Eine Welt ohne Dollar – das Ende der amerikanischen Finanzordnung

dollarSeit etwa zehn Jahren wird der Ruf des US-Dollars zunehmend schlechter. Die ehemalige Leitwährung gilt in vielen anderen Ländern als riskante Anlage, weil die USA mehr als 21 Billionen Dollar Staatsschulden haben. Dazu kommen noch ungedeckte Verbindlichkeiten in Form gesetzlicher Pensionen, Sozialversicherungen und Sozialprogramme – rechnet man diese Bereiche dazu, so belaufen sich die amerikanischen Schulden auf mehr als 200 Billionen Dollar.

Der Dollar ist ein Fiatgeld, das vom US-Finanzministerium ausgegeben wird und hinter dem das ganze Gewicht der amerikanischen Regierung steht, doch letztlich beruht seine Macht auf dem Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Und inzwischen haben viele Länder, die von Washington immer wieder mit Wirtschaftssanktionen bedroht werden, das Vertrauen in den Dollar verloren.

Im Grunde ist der Dollar nichts anderes als ein an die Öffentlichkeit ausgegebener Schuldtitel, dessen Wert nicht wirklich objektiv messbar ist. So hat der Dollar seit der Gründung der amerikanischen Zentralbank – der Federal Reserve Bank (Fed) – im Jahr 1913 mehr als 97 Prozent seines Werts verloren.

Die USA könnten ihre Schulden nie finanzieren, selbst wenn sie ihre Produktionsbasis ins Land zurückholen, die staatlichen Ausgaben reduzieren und alle ihre Kriege inklusive jener im Irak und in Afghanistan beenden. Peter Schiff von der Investmentfirma Euro Pacific Capital sagte vor Kurzem in einem Interview mit RT.com:

„In dieser Situation bleibt einem nichts anderes übrig, als seine Dollarbestände aufzulösen. Der Dollar und die amerikanische Lebensqualität werden die größten Opfer sein.“1

Die USA und ihre Verbündeten – einschließlich Saudi-Arabien, Israel, der NATO-Staaten und Kolumbien – bereiten sich auf einen großen Krieg mit Russland, China, dem Iran, Syrien, Libanon, Venezuela, Nicaragua und Kuba vor. Es geht darum, die Kontrolle über die Welt wiederzuerlangen, indem man dem Dollar wieder seine frühere globale Dominanz verschafft. The National Interest – eine Zeitschrift zum Thema internationale Beziehungen, deren Ehrenvorsitzender Henry Kissinger einer der berüchtigtsten Kriegsverbrecher der Welt ist – veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel „Die Zukunft des Dollars – und seine Rolle in der Finanzdiplomatie“. Darin hieß es:

„Finanzdiplomatie beginnt mit der Koordinierung der makroökonomischen Politik, Investitionsregelungen und einer Bankenregulierung. Die Vorherrschaft des Dollars hat den Vereinigten Staaten jedoch eine privilegierte Rolle in einem breiten Verhandlungsbereich verschafft – einschließlich Umschuldung, Kampf gegen den Terrorismus und grenzübergreifender Kriminalität. […]

Es ist die Fähigkeit, in undisziplinierten globalen Märkten für Ordnung zu sorgen, die den Dollar in vieler Hinsicht von anderen internationalen Währungen unterscheidet. Wann auch immer politische oder finanzielle Turbulenzen aufkommen, ist er die sicherste Anlage der Welt. So wie die gewaltige militärische Übermacht der USA in einer Konfliktregion Ordnung herstellen kann, haben auch die Fed und das amerikanische Finanzamt mithilfe von Swap-Vereinbarungen und Krediten Schlüsselrollen bei der Stabilisierung von Finanzmärkten gespielt.“2

Im Grunde haben die USA den privilegierten Status ihrer Währung ausgenutzt, wenn Themen wie Umschuldung oder „gezielte finanzielle Sanktionen“ mittels Druckmitteln (im Grunde hat man anderen Staaten einfach die Pistole an den Kopf gehalten) auf der Tagesordnung standen. Aus all diesen Gründen haben mehrere Staaten mittlerweile Maßnahmen getroffen, die sie vom Dollar unabhängiger machen. Dadurch hat der Dollar seine Position als globale Leitwährung eingebüßt – und ein Krieg stellt für die USA die einzige Möglichkeit dar, diese Position zurückzugewinnen.

