Die feindliche Übernahme des UFO-Narrativs

ufoSeltsames geht seit einiger Zeit in der amerikanischen UFO-Szene vor sich: Haben sich kritische Forscher jahrzehntelang durch das Dickicht aus Zeugenaussagen und Dokumenten gewühlt und diese auf belegbare und glaubwürdige Elemente abgeklopft, warten neuerdings immer mehr „Whistleblower“ mit haarsträubenden Geschichten auf, die zwar konsistent und detailliert erscheinen, sich aber jeder Überprüfung entziehen. Die jetzt entbrannte Debatte zwischen Gläubigen und Kritikern droht die altehrwürdige MUFON und mit ihr die gesamte Ufologie zu zerreißen. Dabei deutet vieles auf eine ausgeklügelte PSYOP hin, mit der der ernsthaften Forschung endgültig der Garaus gemacht werden soll.

Doch auch der „Dienst am Nächsten“ wird großgeschrieben. In dem Bewusstsein, dass die „vollständige Offenlegung“ kein Zuckerlecken werden wird – „Evolution geht immer mit Stress einher“ –, wird derzeit unter dem Kürzel UHSPDS ein Team von „Experten für geistige Gesundheit“ gebildet, das uns helfen wird, „mit dem Aufwachen und der Offenlegung fertigzuwerden“ und „Lebenssinn, Stabilität und geistiges Wohlbefinden zu finden“. Jeder solle zudem seine Fähigkeiten aktiv dazu einsetzen, „Samen ins Massenbewusstsein zu pflanzen“; man könne gleich vor Ort bei Gaia TV anheuern, hieß es. Überhaupt verblüfft Goodes unbedarfte Freimütigkeit: „Viele von uns vernehmen derzeit den Ruf, auf das Bewusstsein der Massen direkt einzuwirken. Schauen wir, ob wir es nicht lenken können.“ Goode träumt offen davon, Kinderbücher und iPhone-Apps in die Welt zu setzen, in denen es „ums Einssein und den Dienst am Nächsten geht“ und an die sich die späteren Erwachsenen als die Einflüsse zurückerinnern, die sie auf den rechten Weg gebracht haben. Beispielgebend schreitet Goode auf dem Pfad der Nächstenliebe voran und beherzigt, was ihm die Avianer – oder war es das Wesen mit dem goldenen Dreieckskopf, mit dem er ebenfalls Kontakt gehabt haben will? – mit auf den Weg gegeben haben:

„Eines der Dinge, die sie Corey in den Kopf gezwungen haben, ist, dass er darauf zu achten hat, dass er nicht als eine Art ‚Guru‘ gesehen wird und dass er bescheiden bleiben solle, um sicherzustellen, dass dies kein Kult wird.“24

Für Goode gibt es keinen Zweifel, wer auf der Seite des Lichts steht und wer die Bösewichte sind:

„Es gibt einige Leute, die einfach nicht wollen, dass wir uns vereinen. Was kann daran falsch sein, wenn ein paar spirituell fortgeschrittene Menschen ihre Glaubensdifferenzen niederlegen und zusammenarbeiten? Was fürchten sie?“25

Die Titanic sinkt, und der Sog ist gewaltig. Ursprünglich wohlmeinende, tüchtige Aktivisten aller Couleur – nicht nur in der UFO-Szene – werden zunehmend von etwas infiziert bzw. übernommen, das zwar je nach Denkmodell verschieden bezeichnet wird, aber eine konsistente Symptomatik aufweist. Die indianische Tradition etwa spricht von „Wetiko“26, David Icke beschreibt den „archontischen Virus“. Die Schwierigkeit für den Betroffenen liegt darin, den Vorgang überhaupt zu bemerken und sich ihm zu stellen. Erschüttert berichtete Bill Ryan, was Michael Salla auf sein Angebot zum Informationsaustausch erwiderte:

„‚Ich bin an deinen Informationen nicht interessiert, da ich mich anderweitig verpflichtet fühle‘, sagte er. Ich dachte nur: Oh mein Gott! Dieser Mann ist kein Forscher mehr, sondern jemand, der einem Glaubenssystem anhängt.“

Linda Moulton Howe schreibt an Coreys Buch mit, und das Vorwort verfasst … Jay Weidner, der unter anderem für seine Arbeiten zu Stanley Kubrick gefeiert wurde.

