Kernkraft - das Geschäft mit der Angst

In den 1980er Jahren reiste ein Mann durch Amerika, der Plutonium aß, regelmäßig im Abklingbecken eines Atomkraftwerks geschwommen war und jahrzentelang ohne Schutzkleidung mit radioaktivem Material hantiert hatte. Seine Botschaft: Die Angst vor radioaktiver Strahlung ist das Ergebnis einer hemmungslosen Überregulierung des Strahlen­schutzes, die vom Atomenergiekartell in die Politik gepfuscht wurde. Um dies aufzudecken, kreisten seine Vorträge um zwei zentrale Fragen: Wem gehört das Plutonium – und wie viel ist es wert? Einen solchen Vortrag haben wir im Folgenden für Sie aufbereitet.

Worum geht es wirklich?

Jene von uns, die mit diesem Material arbeiteten, taten es gern. Wir alle wussten, was wir taten, und hatten uns darauf eingestellt. Als der Präsident der Vereinigten Staaten entschied, unsere Wiederaufarbeitungsanlage nicht in Betrieb zu nehmen, wollte ich unbedingt herausfinden, was da eigentlich los war. Vieles wurde mit den Schlagworten Gesundheit und Sicherheit gerechtfertigt: Verbrennen Sie sich nicht, Sie brauchen ein Sicherheitsprotokoll, Sie müssen sicherer sein als alle anderen – aber wir genossen doch schon mehr Sicherheit als irgendjemand sonst auf der Welt! […] Ich sagte mir: „Ach, das ist doch alles Sicherheitsgefasel – darum geht es bei der Sache überhaupt nicht. Ich wette, es geht um etwas völlig anderes …“

1982 verabschiedete der Kongress den Nuclear Waste Policy Act [Gesetz zum Umgang mit Atommüll, Anm. d. Übers.]. Federführend war ein Kerl namens Mo[rris K.] Udall […]. Bei dem Material, das Udall als „Abfall“ bezeichnet hatte, handelte es sich um denselben wiederverwendbaren Uranbrennstoff, mit dem ich 31 Jahre lang gearbeitet hatte. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass Mo Udall und ich in der Frage, ob das Material Müll ist oder nicht, nicht übereinstimmen.

Worum es in diesem Spiel wirklich geht, lässt sich in zwei Fragen zusammenfassen: Wer besitzt das Plutonium? Und: Wie viel ist es wert? Die Regierung meinte: „Man muss es 900 Meter tief in Basalt vergraben. Wir starten eine Ausschreibung unter allen Bundesstaaten, um festzulegen, wo es vergraben werden soll.“ „Ach“, dachte ich, „und warum wollen Sie es vergraben? Haben Sie die Besitzer gefragt? Wer besitzt überhaupt das Plutonium?“ Ich denke, dass es am ehesten dem Steuerzahler gehört. Er hat für den Abbau bezahlt, für die Verarbeitung des Urangesteins, für die Stromerzeugung – und wurde im Voraus für die Endlagerung zur Kasse gebeten.

Wenn also Sie es waren, die dafür bezahlt haben, wem mag es dann wohl gehören? Und wie viel ist es wert? Die Inflation mit einberechnet enthält eine Tonne wiederverwendbaren Uranbrennstoffs nutzbare Metallisotope im Wert von mindestens 10.000.000 US-Dollar. Mo Udall sagt ja, das wäre nur hochaktiver Abfall …

Der Wert des wiederverwendbaren Uranbrennstoffs, der für die Endlagerung vorgesehen ist, übersteigt heute [1986] wahrscheinlich die nationalen Staatsschulden.

Wir brauchen keine Regulierung

Wie Sie sicher wissen, gibt es auch natürliche Plutoniumvorkommen. Plutonium-244 findet sich in den strahlenden Überresten von mindestens acht Oklo-Phänomen-Reaktoren [Naturreaktoren] rund um die Welt. Der erste wurde in Gabun, Afrika, entdeckt. Natürliches Plutonium entsteht durch die Transmutation von Uran – was der Grund dafür ist, aus dem wir überhaupt mit dem Bau entsprechender Reaktoren begonnen haben.

Unsere Fähigkeit, die Strahlung dieser radioaktiven Elemente aufzuspüren und zu messen, kommt in der Lagerbestandskontrolle zur Anwendung.

