Gen-Produkte – die Mythen-Industrie

Biotech-Unternehmen und einige Staaten drängen weiterhin auf eine noch umfassendere Freisetzung gentechnisch modifizierter Organismen (GMOs) in unsere Umwelt und Lebensmittelversorgung. Gleichzeitig aber nimmt der Widerstand gegen GMOs weltweit zu – und in vielen Regionen geht der Anbau solcher Pflanzen bereits zurück.

Die Firma AquaBounty Technologies hat den AquaAdvantage®-Fisch so entworfen, dass er doppelt so schnell wächst wie ein Wildlachs. Zu seiner Erzeugung wurden Gene des Königslachses, des Zoarces americanus und des atlantischen Lachses verwendet.

Eine Genehmigung dieser GMO-Lachssorte würde unter Umständen ernste Konsequenzen für die Artenvielfalt, nachteilige sozioökonomische Auswirkungen auf Fischergemeinden und Gesundheitsrisiken für Konsumenten in den USA und auf aller Welt bedeuten. Untersuchungen weisen darauf hin, dass durch horizontalen Gentransfer die gesamte Spezies zugrundegehen könnte. Wilder atlantischer Lachs gehört bereits heute zu den bedrohten Arten, was zum Teil auf genetische und gesundheitliche Schäden durch die Kreuzung mit entkommenen Zuchtlachsen zurückzuführen ist.

Eine aktuelle Verbraucherbefragung von Food & Water Watch ergab, dass 91 Prozent der Amerikaner der Ansicht sind, dass die FDA GMO-Fisch und -Fleisch nicht zum Verzehr zulassen sollte.

Enviropig: GMO-Schweinefleisch auf dem Esstisch?

Wissenschaftler der Universität von Guelph in der kanadischen Provinz Ontario haben in Zusammenarbeit mit dem privaten Investor Ontario Pork, der Verwaltung Ontarios und der kanadischen Regierung ein „Enviropig“ entwickelt, das gentechnisch so verändert ist, dass sein Kot weniger Phosphor enthält. Diese GMO-Yorkshire-Schweine verdauen den in Pflanzen enthaltenen Phosphor effizienter als herkömmliche Schweine, was dazu führt, dass ihr Dung phosphorärmer ist und daher Wasser und Wasserlebewesen weniger belastet. Erreicht wurde dieses Ziel durch die Insertion von Mäuse- und E.-coli-Genen in die Schweine-DNS.

2007 reichten die Schöpfer des „Enviropig“ ihre Kreation bei der FDA ein, um sie für den menschlichen Verzehr und dann auch die kommerzielle Verwertung in den USA zuzulassen. Ein ähnlicher Antrag auf die Zulassung zur kommerziellen Verwertung wurde 2009 den kanadischen Regulierungsbehörden vorgelegt. Bisher wurden keine Genehmigungen erlassen. Dennoch ist es beunruhigend, dass es in Kanada keinerlei Bestimmungen für GMO-Tiere gibt und die Antrags- und Evaluierungsvorgänge der Geheimhaltung unterliegen.

Profit durch Pestizide

Aktuelle Untersuchungen aus den USA haben nachgewiesen, dass die Behauptung, durch GMO-Pflanzen werde der Pestizidverbrauch gesenkt und damit ein finanzieller Vorteil für die Bauern erzielt, unwahr ist. Während der ersten 13 Jahre des GMO-Pflanzenanbaus wurden allein in den USA 173 Millionen Kilo mehr Pestizide versprüht als im Vergleichszeitraum davor.

Auch der Herbizidverbrauch ist angestiegen – wie man an den um 46 Prozent höheren Verkaufszahlen von Roundup, dem Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel auf Glyphosatbasis, in den Jahren 2007 und 2008 sehen kann. Roundup wird von der Firma für den Einsatz bei den eigenen Roundup Ready (RR) GMO-Pflanzen empfohlen. Bei GMO-Nutzpflanzen ist der Einsatz von Herbiziden die Norm; mehr als 90 Prozent der GMO-Sojapflanzen in den USA sind herbizidtolerant.

