Die feindliche Übernahme des UFO-Narrativs

ufoSeltsames geht seit einiger Zeit in der amerikanischen UFO-Szene vor sich: Haben sich kritische Forscher jahrzehntelang durch das Dickicht aus Zeugenaussagen und Dokumenten gewühlt und diese auf belegbare und glaubwürdige Elemente abgeklopft, warten neuerdings immer mehr „Whistleblower“ mit haarsträubenden Geschichten auf, die zwar konsistent und detailliert erscheinen, sich aber jeder Überprüfung entziehen. Die jetzt entbrannte Debatte zwischen Gläubigen und Kritikern droht die altehrwürdige MUFON und mit ihr die gesamte Ufologie zu zerreißen. Dabei deutet vieles auf eine ausgeklügelte PSYOP hin, mit der der ernsthaften Forschung endgültig der Garaus gemacht werden soll.

Von Greer zu Goode: Die Kontrolle des UFO-Narrativs

Machen wir einen Sprung zu Steven Greer, der am Joshua Tree seine neue, über dreistündige Dokumentation „Unacknowledged“ präsentierte. Die Extragebühr für seinen Workshop war ich nicht bereit auszugeben, schaute mir aber am folgenden Tag aufmerksam die Aufzeichnung desselben an. Schon der Titel war ein echter Greer: „Die Entscheidung: Ewiger Krieg oder 500.000 Jahre kosmischen Friedens“. Die Menschheit zu dieser Entscheidung zu führen, ist bekanntermaßen seine Mission. „Unsere Bemühungen sollen wirklich ins globale Massenbewusstsein dringen“, erklärte er unverblümt, und an anderer Stelle:

„Mein unmittelbares Kernziel – und ich weiß, dass das lächerlich klingt – ist es, den Dritten Weltkrieg abzuwenden.“12

Dem Mann ist es bitterernst. „Ich versuche, über das Thema aufzuklären“, fährt er fort, „doch wir haben einige Leute in der UFO-Szene, die Öl ins Feuer gießen – aufgrund vager Erinnerungen an schreckliche Vorkommnisse.“ Im weiteren Verlauf macht er, wenn auch höflich und vorsichtig, seine Vorbehalte gegenüber den Geschichten eines Corey Goode oder William Tompkins unmissverständlich klar. Na, dann ist doch alles in Butter, oder?

Doch gerade Greers Hintergrund und Motivation werden diskutiert, seit er Mitte der 1990er Jahre die Bühne betrat. Als Greer 2001 sein „Disclosure Project“ mit einem Paukenschlag startete – echte Militärs und Geheimdienstler sagten über echte Vorkommnisse mit UFOs aus –, war ich, wie viele andere, zunächst begeistert. Endlich ging es voran! Greers Persönlichkeit beeindruckte mich. Sogar den CIA-Direktor James Woolsey hatte er „unterrichtet“. Drei Stunden lang! Ich wusste nicht, dass es sich bei dem „Briefing“ um eine Dinnerparty gehandelt und Woolsey die Sachlage bereits 1999 in einem Brief an Greer richtiggestellt hatte:

„Sie haben Höflichkeit als Zustimmung und Fragen als Bestätigung dargestellt. Ihr Verhalten in dieser Angelegenheit lässt Sorgfalt ebenso vermissen wie grundlegende Manieren.“13

Vieles wusste ich damals noch nicht; war ich doch noch gar nicht in den Kaninchenbau gefallen. Das sollte mir erst Jahre später widerfahren.

Aufmerksamere Zeitgenossen wie der Autor Alex Heard hatten Greers Denkweise schon in den 1990er Jahren durchleuchtet und pointiert beschrieben.14 Heard beobachtete Greer eine Zeit lang und schrieb sich sogar für einen seiner „CE5“-Workshops ein, deren Teilnehmer Nägel mit Köpfen machen und die Aliens – die in Greers Universum durchweg lieb sind – gleich aktiv herbeirufen. Das dabei verwendete dreistufige Protokoll (zu dem u.a. gehörte, 40-Dollar-Taschenlampen zu schwenken und Geräusche abzuspielen, die man in Kornkreisen aufgenommen hatte und die Laubfröschen zum Verwechseln ähnlich klangen) sei „durch Versuch und Irrtum, experimentelle Forschungsarbeit“ entwickelt worden. Tatsächlich vernahm Heards Gruppe bald darauf vom Horizont her seltsame Piepgeräusche. „Wir befinden uns in einem aktiven Gebiet […] unweit einer Atomanlage […] Das ist ein gemeinsamer Tanz, aber überlassen Sie ihnen die Führung. Stürzen Sie nicht einfach los und umarmen sie sie“, zitiert er Greer. Es dauerte eine Weile, bis sie den Ausgangspunkt des Geräusches identifiziert hatten: Eine Eule, die hoch oben in den Baumwipfeln eines nahegelegenen Waldstücks saß. Derlei Berichte finden sich im Internet zuhauf und auch aus jüngeren Jahren.