Der Dollar wurde 1971 – als die Regierung Nixon die Goldbindung des Dollars nach dem Bretton-Woods-System aufhob – zur Leitwährung der Welt. Nach diesem Zeitpunkt druckte die Federal Reserve massenhaft Banknoten, ohne dass das viele neue Geld durch etwas gedeckt war. Aber auch der sogenannte Petrodollar trug dazu bei, dass der Dollar zur globalen Leitwährung wurde. Dieser Mechanismus zur Kontrolle der Erdölmärkte entstand, als Washington mit Saudi-Arabien die Standardisierung der Erdölpreise in Dollar vereinbarte. Das so geschaffene Petrodollar-System brachte es mit sich, dass erdölexportierende Länder im Austausch für ihr Öl US-Dollars erhielten und daher in dieser Währung handeln mussten. Dadurch wurden auch die Volkseinkommen vom Wert des Dollars abhängig – wenn der Dollarkurs fällt, schadet das auch der Wirtschaft des betreffenden Landes. Die Handelspartner der USA müssen ihre Währungen an den Dollar koppeln – und wenn der Dollarkurs fällt, so fallen auch die Preise für ihre inländischen Waren und Dienstleistungen.

Die USA schafften es nicht nur, den Dollar zum weltweit vorherrschenden Zahlungsmittel für Bodenschätze (speziell für Erdöl) zu machen, sondern den Status ihrer Währung auch als Waffe gegen souveräne Staaten einzusetzen, die die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten herauszufordern wagen. In den vergangenen Jahrzehnten haben mehrere Länder – allen voran Russland und der Iran – den Dollar nach und nach aufgegeben, nachdem sie wiederholte Male Opfer von Sanktionen Washingtons wurden, weil sie sich nicht an die vom Westen vorgegebene Weltordnung hielten.

Auch die Forderung nach dem Rückzug amerikanischer Truppen aus Syrien und Afghanistan ändert nichts an der Tatsache, dass der militärisch-industrielle Komplex bereits den nächsten großen Krieg plant, um den Dollar vor dem Verlust seiner Rolle als Leitwährung zu bewahren. Vielleicht werden wir diesen Krieg bald den „Dollar-Krieg“ nennen.

Der irakische Staatspräsident Saddam Hussein beschloss einst, das Erdöl seines Landes nur mehr gegen Euros zu verkaufen und damit den Dollar zu umgehen. Das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi plante eine goldgestützte Dinar-Währung für Afrika und wollte dem Dollar damit ebenfalls seine Macht entziehen. Kurz nach Bekanntwerden dieser Pläne wurde eine Flugverbotszone über dem Irak und Libyen erklärt, die schließlich zu einem für beide Länder verheerenden Krieg führte. Gaddafi hatte zudem afrikanische Staaten aufgefordert, Dollars abzustoßen – und das zu einer Zeit, als die stärkeren wirtschaftlichen Verflechtungen Chinas mit diversen afrikanischen Ländern sich zur Bedrohung für Washington entwickelten. Hussein und Gaddafi wurden schließlich von US- und NATO-unterstützten militärischen Kräften und Terroristengruppen gefangen gesetzt und hingerichtet.

Durch die Abwendung vom Dollar steigt die Kriegsgefahr

Am 6. August 2018 twitterte der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadineschād:

„Die Verwendung des Dollars als Standardwährungseinheit auf den globalen Märkten und im weltweiten Währungssystem ist die Hauptstärke des amerikanischen Imperiums. Die Dinge müssen sich endlich ändern.“3

Ja, die Dinge müssen sich wirklich ändern. Russland, China und der Iran unternehmen bereits Schritte zu einem System ohne Dollar. Und das fällt auch den Mainstreammedien langsam auf. In einem Newsweek-Artikel vom September 2018 hieß es unter der Überschrift „Russland und China finden, dass der US-Dollar die Welt zerstört, also suchen sie nach anderen Wegen“:

„Der russische Außenminister Sergei Lawrow sagte am Freitag, dass sein Land umfassende Anstrengungen unternehme, um sich vom US-dominierten internationalen Finanzsystem zu distanzieren, da dieses zum Großteil auf dem US-Dollar beruhe. Er forderte andere Staaten auf, dieselben Maßnahmen zu ergreifen. Washington habe seinen beispiellosen Einfluss dazu benutzt, als Strafe gegen Länder, denen man ein Fehlverhalten vorwirft, Sanktionen zu erlassen. In manchen Fällen wolle man diese Länder mit den Sanktionen auch dazu veranlassen, politische Richtlinien zu ändern, die für die Vereinigten Staaten unvorteilhaft sind. […]

Lawrow verwies auf die USA und ihre westlichen Verbündeten, die sich den Sanktionen gegen Russland angeschlossen haben, und sagt, dass Russland ,alles Notwendige unternimmt, um nicht von jenen Ländern abhängig zu sein, die sich gegenüber ihren internationalen Partnern so verhalten. Immer mehr unserer Partner in Asien und Lateinamerika wenden sich derzeit einem ähnlichen Ansatz zu. Ich glaube, dass diese Bewegung zunehmend erstarken wird.‘“4

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