millionen Seitenaufrufen gelohnt.

Es gibt einen weiteren Grund, den sich Außenstehende vielleicht gar nicht vorstellen können: die ständigen Angriffe auf meine Website. Dem ist mit der Buchform nun auch ein Ende gesetzt. Mit dem Buch habe ich dem Thema auch einen anderen zeitlichen Horizont gegeben: weg von der Tagesaktualität, hin zum Grundsätzlichen.

NEXUS: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie keine technische Ausbildung haben und sich das Thema „kalte Kernfusion“ im Selbststudium angeeignet haben. Was genau gab den Ausschlag dafür – wie hat das alles angefangen?

WM: Schon in den 1960er-Jahren zeichnete sich ab, dass die Energie, gerade in einem ressourcenarmen Land wie Deutschland, eine der Schlüsselfragen werden könnte. Diese Aussicht habe ich für mich als Herausforderung angenommen. Damals hat man noch ganz selbstverständlich Heizkörper in Garagen eingebaut, und der kleine VW-Käfer verbrauchte locker 12 bis 13 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Aber man ahnte, dass das so nicht weitergehen konnte. Dass es ohne neue Technologien zu einer Energiekrise kommen würde, war klar, und der Weg zeigte eindeutig in Richtung Kernspaltung. Diese Technik hatte sich auf Flugzeugträgern und Atom-U-Booten bereits bewährt und so bot es sich an, sie „an Land“ zu holen.

Dann kam es 1979 zum Atomunfall in Three Mile Island. Es gab eine Kernschmelze und Radioaktivität trat aus. Die Folgen waren weit weniger dramatisch als in Tschernobyl und Fukushima, aber allein die Tatsache, dass so etwas tatsächlich passieren konnte, säte erhebliche Zweifel an der Technologie. Das war die Geburtsstunde einer atomaren Alternative zur Kernspaltung, nämlich der Kernfusion. Beide nutzen die sogenannte Bindungsenergie der Atome, die praktisch unendlich zur Verfügung steht. Die sogenannte heiße Fusion hat trotz regelmäßiger Ankündigungen nie funktioniert. Unter „Funktionieren“ der Kernfusion verstehe ich übrigens nicht, dass für Millisekunden oder Sekunden ein Plasma aufrechterhalten werden kann, sondern dass konstant, zuverlässig und zu günstigen Preisen saubere Energie entsteht.

NEXUS: Vielleicht sollten wir zunächst ein paar grundsätzliche Begriffe klären. Vielen dürfte der Begriff „Kernfusion“ bekannt sein. Dabei kommen einem unwillkürlich Bilder von riesigen Reaktoren in den Sinn, die die Fusionsprozesse der Sonne nachahmen wollen. Wo ist der Unterschied zu den von Ihnen geschilderten Kernreaktionen?

WM: Im Gegensatz zu den riesigen Versuchsreaktoren der sogenannten heißen Fusion sind die Reaktoren der kalten Kernreaktion sehr klein, etwa bis zur Größe einer zusammengerollten Zeitung. Nimmt man den Wärmetauscher hinzu, vergrößert sich das Gerät ungefähr bis zur Größe eines Kühlschranks. Dies hat Ähnlichkeit mit einer Heizung, wo ja der eigentliche Brenner im Vergleich zum Kessel recht klein ist.

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Schematische Versuchsanordnung für die elektrochemische kalte Fusion

Die Forschungsszene zur kalten Kernreaktion ist aber außerordentlich heterogen, ebenso wie die zur Anwendung kommenden Technologien. Ich beschränke mich hier auf die Beschreibung der sogenannten Nickel-Wasserstoff-Technologie, die derzeit die größte Verbreitung hat. 1989 hätte man sie noch Palladium-Wasserstoff-Technologie genannt. Ausgangspunkt ist, dass in Palladium oder Nickel (oder auch in andere Metalle) Wasserstoff eingeleitet werden kann. Die kleinen Wasserstoffatome passen mühelos zwischen die großen Atome der Metalle, die eine sogenannte Gitterstruktur bilden. Zuvor muss man das verwendete Metall allerdings sorgfältig von möglicherweise eingedrungenem Sauerstoff befreien, damit Platz für den Wasserstoff ist. Früher wurde der Wasserstoff dem Reaktor von außen zugeführt, heutzutage wird der Wasserstoff Teil der Reaktorfüllung, gebunden in Lithium, als Lithiumhydrid.

Kristallstruktur von Lithiumhydrid

Bei den meisten Versuchen werden die Reaktoren an beiden Enden verschlossen und erhitzt, wodurch sich ein Druck aufbaut. Gleichzeitig wird der Reaktor Schwingungen und Resonanzen ausgesetzt. Beides, die Heizkurven und die Resonanzen, ist der Kern des Know-how auf diesem Feld und zumeist wohlgehütetes Betriebsgeheimnis. Die genannten äußeren Einflüsse führen dazu, dass sich die Wasserstoffatome (in ihren verschiedenen Formen, angefangen vom atomaren Wasserstoff bis hin zu Tritium) in den engen Zwischenräumen des Metallgitters nicht mehr ausweichen können und schließlich fusionieren. Dass dies so ist, wird mittlerweile sogar von der APS, der amerikanischen physikalischen Gesellschaft, anerkannt.

NEXUS: Für den Begriff „kalte Kernreaktion“ gibt es viele Synonyme, was für Außenstehende verwirrend erscheint. Wir hatten im Heft schon von Kernreaktionen bei niedriger Energie bzw. LENR geschrieben. Ist das dasselbe?