Ganz unbedeutend ist diese Anekdote nicht, zeugt sie doch u.a. von Greers völliger Sorglosigkeit hinsichtlich der Frage, wen er denn da herbeiruft. Seine merkwürdige Überzeugung, dass wir „sie alle hereinwinken können und sollten, unabhängig vom Risiko“ (Heard) stellte ein Novum in der Szene dar. Fragte man Greer, was ihn eigentlich von der ausschließlichen Gutartigkeit der Besucher überzeugt habe, war er um haarsträubende Rationalisierungen nie verlegen:

„Geschickt seine Doktorkarte ausspielend – oft und gerne wies Greer darauf hin, dass er Arzt sei, was ihm Glaubwürdigkeit verlieh –, antwortete er mit der fürchterlichen medizinischen Analogie eines lebensbedrohlich verletzten ,Unfallopfers‘, das in die Notaufnahme gebracht wird und die Rettungsmaßnahmen fälschlich als Folter interpretiert. Festgezurrt wird er sich, während sich gummibehandschuhte, blutbefleckte Fremde um seinen schmerzenden, demolierten Körper kümmern, für das Opfer von Gewalt halten – dabei ist man in Wirklichkeit im Begriff, ihn zu retten.“

Ein Vierteljahrhundert später zeigt sich Greer von triftigen Argumenten noch immer unbeeindruckt: „Wenn Sie einer interstellaren Zivilisation angehören und sich des ‚Problems Erde‘ entledigen wollen, wäre das eine Sache von einer Nanosekunde. Spiel, Satz und Sieg – Game over“, erläuterte er in seinem Workshop. Richard Dolan zitierte ihn nach der Disclosure-Pressekonferenz von 2001 mit den Worten: „Die bloße Tatsache, dass wir ‚noch immer die Luft der Freiheit auf der Erde atmen‘, bezeugt die friedliebende Natur dieser ET-Zivilisationen mehr als reichlich“, und entgegnete:

„Es tut mir sehr leid, aber dieser Umstand allein genügt nicht, eine derartige Schlussfolgerung zu ziehen. Könnten Außerirdische nicht auch dann eine Bedrohung für die Menschheit darstellen, wenn sie sie nicht gleich auslöschen?“

In dem Artikel15, der auch Greers unbestreitbare Verdienste würdigt, kritisiert Dolan zugleich dessen Vorgehensweise:

„Der Öffentlichkeit die Realität des UFO-Phänomens zu beweisen und (der eigentliche Knackpunkt) offizielle Bestätigung zu erhalten, wäre mehr als genug gewesen. […] Aber Greer weiß nicht, wann es genug ist. […] Wie viel kraftvoller wäre doch eine enger fokussierte Botschaft gewesen.“

Wäre denn ein „kraftvolleres“ Ergebnis in seinem Sinne gewesen? Und was genau treibt Greer eigentlich an? Eine ehemalige Mitarbeiterin Greers, die schon in den frühen 1990er Jahren das Weite gesucht hatte, berichtete davon, dass er „mit einer ‚weiblichen Wesenheit‘ aus dem Weltall kommuniziert [habe], die ihn darüber in Kenntnis setzte, dass er zu Höherem ausersehen sei.“ Augenzeugen wie William D. Ross berichten, der junge Greer hätte (zusammen mit Stephen Bassett) über ein Medium Kontakt zu „aufgestiegenen Meistern“ und anderen Entitäten aufgenommen. Wie sich die Bilder gleichen – verbringt man einige Jahre im Kaninchenbau, kommt man kaum umhin, die allgegenwärtige Beeinflussung verschiedenster Akteure des Weltgeschehens aus den feinstofflichen Welten heraus zur Kenntnis zu nehmen. Greer, der gerne auf die vedischen Schriften Bezug nimmt, erwähnt interessanterweise niemals deren Kernaussage, dass wir Inkarnierten auf der Erde nicht nur von einer, sondern von zwei Arten unsichtbarer Welten bzw. Wesen umgeben sind: Neben denen, die alles Leben (und dessen Spielregeln) respektieren, gibt es da noch die, die nichts weniger interessiert als das Leben und Wohlergehen der anderen.

