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NEXUS Magazin 59, Juni-Juli 2015

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Geheimnisse der irischen Rundtürme (Teil 1)

Überall in Irland ragen massive Rundtürme aus den Ruinen alter Klöster empor. Obwohl sie mutmaßlich im christlichen Mittelalter errichtet wurden, sind sie mit keltischen Symbolen verziert und stehen im Zentrum alter Rituale. Welchem Zweck sie ursprünglich dienten, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Während viele Historiker sie als Glockentürme bezeichnen, gibt es Anzeichen dafür, dass sie besondere Kraftorte markieren und wie steinerne Antennen kosmische Energien in den Boden übertragen.

Während ich durch Irland reiste, verblüffte mich die zeitlose Atmosphäre, die in den alten Traditionen der Iren zum Ausdruck kommt, immer wieder aufs Neue. Trotz der langen und bewegten Geschichte des Landes haben nicht wenige Überlieferungen und Bräuche in ihren ursprünglichen Formen überlebt. Ebenso finden sich im ganzen Land zahlreiche steinerne Zeugen des Altertums. Sie werden geachtet oder gar verehrt und sind dadurch besser erhalten und zahlreicher vorhanden als irgendwo sonst in Europa.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Irlands zählen die hoch aufragenden raketenförmigen Rundtürme in den ländlichen Gebieten der Insel, die kühn aus den Ruinen alter Klöster hervorstechen. Mit ihrem typisch irischen Stil sind sie zu Symbolen der heimischen Kultur geworden. Sie sind raffiniert konstruiert, atemberaubend in ihrer schlichten Eleganz und überragen oftmals sämtliche anderen Bauwerke.

Rundturm-J-Vallak

Foto von Junitta Vallak

Die Türme umgibt außerdem eine Aura des Geheimnisvollen. Zwar werden sie in den allermeisten Reiseführern als Glockentürme und Teile von Verteidigungsanlagen abgetan, doch will keine der beiden Erklärungen so recht einleuchten. In Kriegszeiten hätten sie einen miserablen Rückzugsort abgegeben, da es ein Leichtes gewesen wäre, sie mitsamt aller wichtigen Personen und Klosterschätze darin zu Schutt und Asche zu verbrennen – und es ist mehr als fragwürdig, ob es praktisch möglich war, in ihrem Dachgeschoss Glocken läuten zu lassen.

Türme gehörten schon immer zum Stoff romantischer Mythen und Legenden. In ihnen wurden Jungfrauen gefangen oder in Gewahrsam gehalten, die dort mitunter sogar von Göttern besucht wurden. Einer dieser mythischen Jungfrauen bot ihr Turm offenbar nicht genügend Schutz: Sie wurde von einem himmlischen Gott geschwängert, der sich als Lichtregen manifestierte – vielleicht ein Besucher vom Sirius? Als Merlin – angeblich ein Abkömmling einer überlegenen Rasse – in der Artussage die Erde verließ, „vereinigte er sich auf traditionelle Weise mit seinem Volk, indem er einen Turm betrat“.1

Die Faszination für die Türme wächst noch weiter an, wenn wir Miniaturmodelle von ihnen anfertigen, sie in unsere Gärten stellen – und bemerken, dass Pflanzen in ihrer Nähe viel schneller keimen und wachsen als anderswo. Waren die irischen Türme womöglich als steinerne Antennen konzipiert, die paramagnetische Energien aus den Sonnenstrahlen nutzbar machen sollten, um das Wachstum der klösterlichen Pflanzen zu verbessern? Das zumindest behauptet der amerikanische Insektenfühler-Experte Professor Phil Callahan.

Oder beruhten die Türme auf importierten Ideen, die intuitive Erinnerungen an lang vergessene Volkstraditionen wachriefen? Lassen Sie uns einen Blick auf die Theorien über die geschichtlichen und architektonischen Hintergründe werfen, um uns ein schärferes Bild zu machen.

Was sagen die Geschichtsbücher?

Etwa 57 Rundtürme in verschiedenen Verfallsstadien finden sich verstreut über 28 der 32 irischen Grafschaften; weitere acht werden in den Annalen erwähnt, doch ihre Überreste wurden bis heute nicht gefunden. Die alten Annalen Irlands (die über die Zeit immer wieder umgeschrieben und editiert wurden) referenzieren 36 Mal auf die „Cloicteach“ – wörtlich übersetzt: „Glockenhaus“ – genannten irischen Rundtürme und führen sie als Schauplatz von 23 verschiedenen Ereignissen an, die sich teilweise in Variationen wiederholen.

