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Die Energierevolution ist da: Interview mit dem Fusionsbotschafter Willi Meinders

fusion Seit er das erste Mal von erfolgreichen Experimenten zur kalten Fusion gelesen hat, lässt Willi Meinders das Thema nicht mehr los. Mit seinem Buch geht er nun den nächsten Schritt, eine breitere Öffentlichkeit über ein unterschlagenes Faktum zu gewinnen: Die Küchentisch-Kernschmelze ist längst bewiesen, völlig ungefährlich – und steht zur Anwendung bereit.

apsjourn

Im April 2020 erschienener Fachartikel im Fachblatt Physical Review C der APS zu „Kernfusionsreaktionen in deuterierten Metallen“

Welche Theorie am Ende stimmt, weiß ich nicht. Nur eines ist erwiesen: die Überschussenergie, die bei manchen Forschern im geringsten Fall das rund Dreifache der eingespeisten Energie beträgt und im höchsten Fall unendlich ist. Unendlich deshalb, weil die erzielte Überschussenergie nebenbei die zum Starten der Reaktion erforderliche Energie selbst erzeugen kann, zum Beispiel durch das Aufladen eines Akkus. Das heißt: Die Überschussenergie ist seit rund 20 Jahren real, vielfach patentiert und wissenschaftlich dokumentiert. Die ausufernden Diskussionen über Namensgebungen und rechthaberische Auseinandersetzungen über die theoretischen Hintergründe verstellen vielfach den Blick auf dieses epochale Ergebnis. Man darf eben auch einem Phänomen dankbar sein!

NEXUS: Sie haben parallel zur Arbeit an Ihrem Blog auch Seminare zum Thema gegeben, weil Sie meinen, die Leute müssen verstehen, was bei der kalten Fusion passiert. Nur so kann von unten der politische Wille entstehen, die Technologie breitflächig einzusetzen. Ist das Prinzip so einfach zu verstehen? Was müssen die Menschen Ihrer Meinung nach darüber erfahren?

WM: Da beschreiben Sie das größte Problem überhaupt. Ich habe diese Seminare nur gemacht, um zu erfahren, was die Leute zur kalten Fusion wissen wollen.

Problem 1: Man versteht die Technologie der kalten Fusion als ein Gerät, das im Markteintritt ähnlich wie ein neues Smartphone ist. „Wann kann man das nun endlich kaufen?“ Die epochalen wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und allgemeinpolitischen Friktionen und Interessenkonflikte werden nicht wahrgenommen.

Problem 2: Die Atomkraft wird stellenweise nicht verstanden, und der Unterschied zwischen Kernspaltung und Kernfusion ist völlig unbekannt. Noch unbekannter ist die entscheidende Rolle, die die Bindungsenergie spielt. Ganz zu schweigen von der entscheidenden einsteinschen Formel E = mc2, also der Dualität von Masse und Energie. Es gibt in der Öffentlichkeit noch nicht einmal eine diffuse Vorstellung der kalten Kernreaktion. Am Ende musste ich mir eingestehen, dass mein Blog zur Aufklärung der allgemeinen Öffentlichkeit nicht hilfreich war und ist. Er ist zwar eine im In- und Ausland sehr gerne angenommene Informationsquelle für „Eingeweihte“, bewirkt aber für eine allgemeine Debatte so gut wie nichts. So war der Schritt hin zu einem Buch logisch und notwendig.

NEXUS: Vielen ist bekannt, dass die monströsen Fusionsreaktoren wie ITER seit Jahrzehnten mit Milliarden gefördert werden und die beteiligten Forscher alle paar Jahre mit einem Hoffnungsschimmer an die Öffentlichkeit treten, nur um sie um weitere Jahrzehnte zu vertrösten. Ihr Untertitel „Die sauberste und billigste Energie steht bereit“ suggeriert, dass wir diese Unsummen gar nicht verschwenden müssten. Ist die kalte Kernfusion tatsächlich so gut erforscht, dass wir nur noch Unternehmer bräuchten, die das Konzept in die Tat umsetzen?

WM: Genau so ist es. Das heißt, in einigen Bereichen fließen schon seit Jahrzehnten staatliche Gelder in die kalte Fusion, etwa in die Forschungen der US Navy und der NASA. Patente wurden in großer Zahl erteilt.

