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Die Akte Lusty – Belege über ultra-geheime Waffentechnologie im Dritten Reich (Teil 2)

„Die Amerikaner haben das gesamte Land durchsiebt und ganze Berge an Bauplänen, technischen Aufzeichnungen und Gerätschaften auf direktem Wege in die USA gebracht.“

Es war noch dunkel, als ich aus der Wärme des Holiday Inn hinaus in die feuchte Kühle vor der Morgendämmerung trat, meine Taschen in den Kofferraum des Taxis hievte und mich auf der Rückbank zusammenkauerte, um die dreißigminütige Fahrt über den Fluß anzutreten. Ich hatte rund acht Stunden Zeit, um die Lusty-Unterlagen nach Beweisen für eine Technologie zu durchstöbern, die laut Cross nicht beweisbar war.

Der Pendlerverkehr verstopfte sämtliche Brücken, und die Spitze des Washington Monument, des Obelisken, kratzte an den tiefhängenden Wolken. Über die Frederick Douglass Memorial Bridge ging es hinein in einen Stadtteil, der nur dann Schlagzeilen machte, wenn einmal mehr als nur drei oder vier Personen aus einem vorbeifahrenden Wagen heraus erschossen wurden.

Als ich mich bei der Wache am Haupttor anmeldete, frischte der Wind auf und wehte Gischt von den unruhigen grauen Wassern der Flüsse Potomac und Anacostia herüber, die sich bei Greenleaf Point trafen. Die Gischt sammelte sich zu kleinen Bächen, die sich über die Straße schlängelten, während der Taxifahrer das Straßengewirr nach der Adresse absuchte, die man mir genannt hatte. Er brauchte fünfzehn teure Minuten, um sie zu finden.

Das Archiv lag versteckt in einem abgelegenen Winkel des Bolling-Luftwaffenstützpunktes, auf der auch die Defense Intelligence Agency und das Office for Special Investigations der US-Luftwaffe angesiedelt waren. Es war nicht gerade ein Ort, der zu Spaziergängen einlud oder durch seine schöne Aussicht lockte.

Bolling war ein großer, abgeriegelter Militärdistrikt, der zwischen den schwarzen Wassern des Potomac und dem Bauland der Stadtteile Congress Heights und Washington Highlands lag. Er grenzte auch an das St. Elizabeth’s – ein Krankenhaus, das seit seiner Umbenennung der Unterbringung gefährlicher Geisteskranker diente –, wo John Hinckley wegen seines Mordversuchs an Präsident Reagan saß.

Der Lesesaal des kleinen Büros für die Geschichte der US-Luftwaffe war nur spärlich beleuchtet und hatte keine Fenster. Wie versprochen, hatte die Leiterin des Archivs mir eine Tasse Kaffee neben das Mikrofilmlesegerät gestellt, das gegenüber der letzten Reihe metallener Bücherregale stand. Über der Tür zu ihrem Büro hing eine Uhr. Es war kurz nach halb acht. Die Klimaanlage war noch nicht angesprungen, und die Kondenswolke meines Atems vermischte sich mit dem Dampf, der von der Tasse aufstieg.

Die Dokumente waren auf mehrere Rollen Mikrofilm verteilt und, wie ihre Gegenstücke im Hauptarchiv in Alabama, in sehr schlechtem Zustand. Mein Zeitplan erlaubte mir jeweils eine Kopie, die ich beim Durchlesen erstellen würde. Mein Flug ging um 18:15 Uhr.

Um mir zu helfen, hatte die Leiterin des Archivs mir angeboten, das Büro früher als sonst zu öffnen und mir gesagt, ich könne ab 07:00 Uhr jederzeit kommen und der Kaffee gehe aufs Haus.

Meine Zeit war also schon knapp, als ich die erste Filmspule in das Lesegerät einlegte und mich an die Arbeit machte.