Während ich diese abschließenden Zeilen schreibe, überschlagen sich die Ereignisse. Vor einigen Tagen haben die Bremsen von David Wilcocks Auto versagt, was dieser der „dunklen Allianz“ zuschreibt, die es auf ihn abgesehen habe und zu der er zunehmend offen die Aufklärer zählt, die ihn und Goode kritisieren. Als Corey Goode daraufhin ähnlich paranoide Behauptungen aufstellt, wird bekannt, dass sein ehemaliger Arbeitgeber vor drei Jahren gegen ihn eine einstweilige Verfügung27 erwirkt hat – wegen Stalking, Bedrohung und Belästigung. Bill Ryan war das schon lange bekannt, hatte das jedoch aus Gründen des Anstands und der Deeskalation für sich behalten. Als Wilcock sich dann in Jimmy Churchs landesweit ausgestrahlter Talksendung „Fade to Black“ ausweint und beginnt, Project Avalon zu beschuldigen, platzt Bill Ryan der Kragen:

„Daniel [gemeint ist der Youtuber ‚Dark Journalist‘] hat völlig recht: [Goodes Gerichtsurteil] ist nur die Spitze eines riesigen und sehr schmutzigen Eisbergs. […] Jimmy Church, du solltest dich schämen. Du bist kein Journalist. […] Das ist billig und niveaulos, unehrlich und manipulativ. Und David: Ich habe dich immer respektiert. Das ist jetzt vorbei.“28

Unterdessen schreibt Andrew Basiago auf Facebook über Dolan und Ryan, die ihn stets als intelligenten und charmanten Gentleman beschrieben und betont haben, dass sie an persönlichen Angriffen nicht interessiert seien:

„Dolan und Ryan sind Lügner, Schakale und wahrscheinlich agent provocateurs. Sie kommen einfach nicht damit klar, dass ich in meinem Leben heroische Dinge vollbracht habe.“29

Wäre all das unbedeutend oder wenigstens vorübergehend, hätte ich es Ihnen erspart. Ich hätte viel lieber von den anderen fünfzig Referenten und deren Präsentationen berichtet; von Jacques Vallées Erkenntnissen über die in UFOs verwendeten Materialien etwa, Peter Levendas Ausführungen über Theodore von Kármán und die okkulten Hintergründe der amerikanischen Raumfahrt oder John DeSouzas Tipps für angehende „Detektive des Paranormalen“; von Jimmy Churchs turbulenter Livesendung, den spannenden Podiumsdiskussionen oder Clyde Lewis’ Echtzeit-Kommunikation mit dem Jenseits; von meiner Begegnung mit Giorgio Tsoukalos, der mir in perfektem Deutsch ins Wort fiel, oder von meinem Schwatz mit Richard Dolan, der mir sein Buch augenzwinkernd mit den Worten überreichte: „Das ist für intelligente Leute geschrieben.“ Doch ich ahnte nicht, welche Dimension die Differenzen innerhalb der Szene annehmen würden und dass die gesamte aufgeklärte UFO-Forschung unter Beschuss geraten könnte bzw. es schon seit geraumer Zeit war.

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Richard Dolan hatte schon 2011, in Sorge um die Qualitätsstandards der UFO-Forschung, auf einem MUFON-Symposium Reformen angemahnt – woraufhin er sechs Jahre lang inoffiziell als Redner gesperrt war. Nachdem ihn MUFON-Direktor Jan Harzan zur Teilnahme am diesjährigen Symposium überredet hatte und Dolan entsetzt feststellte, dass die ehrwürdige Organisation auch mehrere „Whistleblower“ geladen hatte, deren Behauptungen niemand verifizieren kann, stellte er Harzan zur Rede.

„Jan rechtfertigte sich, so gut er konnte; im Wesentlichen argumentierte er, er wolle eben eine Vielfalt interessanter Meinungen präsentieren und das Publikum selbst entscheiden lassen.“30

Harzan bot Dolan an, seine Teilnahme zurückzuziehen, was dieser jedoch ablehnte.

