Die feindliche Übernahme des UFO-Narrativs

ufoSeltsames geht seit einiger Zeit in der amerikanischen UFO-Szene vor sich: Haben sich kritische Forscher jahrzehntelang durch das Dickicht aus Zeugenaussagen und Dokumenten gewühlt und diese auf belegbare und glaubwürdige Elemente abgeklopft, warten neuerdings immer mehr „Whistleblower“ mit haarsträubenden Geschichten auf, die zwar konsistent und detailliert erscheinen, sich aber jeder Überprüfung entziehen. Die jetzt entbrannte Debatte zwischen Gläubigen und Kritikern droht die altehrwürdige MUFON und mit ihr die gesamte Ufologie zu zerreißen. Dabei deutet vieles auf eine ausgeklügelte PSYOP hin, mit der der ernsthaften Forschung endgültig der Garaus gemacht werden soll.

Corey Goode ist der Schützling von David Wilcock, einem im Gegensatz zu Goode bühnenaffinen und redegewandten Star der Esoterikszene, der seit anderthalb Jahrzehnten gefeierte Bücher über wissenschaftliche Grenzthemen, UFOs, frühe Zivilisationen und den vermeintlich anstehenden Bewusstseinswandel verfasst und von seinen Fans als Edgar Cayces Wiedergeburt gehandelt wird. Wilcock ist dafür berühmt, die als „Ra“ bekannte Wesenheit gechannelt zu haben, die seit 75.000 Jahren in die Geschicke der Menschheit involviert sein soll. „Der Bursche ist an diesen Themen ehrlich interessiert, aber hoffnungslos frei von jeder kritischen Analyse und raucht viel zu viel von seinem eigenen Quatsch […] im Endeffekt ein jämmerlicher Hochstapler. Je mehr Zeit ins Land geht, desto offenkundiger und peinlicher wird es“, heißt es in dem beliebtesten Kommentar unter dem Channelvideo.

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In der Tat wird der Superstar, der am Joshua Tree die große Bühne abonniert hatte, mehr und mehr zum Quell skurriler Äußerungen und Meldungen. In seinem neuesten Werk etwa findet sich unter dem Foto eines (noch mit Essensresten beladenen) zersprungenen Tellers die Erläuterung:

„Irgendwann im Verlauf des Treffens [mit den angeblichen Insidern Pete Peterson und ,Jacob‘] saßen wir gemeinsam zu Tisch, und ich hörte ein lautes Klirren. […] Als ich dann das nächste Mal meine Gabel in die Hand nahm, um etwas auf dem Teller aufzuspießen, brach dieser in zwei saubere Hälften auseinander – und gleich am nächsten Tag hatte ich einen Wasserrohrbruch in meinem Haus, der die ganze Küche unter Wasser setzte. Ich nehme an, dass es sich bei beiden Zwischenfällen um Warnschüsse aus einer Teilchenstrahlwaffe handelte, die mir Angst einjagen sollten. Doch ich ließ mich nicht davon beirren und machte weiter.“6

Amerikaner sagen in solchen Momenten gerne: „So was kannst du dir nicht mal ausdenken.“

Von ähnlichen Perlen waren auch Wilcocks Auftritte durchsetzt. „Die Mehrheit des amerikanischen Verteidigungsministeriums befindet sich gerade in diesem Moment in einem Bürgerkrieg […] gegen die Kabale“, ließ er uns beispielsweise wissen, die rechte Hand lässig in der Hosentasche vergraben. Wir befänden uns in einem „inoffiziellen Bürgerkrieg, der extremer, intensiver und politisch weitreichender ist, als es der Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert war. Wir stecken mitten im Dritten Weltkrieg.“ Dass noch irgendjemand Zweifel an seinen Aussagen hat, ist ihm unverständlich, sei doch alles in den jüngsten Hollywood-Blockbustern offengelegt worden: „Wer also zu mir meint, die Idee einer Allianz sei nicht glaubwürdig, dem entgegne ich: Blödsinn! Schau dir einfach diese Filme an!“ (Gemeint sind „Iron Man 3“ und „Captain America: The Return of the First Avenger“.) Mehrmals bestätigte er uns unter Beifallsstürmen seine Unkäuflichkeit:

„Man versuchte mich zu bestechen, aber ich habe abgelehnt. Es gab Angebote über hunderte Millionen Dollar. Doch ihr könnt mir glauben, dass ich lieber sterben würde, als mich an die verfickten Illuminati zu verkaufen. […] Wer immer da draußen denkt, ich würde für die Verschwörer arbeiten, hat seinen verfickten Verstand verloren. […] Sehen Sie es mir nach, dass ich das F-Wort benutze – aber ich riskiere hier schließlich mein Leben!“

Warum er sich desselben noch erfreut, erklärte er auch: Die Kabale könne niemanden umlegen, der „ rausgeht, mutig Wissen verbreitet […] und dem Planeten hilft. […] Man muss einen wahrhaft integren Charakter besitzen, um diesen [kosmischen] Schutz zu genießen.“7

Das Offensichtliche und das eigentliche Mysterium

Ich versuche stets einen offenen Geist zu bewahren und mein Weltbild flexibel zu halten; hatte ich Letzteres doch immer wieder erweitern und einsehen müssen, dass zunächst unglaublich erscheinende Behauptungen doch einen wahren (und oft finsteren) Kern enthalten können. Ich denke etwa an den okkulten Hintergrund von Geheimdiensten, NASA und UNO, die psychologische Lenkung ganzer Gesellschaften oder MK Ultra, aber auch an Palmblattbibliotheken, schwarzäugige Kinder, die Zeitphänomene vom Untersberg oder den falschen Paul McCartney. Doch die Öffnung des persönlichen Weltbildes zur Realität hin sollte, will man nicht in Teufels Küche geraten, immer auch mit einem zunehmenden Verständnis der spirituellen und psychologischen Zusammenhänge einhergehen. Der Grund, warum das vielen alternativ interessierten Zeitgenossen abzugehen scheint, dürfte der sein, dass man dazu auch in den Spiegel schauen und sich selbst kennenlernen muss. Die Gesellschaft scheint fraktal zu sein – in der alternativen Szene erlebe ich denselben hohen Prozentsatz bornierter und gefühlstoter Zeitgenossen wie im Mainstream. Die einfachsten psychologischen Zusammenhänge sind ihnen unbekannt; zumindest scheinen sie außerstande, die emotional-geistigen Prozesse, denen jedes menschliche Individuum unterliegt (und auf deren Manipulation die gesamte Arbeit jener basiert, die man zu bekämpfen – und zu besiegen – meint), bei sich selbst wahrzunehmen. Spätestens seit Stewart Swerdlow vor laufender Kamera erzählte, wie er in der Zeit zurückgeschickt worden war, um Jesus zu erschießen, dann aber nicht abdrücken konnte, als er ihm in die Augen sah8 – und niemand irgendetwas dabei fand –, sind meine Alarmglocken im Dauereinsatz, wenn ich mich in der alternativen Szene bewege.

Ich werde nie meine erste Begegnung mit einem Flacherdler vergessen. Wir hatten uns am Rande einer Bilderberger-Konferenz kennengelernt und ein paar nette Stunden zusammen verbracht, bis das unsägliche Thema aufkam. Von einem Moment auf den anderen konnte ich meine Sätze nicht mehr beenden, war ich nicht „offen“ und kam selbst mit den einfachsten Aussagen nicht mehr gegen den aggressiven Wortschwall des jungen Mannes an. Das Schlimmste aber war das plötzliche Einfrieren aller Menschlichkeit, während er sich gleichzeitig völlig sicher war, das Gute und Wahre zu verkörpern – ein um sich greifendes Phänomen, das wir in verschiedener Gestalt mittlerweile überall beobachten können. Ähnliche „Schwingungen“ spürte ich auch, als ich in der Wüste Corey Goode lauschte. Schon am Frühstückstisch hatte eine Dame voller Vorfreude gerufen: „Der Mann ist hundert Jahre alt! Stell dir das mal vor!“ (Ich hatte nicht mitbekommen, dass er nicht nur einmal, sondern gleich drei Mal 20 Jahre „zurückgeschickt“ worden war.) Ich war entsetzt, einen Menschen zu erleben, der selbst bei den abstrusesten Behauptungen keinerlei Verdacht schöpft. Die Dame war übrigens praktizierende Psychotherapeutin.

