Kernkraft - das Geschäft mit der Angst

In den 1980er Jahren reiste ein Mann durch Amerika, der Plutonium aß, regelmäßig im Abklingbecken eines Atomkraftwerks geschwommen war und jahrzentelang ohne Schutzkleidung mit radioaktivem Material hantiert hatte. Seine Botschaft: Die Angst vor radioaktiver Strahlung ist das Ergebnis einer hemmungslosen Überregulierung des Strahlen­schutzes, die vom Atomenergiekartell in die Politik gepfuscht wurde. Um dies aufzudecken, kreisten seine Vorträge um zwei zentrale Fragen: Wem gehört das Plutonium – und wie viel ist es wert? Einen solchen Vortrag haben wir im Folgenden für Sie aufbereitet.

[Der Moderator, Pastor Ben Williams, betritt die Bühne und ergreift das Wort.]

Ich freue mich, Herrn Galen Winsor aus Richland, Washington, als Gast begrüßen zu dürfen. Es war eine Videokassette, die mir jemand vor einigen Monaten zukommen ließ, die mich erstmals mit Galens Geschichte in Kontakt brachte – und ich fand sie außerordentlich faszinierend. Sie ist – gelinde gesagt – einzigartig.

Galen hat in den letzten zwei Jahren 77 verschiedene Städte besucht und dort Vorträge zum Thema Kernenergie gehalten. Die längste Zeit seines Lebens – die letzten 35 Jahre – hat er damit zugebracht, Plutonium aus Atomreaktoren zu verarbeiten. Er hat dazu in den Anlagen des Manhattan-Projekts in Hanford, Washington, gearbeitet; in einer Kernkraftanlage des Oak Ridge National Laboratory in Oak Ridge, Tennessee; in der General-Electric-Midwest-Feldanlage zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen in Morris, Illinois; sowie in General Electrics Feldfertigungsanlagen für Kernbrennstoffe in San José, Kalifornien, und Wilmington, North Carolina. Darüber hinaus hat er an der Stilllegung jedes größeren Reaktors mitgewirkt, die bis heute [1986] in den USA durchgeführt wurde.

Seine Hauptarbeit innerhalb dieser Projekte war die analytische Prozess- und Bestandskontrolle. Das heißt: Er war verantwortlich dafür, den Bestand an Kernbrenn­elementen – das nukleare Inventar – zu bemessen und zu kontrollieren.

Galen Winsor hat auf der ganzen Welt nur sehr wenige Fachkollegen. Diese Experten aber geben zu, dass sie über die Dinge Bescheid wissen, die Sie in diesem Vortrag hören werden – und dass sie mit Galens Ausführungen konform gehen müssen. Und doch haben sie alle – mit Ausnahme von zwei oder drei dieser Experten – vorgezogen, darüber zu schweigen. Die Gründe kennen nur sie selbst.

Die Bürde, dafür zu kämpfen, den „Atomangst-Betrug“ aufzudecken, obliegt damit diesem Mann allein: Er ist ohne Frage eine der herausragenden Autoritäten im Bereich der nuklearen Messtechnik und ist bei den Mitgliedern der Atomenergiekommissionen aller größeren Nationen der freien Welt hoch angesehen – begrüßen Sie mit mir Herrn Galen Winsor.

[Galen Winsor tritt auf die Bühne und ergreift das Wort.]

Gott segne dich. Danke, Ben. Wir haben heute darüber nachgedacht, wie wir uns diesem Thema so annähern können, dass Sie sich damit so behaglich fühlen wie ich. Wir meinen, es wäre angemessen damit zu beginnen, wie ich überhaupt in dieses Spiel verwickelt wurde …