Die Akte Lusty begann mit einem kurzen geschichtlichen Abriß der Operation. Einleitend hieß es:

„In einem mittelalterlichen Gasthof nahe Thumersbach bei Berchtesgaden [Hitlers Zufluchtsort in Bayern] erwartete Anfang Mai 1945 der Generalstab der deutschen Luftwaffe geduldig den Ausgang der Kapitulationsverhandlungen, die im Norden des Landes stattfanden. Die Generäle waren im Laufe der vorausgegangenen Wochen per Wagen oder Flugzeug eingetroffen, nachdem der Fall Berlins sich nun deutlich abzeichnete, und standen in ständigem Kontakt zu Admiral Dönitz bei Flensburg. Eine dieser Botschaften wurde abgefangen, und so wurde ihr bis dahin unbekannter Aufenthaltsort aufgedeckt. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden waren Oberleutnant O’Brien und eine kleine Gruppe, die die Auswertungsdivision des Geheimdienstdirektoriums der USAFE (United Air Forces in Europe) vertrat, vor Ort, machte den Generalstab ausfindig und begann eine Reihe von Gesprächen mit General Koller, der zu jenem Zeitpunkt das Kommando hatte.“

Oberst O’Briens Männer waren die Vorhut von zweihundert Offizieren, die man aus dem Hauptquartier der Army Air Forces geschickt hatte, um die Technikplünderungsoperation der USAAF zu überwachen. Es stand von Anfang an fest, daß sie ein Rennen gegen die Zeit liefen.

Im Chaos des zusammenbrechenden Dritten Reichs waren viele deutsche Wissenschaftler ums Leben gekommen; andere wiederum waren den Russen, die von Osten her vorrückten, oder den Amerikanern, Briten oder Franzosen im Westen in die Hände gefallen. Viele wurden in Gefangenenlagern festgehalten, aber in einem Land, in dem es von ehemaligen Arbeitssklaven und Verschleppten aus der Ära des Dritten Reichs nur so wimmelte – von denen die Alliierten fast alle darauf überprüfen mußten, ob es sich nicht um Parteimitglieder oder Kriegsverbrecher der Nazis handelte – war es nicht leicht, die wahre Identität und den Aufenthaltsort eines jeden ausfindig zu machen.

Die große Mehrheit der Wissenschaftler war allerdings noch in ihren Werkstätten und Laboren, als die vorstoßenden Einheiten der USAAF-Plünderungsoperation mit ihren Jeeps und Halbkettenfahrzeugen vorfuhren. Da ihnen nicht befohlen worden war, ihre Arbeit einzustellen, hatten sie einfach an ihrer Werkbank ausgeharrt, obwohl die Streitkräfte der Oberkommandos, von denen sie beauftragt worden waren, längst kapituliert hatten oder ausradiert worden waren.

Viele Dokumente und Baupläne fehlten. Die deutschen Projektleiter erzählten den US-amerikanischen Prüfern, sie hätten den Befehl erhalten, die Pläne zu zerstören, aber die Offiziere der USAAF lernten bald einiges über Psychologie: All die Männer und Frauen, die viele Jahre ihres Lebens der Entwicklung von Technologien gewidmet hatten, die aus ihrer Sicht die Technik des Feindes weit in den Schatten stellten, waren zu einem solchen Vandalismus nicht in der Lage gewesen. Die meisten der Akten existierten noch und waren nur versteckt worden.

Deutschland war von den Alliierten in Besatzungszonen aufgeteilt worden, und viele der aus technologischer Sicht interessanten deutschen Einrichtungen – wie die unterirdischen Hallen im Harz, in denen die V-1 und die V-2 produziert wurden – befanden sich in dem Sektor, der den Russen zugefallen war.

Es galt also, die fehlenden Dokumente ausfindig zu machen und unter amerikanische Kontrolle zu bringen, bevor die Zonen abgeriegelt wurden.

Kommentare

14. April 2013, 15:51 Uhr, permalink

Fred

Aber nicht " ALLES " fiel in Ihre Hände:! Es gibt noch einige Stollen in einem Tal in der nähe von Berlin???

Fred

07. Mai 2013, 23:49 Uhr, permalink

Don

Wo sollen diese sein? Selber schon mal da gewesen?

07. Mai 2013, 23:50 Uhr, permalink

Don

Wo sollen diese sein? Selber schon mal da gewesen?

30. März 2014, 20:00 Uhr, permalink

fred

~ lies mal was " Von Speer "!

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