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Auch in Greers Jugendzeit, die als schwierig beschrieben wird, scheint eine Menge los gewesen zu sein. „Dr. Greer ist ein Mann mit bemerkenswerten spirituellen Kräften. Unbeschadet überstand er eine von schrecklichem Missbrauch geprägte Kindheit, in der er sogar einmal gezwungen wurde, Sand zu essen! […] Dr. Greer überwand all den Horror seiner Kindheit und entwickelte sich zu einer absolut positiven Persönlichkeit“, schwärmt ein Autor namens Joe Potts. „Wie hat er das geschafft? […] Die funkelnde Liebe von Oben löste und vertrieb seine in der schrecklichen Kindheit wurzelnde emotionale Paranoia und heilte seinen Geist.“16 Greer selbst erzählt, wie ein golfballgroßer Tumor aus der Lunge seines alkoholkranken Vaters verschwunden sei, nachdem er ihm Meditation beigebracht hatte.17 Mittels Meditation, erklärte er im Workshop, habe er auch den Angriff durch eine gerichtete elektromagnetische Waffe „transzendiert“, mit der man ihn 1994 aus einem Hotel in Manhattan habe „entführen“ und dazu bringen wollen, seine Aktivitäten einzustellen:

„Ich transzendierte in den Ozean des grenzenlosen Geistes, sodass mein Tropfen zum Ozean wurde. Den Ozean können sie nicht entführen – nur den Tropfen. Versteht ihr?“

Kommentare

02. Mai 2018, 14:41 Uhr, permalink

Kompostklo

Ein fantastischer Artikel – kluge Metakritik mit einer genuinen Stimme. Gerne mehr davon.

24. Oktober 2018, 16:54 Uhr, permalink

Daniel Kälin

Sehr guter Artikel, danke. Genau so ist es, das habe ich mir in den letzten Jahren des Verfolgens der Projekte Camelot von Kerry Cassidy und Avalon Forum des Bill Ryan auch gedacht. Ein riesiges Cpt.Richards-Goode-Wilcocks-Greer-Salla- "Mind Control"- Schmierentheater um Glaubwürdigkeit, Klick- und Mitgliedszahlen mit Buchverkäufen und Vortrags-Gagen im Dienste der Desinformation und Zersetzung über die Alien,- Ausser- und Innerirdischen-Agendas. Wie im richtigen Leben. Gewisse Gruppen wollen einfach nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt, weil sie und ihre eigenen Jahrtausend lang aufrecht erhaltenen Lügen- und Märchengeschichten, auf denen ihre Identität und "göttliche" Rechtfertigung ihrer Machtausübung gründet, wie Kartenhäuser zusammenbrechen. Wem man noch trauen kann sind Amazonas-Schamanen und besagter Bill Ryan, seine qualitativ hochstehenden Forums-Mitglieder, (Dres.:) Richard Doland, David M. Jacobs, Timothy Good, Bases Miles Johnston, Eve Lorgen (Barbara Bartholic, Carla Turner), Corrado Malanga und die im Artikel erwähnten richtigen, glaubwürdigen Zeugen und militärischen, amtlichen Whistleblowers der alten Disclosure Inteviews des Dr. Steven Greers.
Warum glauben wir, dass wir anders angesehen, bewertet und verkauft werden, als wir spezifisch gezüchtete Schweine,- Rinder,- Hühner,- Hunde,- Katzen,- Pferde,- und andere Säugetier,- und Reptilien,-Fisch,- und Vogel-Rassen? Wie oben so unten.

31. Dezember 2018, 12:47 Uhr, permalink

werner földeak

wenn man die dinger einmal tags oder nachts fliegen hat sehen, dann weiß man daß es sie gibt.

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