Ein großes Problem der „LENR-Szene“ ist, dass sie nicht mit einer Stimme spricht. Es gibt zwar seit rund 20 Jahren internationale Tagungen, veranstaltet von der International Society for Condensed Matter Nuclear Science, aber es handelt sich eben nicht um eine Inte­ressenvertretung. Man stellt sich jedes Jahr die neuesten Forschungsergebnisse vor, aber niemand geht vor die Presse und sagt: „Wir produzieren seit Jahrzehnten Überschussenergie und wollen, dass Politik und Öffentlichkeit davon endlich Kenntnis nehmen!“

Aber auch diese Organisation repräsentiert nicht die gesamte Szene. Eines der erfolgreichsten Unternehmen, Brilliant Light Power, arbeitet gar nicht mit dem Nickel-Wasserstoff-System, und Dr. Andrea Rossi, der in dieser Technologie am weitesten ist, nimmt nie teil. Er hält seit 2015 ein weltweit geltendes Patent. Wikipedia schreibt übrigens bis heute, das Patent sei nicht erteilt worden, obwohl es seit 2015 jedermann aufrufen kann.1

Die verschiedenen Forschergruppen sind unterschiedlich weit mit ihren Entwicklungen. Manche produzieren sehr instabil und wenig dauerhaft Überschuss­energie, andere wiederum sind mit ihren Produkten nahezu marktreif und suchen industrielle Partner, die das Risiko einer völlig neuen Technologie auf sich nehmen. In mindestens zwei Fällen ist dies gelungen. Die Mehrzahl der Firmen benötigt allerdings dringend Kapital, um ihre Forschungen fortführen zu können.

NEXUS: In Ihrem Buch gehen Sie unter anderem auf die Forschungen von Pons und Fleischmann ein, deren Arbeiten ja zum Synonym der Kontroverse um die kalte Fusion geworden sind. Im Kollektivbewusstsein hat sich eingebürgert, dass der von den beiden gemessene Effekt nicht reproduziert werden konnte – so spricht zum Beispiel ein aktueller Bericht von MDR.de als Antwort auf eine Leseranfrage davon, dass „kein Forscherteam […] diese Art der Kernfusion experimentell wiederholen“ konnte.2 Stimmt das?

WM: Das ist nachweislich blanker Unsinn und einer öffentlichen Sendeanstalt nicht würdig. Im Laufe der letzten Jahrzehnte konnten die Versuche hundertfach repliziert werden. Vielleicht sollte den MDR auch nachdenklich stimmen, dass die Forschungsprojekte der EU sich ausdrücklich auf Fleischmann und Pons beziehen.

Man sollte aber wissen, dass es nicht immer die gleichen Gerätschaften sind: Pons und Fleischmann benutzten ein Plättchen Palladium, das sie in ein Becken mit Deuterium (schweres Wasser) hängten. Mithilfe elektrischen Stroms fand eine Elektrolyse statt und es wurde Wärme erzeugt, die auch nach dem Abschalten des Stroms lange anhielt. Schon unmittelbar nach Pons und Fleischmann wurde der Versuch erfolgreich repliziert, allerdings nicht gewertet, weil keine Neutronenstrahlung gemessen werden konnte, die untrügliches Zeichen einer Fusion ist. Viele Replikationen scheiterten offensichtlich auch daran, dass das Metallgitter zuvor nicht von Sauerstoff gereinigt wurde, wodurch der Wasserstoff nicht eindringen konnte.

NEXUS: Elektrotechniker wie Garret Moddel (siehe NEXUS 96)3 meinen, die Versuche zur LENR von Pons und Fleischmann hätten gezeigt, die überschüssige Wärme sei auf rein chemische Effekte zurückzuführen. Können Sie dazu etwas sagen?

WM: Die Versuche von Pons und Fleischmann sind über Jahrzehnte verfeinert worden, insofern kann ich nicht sagen, ob die Techniken von damals und heute wirklich vergleichbar sind. Die Vorgänge in den heutigen kleinen Reaktoren sind nuklearer Natur. Das lässt sich dadurch zweifelsfrei belegen, dass die verwendeten Elemente vor und nach der Reaktion unterschiedliche atomare Kompositionen zeigen.