Während der Vorträge von Goode und Wilcock gab es immer wieder begeisterten Applaus, etwa wenn vom liebevollen Miteinander, dem Bewusstseinssprung oder dem bevorstehenden Ende der „Scheiß-Kabale“ die Rede war. Um meinen Sitzplatz hatte ich dabei zuvor regelrecht kämpfen müssen: Statt Sitzgelegenheiten gab es vor der Hauptbühne nur Sandboden, sodass ich mir früh am Morgen einen Campingstuhl gekauft und aufgestellt hatte. Als der Vortrag begann, musste ich eine ältere Dame, die es sich zwischenzeitlich darin gemütlich gemacht hatte, bitten ihn freizugeben. Weder für sie noch für mich war das ein Problem. Dafür fuhr mich völlig unvermittelt der Bursche hinter uns an: „Also eigentlich ist das mein Stuhl!“ Die Verpackung des Stuhls noch im Rucksack, sah ich mich extra nochmal um: Weit und breit gab es keinen auch nur entfernt ähnlichen Stuhl, mit dem er den meinen hätte verwechseln können. Er war einfach überzeugt, dass ich ein egoistischer Arsch sein müsse, der eine arme Omi aus einem fremden Stuhl verscheuchen will, und war ihr entschlossen und rechtschaffen zur Seite gesprungen. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Zur Ehrenrettung der Wilcock-Fans sei gesagt, dass es unter ihnen auch wunderbare, liebenswerte Menschen gibt, wie etwa die, mit denen ich meine Unterkunft teilte.

Doch zurück zum Thema. Es hatte mich immer amüsiert zu sehen, wie unterschiedlich Fleischer und Salla, die Initiatoren der deutschen bzw. amerikanischen Exopolitik-Bewegungen, die Frage nach der außerirdischen Präsenz auf der Erde angehen. Insgeheim kritisierte ich Fleischer dafür, dass er ganz auf die physischen ETs abstellte und, auf die breite deutsche Bevölkerung zielend, die spirituellen bzw. multidimensionalen Aspekte im öffentlichen Diskurs praktisch völlig zu erwähnen vermied – obwohl ihm diese bewusst sein müssen. Doch vermutlich hat er damit gleich doppelt weise gehandelt: Erstens kann man Otto und Lieschen in dem (einzigen) Land, in dem sämtliche faktischen Belege für die Existenz von UFOs noch immer einfach in den Wind geschlagen und verlacht werden, nicht auch noch mit Spiritualität und Astralwelten kommen; und zweitens sinkt die Titanic – die amerikanische Ufologie-Szene, zu der auch die altehrwürdige MUFON gehört – nun zumindest ohne ihn.

Kommentare

02. Mai 2018, 14:41 Uhr, permalink

Kompostklo

Ein fantastischer Artikel – kluge Metakritik mit einer genuinen Stimme. Gerne mehr davon.

24. Oktober 2018, 16:54 Uhr, permalink

Daniel Kälin

Sehr guter Artikel, danke. Genau so ist es, das habe ich mir in den letzten Jahren des Verfolgens der Projekte Camelot von Kerry Cassidy und Avalon Forum des Bill Ryan auch gedacht. Ein riesiges Cpt.Richards-Goode-Wilcocks-Greer-Salla- "Mind Control"- Schmierentheater um Glaubwürdigkeit, Klick- und Mitgliedszahlen mit Buchverkäufen und Vortrags-Gagen im Dienste der Desinformation und Zersetzung über die Alien,- Ausser- und Innerirdischen-Agendas. Wie im richtigen Leben. Gewisse Gruppen wollen einfach nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt, weil sie und ihre eigenen Jahrtausend lang aufrecht erhaltenen Lügen- und Märchengeschichten, auf denen ihre Identität und "göttliche" Rechtfertigung ihrer Machtausübung gründet, wie Kartenhäuser zusammenbrechen. Wem man noch trauen kann sind Amazonas-Schamanen und besagter Bill Ryan, seine qualitativ hochstehenden Forums-Mitglieder, (Dres.:) Richard Doland, David M. Jacobs, Timothy Good, Bases Miles Johnston, Eve Lorgen (Barbara Bartholic, Carla Turner), Corrado Malanga und die im Artikel erwähnten richtigen, glaubwürdigen Zeugen und militärischen, amtlichen Whistleblowers der alten Disclosure Inteviews des Dr. Steven Greers.
Warum glauben wir, dass wir anders angesehen, bewertet und verkauft werden, als wir spezifisch gezüchtete Schweine,- Rinder,- Hühner,- Hunde,- Katzen,- Pferde,- und andere Säugetier,- und Reptilien,-Fisch,- und Vogel-Rassen? Wie oben so unten.

31. Dezember 2018, 12:47 Uhr, permalink

werner földeak

wenn man die dinger einmal tags oder nachts fliegen hat sehen, dann weiß man daß es sie gibt.

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