Bomben über Japan

1945 war ich als Navy-Funker draußen im Pazifik – auf einem Zerstörer mit Kurs auf Japan. Wir hatten eine einfache Fahrkarte in der Tasche, nur für den Hinweg. Das war eben alles, was damals zu bekommen war. Doch gerade, als wir versierter in unserem Geschäft – der Kriegsführung – wurden, holte uns das Manhattan-Projekt ein und brachte den Job zu Ende. Die Bombe, die am 06. August 1945 auf Hiroshima, Japan, abgeworfen wurde, war mit hochangereichertem Uran-235 bestückt. Ihr Kernmaterial war zuvor in Oak Ridge, Tennessee, isoliert und gereinigt worden. Was am 09. August auf Nagasaki niederging, war eine Plutoniumwaffe, die in Hanford, Washington, hergestellt worden war. Für uns, draußen im Pazifik, war das nicht uninteressant: Auf der Bombe prangte quasi ein Rückfahrschein, der uns sagte: „Ihr könnt bald nach Hause.“ Ich war ziemlich beeindruckt.

Nachdem die Kriegshandlungen vorüber waren, saß ich auf Guam [der südlichsten Insel des Marianen-Archipels, Anm. d. Übers.] fest und übermittelte per Funk Neuigkeiten an ca. 4.500 Schiffe westlich von Pearl Harbour. Es waren schon eine ganze Menge Leute, die da auf jeden Punkt und Strich lauschten, den ich machte. […] All die guten Neuigkeiten, die bald zu ihnen kommen sollten, gingen durch meine Finger: Flottenmanöver, Nachrichten vom Roten Kreuz …

Eines Tages kam ein Vorgesetzter zu mir und sagte: „Wir suchen einen Funker, der unten in Eniwetok [Atoll der Marshallinseln, Anm. d. Übers.] an den Atombombentests mitarbeitet.“ Aber nicht mit mir, keine Chance. Ich wollte nach Hause! […] Und sie ließen mich gehen.

Warum ich nach Hause wollte? Da war so ein Drang in mir, eine innere Stimme, die mir zurief: „Hey, dieser Big-Five-Cracker [gemeint ist die Atombombe Fat Man, Anm. d. Übers.] – ich will wissen, wie er funktioniert. Ich will alles darüber wissen.“

Zurück in den USA

Ich kehrte also heim auf die Ranch in Nevada, wo ich aufgewachsen war, […] holte mir die 20 Kilo zurück auf die Rippen, die ich draußen auf den Inseln verloren hatte – und schrieb mich im Herbst 1946 für das Fach Chemie an der Brigham Young University ein. Unter Dr. Joseph Nichols konnte selbst ein altes, verschrobenes Kind wie ich die Chemie lieben lernen. Ich hatte keinen Chemieunterricht in der High School gehabt – aber Nichols unterrichtete das Fach so leidenschaftlich, dass ich alles darüber wissen wollte.

So machte ich mich also mit der Chemie vertraut. Daneben unterrichteten mich großartige Menschen wie Carl Iring in Physik.

Später, im Jahr 1947, lief ich einer süßen Blondine aus Richland, Washington, über den Weg. Diese Frau hatte als Telefonistin für Generalleutnant Leslie Groves und Dr. Enrico Fermi vom Manhattan-Projekt gearbeitet. Sie hatte für diese Jungs die Anrufe zu Franklin Delano Roosevelt durchgestellt; hat also persönlich mit F. D. R. gesprochen. Sie erzählte mir ein paar unglaubliche Geschichten über ihre Arbeit und sagte: „Hey, in diesen Schluchten [von Washington] sind große Dinge am Laufen.“ Ich Cowboy aus Nevada konnte mir nicht einmal vorstellen, wovon sie redete.