„Allerdings befand ich mich nun in einer interessanten Situation. Ich erkannte, dass es an der Zeit war, meine Gedanken deutlicher zu kommunizieren.“

Langjährige, der Wissenschaftlichkeit verpflichtete MUFON-Mitglieder wie etwa Forschungsdirektor Robert Powell nahmen aus Protest gegen die Entscheidung, Corey Goode und Andrew Basiago in den Mittelpunkt des Symposiums zu stellen, resigniert den Hut. „Die Wissenschaft hat das Gebäude verlassen“, lautet das Fazit des Washingtoner MUFON-Chefs James Clarkson. Das offizielle Motto der Organisation – „die wissenschaftliche Erforschung des UFO-Phänomens zum Nutzen der Menschheit“ – sei fortan nur mehr eine Floskel und möge in Frieden ruhen. Entsetzt hatte er zur Kenntnis genommen, dass hoch geschätzte Forscherkollegen das Symposium vom Juli 2017 als „historisch“ priesen.

„Die Ticketverkäufe schnellen in die Höhe, reißerische Geschichten ohne jeden Beweis sind heute angesagt. […] Wenn Sie wie ich der Meinung sind, dass MUFON viele Jahre lang eine stolze Rolle in der UFO-Forschung innehatte, dann schreibt das ‚Corey-Goode-MUFON-Symposium von 2017‘ in derselben Weise Geschichte wie der Untergang der Titanic am 15. April 1912. Es wird eine Handvoll Überlebender geben, aber das prachtvolle Schiff wird nicht mehr fahren. […] Ich kann nicht erkennen, wie sie noch irgendjemanden außer sich selbst von der Seriosität der Organisation überzeugen wollen. Als Unterhaltungsfirma dürfte es ihr allerdings fortan prächtig gehen – dank unbeweisbarer Geschichten wie denen von Corey Goode.“31

Kommentare

02. Mai 2018, 14:41 Uhr, permalink

Kompostklo

Ein fantastischer Artikel – kluge Metakritik mit einer genuinen Stimme. Gerne mehr davon.

24. Oktober 2018, 16:54 Uhr, permalink

Daniel Kälin

Sehr guter Artikel, danke. Genau so ist es, das habe ich mir in den letzten Jahren des Verfolgens der Projekte Camelot von Kerry Cassidy und Avalon Forum des Bill Ryan auch gedacht. Ein riesiges Cpt.Richards-Goode-Wilcocks-Greer-Salla- "Mind Control"- Schmierentheater um Glaubwürdigkeit, Klick- und Mitgliedszahlen mit Buchverkäufen und Vortrags-Gagen im Dienste der Desinformation und Zersetzung über die Alien,- Ausser- und Innerirdischen-Agendas. Wie im richtigen Leben. Gewisse Gruppen wollen einfach nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt, weil sie und ihre eigenen Jahrtausend lang aufrecht erhaltenen Lügen- und Märchengeschichten, auf denen ihre Identität und "göttliche" Rechtfertigung ihrer Machtausübung gründet, wie Kartenhäuser zusammenbrechen. Wem man noch trauen kann sind Amazonas-Schamanen und besagter Bill Ryan, seine qualitativ hochstehenden Forums-Mitglieder, (Dres.:) Richard Doland, David M. Jacobs, Timothy Good, Bases Miles Johnston, Eve Lorgen (Barbara Bartholic, Carla Turner), Corrado Malanga und die im Artikel erwähnten richtigen, glaubwürdigen Zeugen und militärischen, amtlichen Whistleblowers der alten Disclosure Inteviews des Dr. Steven Greers.
Warum glauben wir, dass wir anders angesehen, bewertet und verkauft werden, als wir spezifisch gezüchtete Schweine,- Rinder,- Hühner,- Hunde,- Katzen,- Pferde,- und andere Säugetier,- und Reptilien,-Fisch,- und Vogel-Rassen? Wie oben so unten.

31. Dezember 2018, 12:47 Uhr, permalink

werner földeak

wenn man die dinger einmal tags oder nachts fliegen hat sehen, dann weiß man daß es sie gibt.

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