In den Annalen sind vor allem Katastrophen festgehalten, denen die Türme anheimfielen. Stürme und Blitze forderten ihren Tribut, weiterhin Plünderungen und Brandschatzungen – manchmal durch Wikinger, öfter aber durch verfeindete irische Klans. Es finden bedeutende Geistliche und Edelmänner Erwähnung, die in den Türmen ihre Leben ließen, darunter der König von Tara, der im Jahr 1076 von einem konkurrierenden Lager getötet wurde, und der König von Fir Manach, den seine eigenen Männer im Jahr 1176 dem Feuer übergaben.

Die Annalen führen keine weiteren historischen Referenzen auf die Türme auf – bis zum späten 17. Jahrhundert, als Antiquare begannen, sich für sie zu interessieren. Es kursieren allerdings viele Legenden, in denen sich oftmals inkorrekte und maßlos übertriebene Beschreibungen der Höhe und Form der Türme finden.

In seinem 1834 erschienenen Buch „Atlantis in Ireland“ stellte Henry O’Brien die interessante Behauptung auf, die irischen Rundtürme seien atlantidischen Ursprungs. O’Brien war der Ansicht, nach der Sintflut seien Flüchtlinge vom versunkenen Kontinent nach Irland gelangt. Viele seiner Theorien sind unhaltbar und reichlich mangelhaft, geben aber immerhin eine spannende Lektüre ab.2

Der Amerikaner Ignatius Donnelly veröffentlichte 1882 eine ähnliche Theorie. Er sah in den Rundtürmen den Beweis dafür, dass die Atlantiden in grauer Vorzeit Irland kolonisierten. Vergleichbare Türme, so Donnelly, finde man auch in Phönizien, auf Sardinien, den Shetlandinseln, in Colorado, New Mexico, Indien und Südamerika. Einige davon seien zwar eckig, doch wie bei ihren runden Gegenstücken sollen sich die Türen auf etwa einem Drittel der Turmhöhe befinden.3

Rundturm

Einige irische Legenden passen tatsächlich zu dieser Idee. Die „Brasilinsel“, auch „Märchenland“, „Hy Brasil“ oder „Tir na nóg“ genannt, ist ein versunkenes Paradies westlich von Irland, in das die Seelen der Verstorbenen eingehen – ein Verweis auf Atlantis? Die geistliche Wissenschaft der Atlantiden bestach wahrscheinlich dadurch, die elektromagnetischen Kräfte der Erde nutzbar zu machen, um die Fruchtbarkeit der Böden und die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Die biblische Sintflut könnte auf das Flut-, Erdbeben- oder Meteoriten-Ereignis anspielen, das Atlantis vor etwa 10.000 Jahren untergehen ließ. Es gibt Hinweise auf Lavaströme und versteinerte Süßwasseralgen unter dem Meeresboden des Atlantik, die auf diese Ära zurückgehen, während gleichzeitig pyramidenähnliche Unterwasserstrukturen in der Karibik und die sagenumwobenen 23 Kristallschädel für allerlei Spekulationen über eine atlantidische Kultur sorgen.4 Doch bis heute hat niemand handfeste Beweise für die Existenz der mythischen Insel gefunden.

Einige der frühesten kulturellen Einflüsse auf die Megalithvölker der westeuropäischen Küstenregionen kamen aus Richtung Westen, wahrscheinlich von der Iberischen Halbinsel, wo die Tätigkeiten der dortigen Megalithkultur eng mit besonderen Merkmalen in der menschlichen Genetik korrespondieren. Ich bin eher geneigt anzunehmen, dass es sich bei den Atlantiden um eine amphibische, fortschrittliche Rasse vom Sirius-System gehandelt haben könnte, die vor rund 10.000 Jahren im Gebiet des heutigen Atlantiks gelebt hat. Der atlantidische Einfluss könnte sich von Westen nach Osten auf die Mittelmeerregion ausgebreitet haben (Ägypten, Griechenland und Mesopotamien eingeschlossen), bevor er im Gewand europäischer Mysterientraditionen zurück auf die Äußeren Hebriden wanderte. Fest steht, dass viele irische Mythen den Anschein erwecken, in Griechenland zu wurzeln, besonders die agrarischen Mysterien.

Als er sein Buch veröffentlichte, fand O’Brien viel Zustimmung für seine Thesen, brachte aber gleichzeitig das Establishment in Verlegenheit. Bald darauf versuchte ein anderer Ire, George Petrie, O’Briens „verrückten“ Theorien das Wasser abzugraben und veröffentlichte im Jahr 1845 die erste wissenschaftliche Studie über die Rundtürme. Seitdem, und nahezu über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg, hat es erstaunlich wenige Publikationen gegeben, in denen die atlantidische Theorie angefochten wird.

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