So wurden zum Beispiel nach einer Reaktion Spuren von Kupfer gefunden, obwohl dies nicht Teil der Füllung war. Sowohl die US Navy, Mitsubishi4 als auch die Universität Kiew5 erforschen diese Transmutationseigenschaften der kalten Fusion. Sie verfolgen diese Möglichkeit, um aus radioaktiven Elementen nicht radioaktive Elemente herzustellen. Von der US Navy gibt es dazu ein erteiltes Patent, auf dessen Basis man Lizenzen erwerben kann.6 Um zur Frage zurückzukommen: Wenn man davon ausgehen würde, dass Pons und Fleischmann nach den gleichen Grundsätzen gearbeitet hätten wie die heutigen Forscher, dann wäre die Antwort eindeutig – es handelt sich um Physik und nicht Chemie. Mir fällt da auch die Präsentation des Chef-Wissenschaftlers des Langley Research Centers der NASA ein, Dennis M. Bushnell. Die Überschrift seines Aufsatzes lautet: „Beyond Chemical“, also „Abseits der Chemie“.7

Allerdings erkenne ich hier wieder einen Streit um des Kaisers Bart, ähnlich wie bei den zahlreichen verschiedenen Bezeichnungen der Technologie: Für den politischen und wirtschaftlichen Erfolg der kalten Fusion ist es völlig unerheblich, ob man in diesem Grenzbereich von Chemie oder Physik spricht. Wichtig ist allein die „Excess Heat“, also die Überschusswärme.

NEXUS: Sie schreiben ausführlich über Andrea Rossis Ecat und die Hydrino-Technologie von Dr. Randell Mills, über die wir schon bei uns im Heft berichtet haben.8 Einige, die diese Forscher seit Längerem verfolgen, kritisieren, dass vonseiten der Erfinder eine Hinhaltetaktik gefahren wird und auch von dort viele Ankündigungen kommen, die sich dann doch nicht manifestieren – ganz ähnlich wie bei den „großen Brüdern“ der heißen Fusion. Stimmen Sie zu?

WM: Nein, überhaupt nicht. Die „großen Brüder“ sind auch keine großen Brüder, sie sind ein mit Milliarden an Steuermitteln aufgeblasenes erfolgloses Produkt der Grundlagenforschung, die sich nicht eingestehen will, unrecht zu haben. Denn die Erde ist eben nicht die Sonne. Allein mit den Budgets der Pressestellen der zahlreichen Versuchsanlagen könnte man auf dem Gebiet der kalten Fusion schon viel erreichen. Deren Produkteinführung ist immer wieder holprig, weil sie von den Forschern selbst organisiert und finanziert werden muss.

iter

Großbaustelle des ITER-Projekts, das bereits mehrere Milliarden verschlungen hat

Kommentare

20. Dezember 2021, 11:06 Uhr, permalink

Andudu

Danke für den Artikel, ich werde mir das Buch wohl holen. Ich wünschte man könnte sich stattdessen bald mal so ein Gerät in den Keller stellen.

Ich hadere noch, ob das Thema insgesamt Irreführung oder Wahrheit ist. Rossi hatte, wenn ich mich richtig erinnere, schon für 2012 ein marktreifes Gerät angekündigt. Jetzt 10 Jahre später, bekommt man immer noch nichts. Der deutsche Lizenznehmer wurde mit einer Geschichte übers amerikanische Militär abgespeist (oder sowas), wenn die stimmt, dann frage ich mich, warum überhaupt weiterentwickelt wird.

Das Problem, dass super-mächtige Interessenkreise gegen die Technik opponieren, ist auch schon alt und außerdem offensichtlich. Das kann und muss ein Erfinder mitdenken, sprich: auf den normalen Wegen da ein Geschäft draus zu machen, dürfte kaum möglich, u.U. sogar tödlich sein.

Aber verdammt, jeder Privatmann würde sich die Finger danach lecken! Dann vertreibt man das Teil halt ohne Zulassung oder in einem Land, wo das nicht wirklich kontrolliert werden kann. Auch der ein oder andere reiche Rebell könnte hilfreich sein, wenigstens als Schutzpatron. Notfalls macht man einfach die Technik öffentlich und klebt seinen Namen da ran, irgendein Land würde es garantiert bauen und der Weltruhm und Dank wäre einem ebenso gewiss, wie entsprechender Reichtum (spätestens ab dem Nobelpreis :-)

*seufz*

Ich schätze ich werde nicht mehr erleben, dass das kommt. Vielleicht habe ich ja ein bisschen Zeit und Kleingeld über, wenn die Kinder mal raus sind, dann kann ich vielleicht wenigstens rausfinden, ob tatsächlich was dran ist, an der Sache.

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