Die feindliche Übernahme des UFO-Narrativs

ufoSeltsames geht seit einiger Zeit in der amerikanischen UFO-Szene vor sich: Haben sich kritische Forscher jahrzehntelang durch das Dickicht aus Zeugenaussagen und Dokumenten gewühlt und diese auf belegbare und glaubwürdige Elemente abgeklopft, warten neuerdings immer mehr „Whistleblower“ mit haarsträubenden Geschichten auf, die zwar konsistent und detailliert erscheinen, sich aber jeder Überprüfung entziehen. Die jetzt entbrannte Debatte zwischen Gläubigen und Kritikern droht die altehrwürdige MUFON und mit ihr die gesamte Ufologie zu zerreißen. Dabei deutet vieles auf eine ausgeklügelte PSYOP hin, mit der der ernsthaften Forschung endgültig der Garaus gemacht werden soll.

In seiner knapp zwei Monate nach der Wüstenkonferenz veröffentlichten Analyse mit dem wuchtigen Titel „Der Untergang der amerikanischen UFO-Forschung“9 führt Fleischer aus:

„Zwar gibt es hin und wieder glaubhafte Dokumente, doch diese beziehen sich auf Nebensächliches und bestätigen in keiner Weise die viel weiter reichenden Behauptungen über Zeitreisen, Alien-Kontakte etc.“

Fleischers Schlussfolgerung aus all dem lautet:

„Es gibt für mich mehrere Indizien dafür, dass das Narrativ des geheimen Weltraumprogramms eine orchestrierte Desinformationskampagne der Geheimdienste darstellt. […] Insbesondere Corey Goode kommt mit immer neuen Einzelheiten aus den verschiedensten Bereichen hervor, die so breitgefächert sind, dass dieser Mann wahrscheinlich mehrere hundert Jahre lang an jeder einzelnen Schaltstelle des US-Geheimapparates mitgewirkt haben müsste, um all diese Dinge selbst bezeugen zu können. […] Die immer neuen Veröffentlichungen treiben immer bizarrere Blüten und folgen demnach der bekannten Strategie der ‚expandierenden Desinformation‘. […] Damit muss man konstatieren, dass die ganze Aktion einen durchschlagenden Erfolg hat, wenn es Geheimdienstkreisen darum geht, die UFO-Debatte vom eigentlichen Phänomen der unidentifizierten Flugobjekte wegzulenken.“

So weit, so offensichtlich. Im Nachsatz räumt er auch die Möglichkeit ein, dass die Kampagne dazu dienen könnte, von einem tatsächlichen geheimen Weltraumprogramm abzulenken. Doch auf eine winzige Frage, die sich dem wohlwollenden Beobachter zwangsläufig aufdrängt, geht Fleischer gar nicht erst ein: Wie machen die das?

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Denn nicht nur sind die ausufernden „wirklich amüsanten Lagerfeuergeschichten“ (Dolan) in sich und zueinander weitgehend konsistent – auch wird kaum jemand, der sich mit den vermeintlichen Whistleblowern unvoreingenommen auseinandergesetzt und sie auf sich hat wirken lassen, ernsthaft behaupten, dass es sich bei diesen um eiskalte, durchtriebene Lügner handelt. Nehmen wir z.B. den Rechtsanwalt Andrew Basiago, der in den 1970er Jahren als Kind in ein Geheimprogramm involviert gewesen sein will, das sich mit Teleportation und Zeitreisen befasste. So habe er unter anderem Lincolns berühmter Gettysburg-Rede persönlich beigewohnt, was sogar durch ein berühmtes Foto dokumentiert sei. Ähnlich wie Goode habe er infolge der Zeitsprünge ganze Lebensabschnitte mehrmals durchlebt. Damit nicht genug, sei er in den 1980ern über eine als „Jump Room“ bezeichnete Technik mehrmals zum Mars teleportiert worden – gemeinsam mit dem jungen Barry Soetoro alias Barack Obama. Rechercheure wie Dolan und Ryan, die Basiago persönlich kennengelernt haben, beschreiben ihn einhellig als hochintelligenten, angenehmen und wohlmeinenden Zeitgenossen; zudem hätten sie den Eindruck gewonnen, dass er definitiv glaubt, was er sagt. Das bestätigte auch eine Expertin für Körpersprache, die Ryan schon frühzeitig inkognito eingeladen hatte, einer Konversation mit Basiago beizuwohnen. „Ich habe kein Wort von seinen Ausführungen verstanden, aber ich versichere dir, dass er absolut von dem überzeugt ist, was er sagt“, paraphrasiert Ryan ihr Fazit. Freilich erkennt Ryan die ungeheure Implikation, die sich daraus ergibt – zumal im Lichte der Detailgenauigkeit und Konsistenz der Aussagen, die sich schlecht mit der Vorstellung etwa einer konventionellen wahnhaften Erkrankung in Einklang bringen lassen:

„Das ist ein gewaltiger Kaninchenbau […] diese ganze Bewusstseinskontrollgeschichte […] Ein Individuum, das man irgendwie dahingehend beeinflusst hat bzw. kontrolliert, an seine Aussagen absolut zu glauben, stellt den idealen falschen Zeugen dar […] aus der Sicht von jemandem, der die Person in eine bestimmte Gemeinschaft einschleusen will, um aus derselben Kleinholz zu machen.“

Ryan weist noch auf einen anderen Umstand hin: Bei den ersten, unglaublich detaillierten Gesprächen mit Basiago im Jahr 2007 habe dieser ihm seine ganze ausufernde Story dargelegt – jedoch mit keinem Wort den Mars erwähnt. Das habe erst drei Jahre später begonnen:

„Wir holten [Basiago] vom Flughafen ab und machten einige Filmaufnahmen mit ihm. Dann einmal, als ich mit ihm beim Mittagessen saß, erklärte ich ihm freundlich und genau, dass der Grund, warum er jetzt auf einmal über den Mars und Jump Rooms sprach, möglicherweise darin lag, dass er a) seine eigene frühere Geschichte und b) auch andere Leute in Misskredit bringen sollte, die ebenfalls über das geheime Weltraumprogramm sprachen. […] Und hier ist der interessante Punkt: Andy ist ein äußerst gescheiter Mann und hörte höflich und sorgfältig zu. Unser Gespräch war vollkommen frei von irgendwelchen Animositäten. Doch er hatte die allergrößten Schwierigkeiten zu verstehen, was ich zu sagen versuchte. Dabei bin ich wirklich nicht schlecht darin, anderen etwas zu erklären. Er hatte echte Probleme damit. Erst nach 30 bis 40 Minuten begriff er, dass ich von der Möglichkeit sprach, jemand könnte auf unbemerkte Art [in seine Gedanken] eingegriffen haben.“

Die Liste derartiger Merkwürdigkeiten ist lang. Einmal hatte Goode während einer Präsentation einen etwa zehnsekündigen Aussetzer, bei dem er etwas wie „Ich krieg kein Signal mehr“ murmelte. Auf Youtube kursiert zudem ein Video mit zwei kurzen Sequenzen aus „Cosmic Disclosure“: Während in der ersten über den einstigen US-Verteidigungsminister James Forrestal gesprochen wird, von dem Goode offenbar noch nie gehört hat, weiß er im zweiten Ausschnitt – der aus der darauffolgenden Episode stammt – bestens über ihn Bescheid. Richard Dolan, der sich nicht scheut, die Dinge beim Namen zu nennen, sagte schon 2016 in einer Radiosendung:

„Ich denke, mit einigen der Leute, die jetzt als sogenannte Whistleblower auftauchen, stimmt etwas ganz und gar nicht. Irgendetwas ist da nicht in Ordnung.“

Im Gespräch mit Bill Ryan wird er deutlicher: Geisteskrankheiten könnten im Spiel sein, oder die Betroffenen waren in Geheimdienste involviert und sind Opfer von Bewusstseinskontrolle geworden.