WM: Kernfusionen finden auf der Sonne bei rund 15 Millionen Grad Celsius statt. Auf der Erde versucht man diesen Effekt mit etwa 150 Millionen Grad nachzustellen, weil der Druck der Sonnenmasse fehlt. Der Bereich, in dem das Plasma entstehen soll, muss durch riesige Magnete frei schwebend gehalten werden, weil alle bekannten Materialien in der Nähe sofort verdampfen würden. Die Versuche sind bekanntermaßen immer misslungen. Wenn wir dagegen von kalter Kernreaktion oder kalter Kernfusion sprechen, dann meinen wir damit, dass die Fusion in kleinen Reaktoren geschieht, die aus handelsüblichen Materialien bestehen. Das heißt, es werden Metalle oder Keramiken verwendet, die nicht mehr als 1.000 oder vielleicht 1.500 Grad aushalten müssen. Zudem gilt dies nur für das Innere des Reaktors. Außerhalb des Reaktors, schon in geringem Abstand, herrscht ganz normale Umgebungstemperatur. Deshalb wird dieser Vorgang mit dem Arbeitsbegriff „kalte Fusion“ bedacht, weil der Unterschied zur Sonnentemperatur offensichtlich ist.

NEXUS: Welche Begriffe werden für den Prozess noch verwendet? Steckt da immer dasselbe Prinzip dahinter?

WM: Nein, es gibt ganz unterschiedliche Ansätze und die Szene ist unübersichtlich. Die Verwirrung um die Begrifflichkeiten hat der Technologie der kalten Fusion meiner Meinung nach geschadet. Es ist einfach so, dass die einzelnen Erfinder auf unterschiedlichen Wegen zur Überschussenergie gefunden haben. Und diese Wege fanden ihren Niederschlag in den unterschiedlichen Bezeichnungen. Ich habe meinen Blog von vornherein „Cold Reaction“ genannt, weil damit auch Technologien eingeschlossen sind, die keine Fusion darstellen. Auch mein Buch habe ich deswegen „Kalte Kernreaktion“ genannt. Allen Technologien gemein ist die Kernreaktion, das heißt, dass die Atome im Unterschied zu chemischen Vorgängen ihre innere Komposition verändern oder sogar transmutieren.

LENR, also Low Energy Nuclear Reaction heißt es ja, weil die niedrige Temperatur der wesentliche Unterschied zu den Fusionsvorgängen in der Sonne ist. Es gibt natürlich noch weitere Namen für die kalte Kernreaktion, etwa LANR – Lattice Assisted Nuclear Reaction. Diese Bezeichnung beschreibt, dass die Kernreaktion durch ein (Metall-)Gitter unterstützt wird. Auch der Begriff CANR – Chemical Assisted Nuclear Reaction – wird verwendet oder AHE – Anomalous Heat Effect. Damit beschreibt zum Beispiel die NASA das Phänomen, weil es eben zu einem „anomalen Hitzeeffekt“ kommt.

Der Streit um die Namensgebung bei den Nickel-Wasserstoff-Systemen sollte allerdings mit der Anerkennung der Kernfusion durch die American Physical Society beendet sein. Sie nennt es „Kernfusionsreaktionen in mit Wasserstoff angereicherten Metallen“ – Nuclear fusion reactions in deuterated metals. Die APS besteht allerdings darauf, dass in den Mikrostrukturen der Reaktorfüllung so hohe Temperaturen entstehen können, dass man auch hier von einer heißen Fusion sprechen müsse – die Coulomb-Barriere also durch Druck und höchste Temperatur überwunden würde. Andere Wissenschaftler sind völlig anderer Meinung: Das durch Druck und Resonanzen entstandene „Gedränge“ bringt negativ geladene Elektronencluster hervor, die sich mit den positiv geladenen Protonen ladungsmäßig gegenseitig aufheben. Die Coulomb-Barriere kommt also nicht zum Tragen. Wenn sich das bewahrheiten sollte, wäre das die eleganteste Form der Kernfusion überhaupt.

Kommentare

20. Dezember 2021, 11:06 Uhr, permalink

Andudu

Danke für den Artikel, ich werde mir das Buch wohl holen. Ich wünschte man könnte sich stattdessen bald mal so ein Gerät in den Keller stellen.

Ich hadere noch, ob das Thema insgesamt Irreführung oder Wahrheit ist. Rossi hatte, wenn ich mich richtig erinnere, schon für 2012 ein marktreifes Gerät angekündigt. Jetzt 10 Jahre später, bekommt man immer noch nichts. Der deutsche Lizenznehmer wurde mit einer Geschichte übers amerikanische Militär abgespeist (oder sowas), wenn die stimmt, dann frage ich mich, warum überhaupt weiterentwickelt wird.

Das Problem, dass super-mächtige Interessenkreise gegen die Technik opponieren, ist auch schon alt und außerdem offensichtlich. Das kann und muss ein Erfinder mitdenken, sprich: auf den normalen Wegen da ein Geschäft draus zu machen, dürfte kaum möglich, u.U. sogar tödlich sein.

Aber verdammt, jeder Privatmann würde sich die Finger danach lecken! Dann vertreibt man das Teil halt ohne Zulassung oder in einem Land, wo das nicht wirklich kontrolliert werden kann. Auch der ein oder andere reiche Rebell könnte hilfreich sein, wenigstens als Schutzpatron. Notfalls macht man einfach die Technik öffentlich und klebt seinen Namen da ran, irgendein Land würde es garantiert bauen und der Weltruhm und Dank wäre einem ebenso gewiss, wie entsprechender Reichtum (spätestens ab dem Nobelpreis :-)

*seufz*

Ich schätze ich werde nicht mehr erleben, dass das kommt. Vielleicht habe ich ja ein bisschen Zeit und Kleingeld über, wenn die Kinder mal raus sind, dann kann ich vielleicht wenigstens rausfinden, ob tatsächlich was dran ist, an der Sache.

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