1947 heirateten wir – ich versuchte zwar davor zu fliehen, aber sie hat mich doch geschnappt. Ich wollte eigentlich nicht heiraten. Naja, wie auch immer. Ich wollte mich weiterbilden und an dieser Sache dranbleiben – also zogen wir im September 1947 nach Richland, Washington. Ich sah nun mit eigenen Augen, dass die Gebäude, von denen sie gesprochen hatte, tatsächlich existierten: 300 Meter lang, elf Stockwerke hoch, fünf davon unterirdisch. Gewaltige Ausmaße! Und überall Menschen: Mit Camp Hanford gab es zu jener Zeit ein ganzes Armeelager vor Ort, dessen Zweck nur darin bestand, die Umgebung zu sichern. Tausende von bewaffneten Soldaten. Wenn man damals durch die Wüste spaziert ist und über einen Fuchsbau stolperte, konnte es sein, dass ein bewaffneter Soldat heraussprang. Das war kein Spiel, es gehörte alles zum Geschäft.

Zurück zu meiner Ausbildung: 1950, noch bevor ich graduierte, hatte ich mich dort oben [in Hanford] für einen Job beworben. Sie suchten so dringend einen Chemiker, dass ich die Stelle auch ohne akademischen Abschluss bekam. So absolvierte ich das letzte Universitätsjahr […] im Bus, auf dem Weg zur Arbeit: 40 Kilometer Hinweg am Morgen, 40 Kilometer Rückweg am Abend. […]

Kommentare

02. Juni 2015, 15:52 Uhr, permalink

Roth

Galen hat nur in einer Sache Recht. Natürliche Strahlung ist nicht gefährlich und wir brauchen sie sogar, weil nur so die Evolution weiter voran geht.
Aber das Problem besteht darin, das zu viel Strahlung schädlich ist und Krebsgeschwüre und Krankheiten hervorruft.
Dabei gibt es ein sehr großes Problem, das jeder Körper unterschiedlich auf Strahlung reagiert und das bis in die Heutige Zeit immer noch nicht 100% klar ist bei welcher Intensität die Stahlung schädlich ist.

Es ist wie mit dem Alkohol. In geringen Mengen ist er gesund und förderlich, aber in zu vielen Mengen und zu hoher Konzentration ist er schädlich oder sogar tödlich.

Genau so verhält es sich mit der Strahlung. Wir brauchen sie zum Leben, aber in einer zu hohen Konzentration oder einer zu langen Bestrahlung in einer sehr starken Dosis kann sie gesundheitsschädlich oder sogar tödlich sein.
Das Gefährliche daran ist, das wir kein Sinnesorgan haben, um diese Strahlung wahrzunehmen. Es ist nur möglich mit einem Meßgerät die genaue Dosis zu ermitteln. Und dann kommt es auf die Erfahrungswerte an, die man im Lauf der Geschichte gesammelt hat. Aber leider wird darüber zu wenig berichtet. Ich habe den Eindruck, das diese Angelegenheit geheim ist und das Ärtzte darüber nicht reden. Jedenfalls wäre es sehr viel hilfreicher, wenn Ärzte mehr berichten und ihre Erfahrungen an die Öffentlichkeit bringen. Nur so kann eine Diskussion ordentlich geführt werden, die auch sachlich und mit Fakten geführt wird.

11. September 2016, 22:52 Uhr, permalink

Ben

Roth:
"Aber das Problem besteht darin, das zu viel Strahlung schädlich ist und Krebsgeschwüre und Krankheiten hervorruft. "

Komisch das die moderne Krebsmedizin genau diese gefährlichen Strahlen einsetzt um Krebs und Tumore zu bekämpfen.

Und in Tschernobyl leben auch heute noch Menschen in der Sperrzone, welche sich weigerten Ihre Heimat zu verlasse. Sie essen Kartoffeln aus angeblich radioaktiv-versuchtem Boden und.....ihnen gehts gut. Selbst die Flora und Fauna dort ist zu 100% intakt.....hmm schon komisch oder?

01. November 2018, 23:39 Uhr, permalink

Wilfried Schuler

Von der DU Munition im Irak hat der Gute nichts mitbekommen?

Die ganze Sache ist ziemlich witzlos.
Da alle Kernkraftwerke vollkommen unprofitabel sind, wird sich das Problem von selbst erledigen. EDF und Areva sind de facto bankrott. Die KKW Branche in UK auch.

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