„Die Techniken gibt es auf jeden Fall. Ob sie bei diesen Personen zur Anwendung gekommen sind, kann ich nicht wissen. Oder ob sie aufs Geld aus sind oder ihrem Seelenauftrag folgen. […] Im Grunde interessiert mich ihre Motivation und, ganz ehrlich, auch ihr Geisteszustand nicht. Vielleicht sind sie am Ende alle geistig völlig gesund. Ich wäre entsetzt, aber möglich ist es. Der Punkt ist, dass es in [ihren] Geschichten rein gar nichts gibt, an das ich mich als Forscher halten könnte.“

„Wir müssen uns fragen, ob diese Vorgänge vielleicht von Kräften, die die Zerschlagung der UFO-Forschung zum Ziel haben, auf sehr geschickte Weise choreografiert werden. Es sollte uns klar sein, dass sie darin unglaublich gewandt und erfahren sind“, kommt Ryan zu einem ähnlichen Schluss wie Fleischer. Vor einem Jahr schon hatte Dolan angemerkt, er würde, wäre er für ein tatsächliches geheimes Weltraumprogramm verantwortlich, nach Leuten Ausschau halten, die wahrhaft haarsträubende Geschichten zu erzählen hätten. „Eine der Strategien derjenigen, die die UFO-Forschung zerschmettern wollen, besteht darin, so viel offenkundig verrücktes Zeug einzuschleusen, dass jeder intelligente und geistig gesunde Interessierte das Weite sucht“, erläutert Ryan. Dazu passt nicht nur, dass der als CIA-Insider geltende Robert David Steele Anfang Juli in Alex Jones’ Radiosendung erklärte, auf dem Mars würden Kolonien von Kindersklaven betrieben10, sondern auch der Umstand, dass die NASA sich ausgerechnet in diesem Fall zu einer Richtigstellung genötigt sah11 – womit die wilde Behauptung in die Mainstreammedien gelangte. Übrigens hatte es Jones, der gerne den von Dolan geprägten Begriff „Abspaltungszivilisation“ benutzt, nie für nötig gehalten, dessen Urheber einmal einzuladen.

Kommentare

02. Mai 2018, 14:41 Uhr, permalink

Kompostklo

Ein fantastischer Artikel – kluge Metakritik mit einer genuinen Stimme. Gerne mehr davon.

24. Oktober 2018, 16:54 Uhr, permalink

Daniel Kälin

Sehr guter Artikel, danke. Genau so ist es, das habe ich mir in den letzten Jahren des Verfolgens der Projekte Camelot von Kerry Cassidy und Avalon Forum des Bill Ryan auch gedacht. Ein riesiges Cpt.Richards-Goode-Wilcocks-Greer-Salla- "Mind Control"- Schmierentheater um Glaubwürdigkeit, Klick- und Mitgliedszahlen mit Buchverkäufen und Vortrags-Gagen im Dienste der Desinformation und Zersetzung über die Alien,- Ausser- und Innerirdischen-Agendas. Wie im richtigen Leben. Gewisse Gruppen wollen einfach nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt, weil sie und ihre eigenen Jahrtausend lang aufrecht erhaltenen Lügen- und Märchengeschichten, auf denen ihre Identität und "göttliche" Rechtfertigung ihrer Machtausübung gründet, wie Kartenhäuser zusammenbrechen. Wem man noch trauen kann sind Amazonas-Schamanen und besagter Bill Ryan, seine qualitativ hochstehenden Forums-Mitglieder, (Dres.:) Richard Doland, David M. Jacobs, Timothy Good, Bases Miles Johnston, Eve Lorgen (Barbara Bartholic, Carla Turner), Corrado Malanga und die im Artikel erwähnten richtigen, glaubwürdigen Zeugen und militärischen, amtlichen Whistleblowers der alten Disclosure Inteviews des Dr. Steven Greers.
Warum glauben wir, dass wir anders angesehen, bewertet und verkauft werden, als wir spezifisch gezüchtete Schweine,- Rinder,- Hühner,- Hunde,- Katzen,- Pferde,- und andere Säugetier,- und Reptilien,-Fisch,- und Vogel-Rassen? Wie oben so unten.

31. Dezember 2018, 12:47 Uhr, permalink

werner földeak

wenn man die dinger einmal tags oder nachts fliegen hat sehen, dann weiß man daß es sie gibt.

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