Innerhalb der Vereinigten Staaten kämpfen Bauern mit den Auswirkungen der „Superunkraut“-Epidemie, die durch den kontinuierlichen Einsatz von Glyphosat zusammen mit glyphosattoleranten GMO-Pflanzen hervorgerufen wurde: Das Unkraut hat eine Toleranz gegen das Herbizid entwickelt. Ein Unkrautexperte sprach im Juli 2010 vor Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses über das Thema und sagte, dass das Superunkraut bereits mehr als 4,5 Millionen Hektar Anbaufläche befallen habe – ein Anstieg um das Fünffache innerhalb von nur drei Jahren. Bei Kongress-Anhörungen über das rasante Wachstum des Superunkrauts kam es zu belastenden Aussagen von Bauern und wissenschaftlichen Experten über die schädlichen Effekte der Gentechnik. Die Landwirte sind in einem Teufelskreis gefangen, da sie von Pestiziden abhängig sind, die Geburtsfehler und Fortpflanzungsstörungen sowie Wasser- und Bodenverseuchung hervorrufen können.

Demzufolge stehen jetzt neue GMO-Nutzpflanzen kurz vor ihrer Zulassung, die wiederum gegen andere gefährliche Herbizide resistent sind – Stoffe, die Krebs und andere Krankheiten verursachen und deren Produktion eigentlich schon eingestellt werden sollte. Die Dow-Sojabohne DAS684164 enthält Gene mit einer 2,4-D-Toleranz. 2,4-D war ein Bestandteil von Agent Orange, einem im Vietnamkrieg eingesetzten Entlaubungsmittel, das mit einem verstärkten Auftreten von Non-Hodgkin-Lymphomen in Zusammenhang gebracht wird.

WikiLeaks deckt US-Nötigungen in Sachen GMO auf

Obwohl bisher nur ein Bruchteil der mehr als 250.000 amerikanischen Diplomaten-Depeschen veröffentlicht wurde, an die WikiLeaks gelangt ist, gibt es bereits ausreichend Beweise dafür, dass die US-Regierung Bündnisse mit Ländern eingeht, die die Gentechnik übernehmen – und auf unwillige Länder aggressiv Druck ausübt. So sollen sich Gentechnik und GMO-Produkte nach und nach über die ganze Welt verbreiten.

Im April 2009 kontaktierte der spanische Staatssekretär und Ministerstellvertreter Joseph Puxeu den amerikanischen Geschäftsträger, um seine Besorgnis darüber zu äußern, dass Spanien immer mehr unter Druck gerät, weil die Deutschen den MON810-Genmais verbieten. Zudem hatte es eine EU-Abstimmung gegeben, in der die Beibehaltung der entsprechenden Verbote in Österreich und Ungarn gefordert wurde. Da die Spanier fürchteten, mit ihrer Pro-Gentechnik-Politik bald alleine dazustehen, forderte Puxeu die USA auf, gemeinsam mit Spanien mehr Druck in Brüssel auszuüben, damit die landwirtschaftliche Biotechnologie in den EU-Ländern weiterhin erlaubt bleibe.

Im Mai 2009 erfuhren spanische Botschaftsangehörige bei einem Treffen mit dem Monsanto-Biotechnologie-Direktor für Spanien und Portugal, dass „Spanien mehr und mehr zum Angriffsziel der Anti-Biotech-Kräfte in Europa“ werde und dass „der Anbau von MON810-Mais in Spanien ernsthaft gefährdet“ sei. Befürworter der landwirtschaftlichen Biotechnologie sind sich einig, was ein mögliches Verbot des MON810-Anbaus betrifft:

„Wenn Spanien fällt, folgt der Rest Europas bald nach.“

In der betreffenden Depesche wird betont, dass die Verbote für Monsanto-GMO-Mais in Deutschland, Frankreich, Österreich, Ungarn, Griechenland und Luxemburg – und das trotz der EU-Zulassung von MON810 – auf die Anti-Biotech-Stimmung innerhalb der EU zurückzuführen seien, wo die Forderung nach dem Verbot des GMO-Anbaus immer mehr Dynamik gewinne und politische Unterstützung erhalte. Eine Depesche aus dem Dezember 2007, die von der US-Botschaft in Paris abgeschickt wurde, fasste die Bedenken bezüglich GMOs zusammen:

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