Wenn spaltbare Elemente – spaltbare Isotope – mit einem Massenanteil von weniger als fünf Prozent vorliegen, wie es bei Plutonium-239 der Fall ist, und wenn die Schwermetalloxid-Matrix trocken an der Luft gelagert wird, dann hat sie keine kritische Masse. Erinnern Sie sich an die Abschirmungsmaßnahmen, über die ich gesprochen habe; dass die Konstrukteure nicht wussten, was eine kritische Masse war: Solange es sich um Leichtwasserreaktor-Brennelemente handelt, die weniger als fünf Prozent äquivalentes, spaltbares Material aufweisen – dann können sie ohne Gefahr damit hantieren, damit umherlaufen, es stapeln; man kann ein ganzes Zimmer voll davon haben oder eine Handvoll: Solange man es trocken lagert, wird es keine Kettenreaktion geben.

Was also soll dieser Firlefanz um die dubiosen fünf Gramm, die angeblich jeden auf der Welt töten können? Wer so etwas behauptet, weiß nicht, wovon er spricht. Und wenn diese Leute das sagen, machen sie Messtechnik-Experten wie mir, Galen Winsor, eine lange Nase. Ich fühle mich beleidigt, wenn sie diese Dinge sagen und damit davonkommen – denn mit der Wahrheit haben sie nichts zu tun.

Man kann das Material nicht falsch handhaben und niemand wird einer ungeschirmten nuklearen Kettenreaktion ausgesetzt sein – in anderen Worten: Eine Überwachung ist nicht notwendig; sie kommt nur dann in Frage, wenn es darum geht, den Diebstahl des Inventars zu verhindern. Haben sie das verstanden? Nehmen Sie sich kurz Zeit, um sich das klar zu machen.

Brauchen wir die Gesetze, Regulierungen und Instruk­tionen der Regierung? Keineswegs! Warum gibt es sie dann? Bei den Bestandskontrollpraktiken rund um nukleares Inventar schlägt man Kapital aus der Angst der ungebildeten Masse innerhalb der Branche. Ich rede nicht von den Menschen auf der Straße, ich rede von Leuten, die in der Branche arbeiten. Und denen, die von außen Steine werfen. Den Ralf Naders, den Jane Fondas …

Sie brauchen nicht lange nachzudenken, um darauf zu kommen, dass vielleicht die Industrie selbst die Quelle des Problems ist. Die Industrie hat die Komitees gegründet, von denen die Regeln stammen, die wiederum der Kongress durchgesetzt hat. Haben sie das je so betrachtet? Von solch scharfen Sicherheitsvorkehrungen wagen Eisenbahningenieure nicht einmal zu träumen.

Wann wird es brenzlig?

Gesundheitsbedenklich für den Anwender sind nur solche Mengen spaltbaren Materials, die unbeabsichtigt eine ungeschirmte nukleare Kettenreaktion hervorrufen können – oder Materialien, die Erytheme verursachen; also solche, deren Strahlung die kürzeste Wellenlänge und höchste Frequenz aufweist. Dabei handelt es sich aber um genau jene UV-Licht-Emissionen des elektromagnetischen Spektrums, die am leichtesten abzuschirmen sind.

Lassen Sie mich klarstellen, was das bedeutet. Die Abstrahlungen von Uran, Plutonium und Cäsium – sie alle sind nur in zwei Fällen relevant:

Zum Einen dann, wenn Sie zwei Mengen spaltbaren Materials haben, die gemeinsam eine kritische Masse ergeben, und diese beiden zusammenführen: Das kann einen blauen Blitz verursachen und Verbrennungen nach sich ziehen. Dieser Fall ist in der Industrie [bis 1967] 34-mal eingetreten; acht Menschen sind in der Folge gestorben. Diese Kritikalitäts-Unfälle sind im Los-Alamos-Dokument 3611 festgehalten, falls Sie die Quelle überprüfen wollen [siehe bit.ly/1lRR9gc, Anm. d. Übers.].

Der andere Fall tritt ein, wenn Sie Material ansammeln. Wenn Sie eine gewisse Menge beisammen haben, sendet das Material ultraviolettes Licht einer spezifischen Wellenlänge und Frequenz aus, die ausreicht, Sie zu verbrennen. Dann ist es wie bei einem Sonnenbrand: Sie bekommen Erytheme, Hautrötungen.

Wenn das spaltbare Material also die kritische Masse unterschreitet und der UV-Effekt schwächer ist – womit gibt es dann ein Problem? Die exzessiven Regulierungen seitens der Regierung sind das Problem!

Kommentare

02. Juni 2015, 15:52 Uhr, permalink

Roth

Galen hat nur in einer Sache Recht. Natürliche Strahlung ist nicht gefährlich und wir brauchen sie sogar, weil nur so die Evolution weiter voran geht.
Aber das Problem besteht darin, das zu viel Strahlung schädlich ist und Krebsgeschwüre und Krankheiten hervorruft.
Dabei gibt es ein sehr großes Problem, das jeder Körper unterschiedlich auf Strahlung reagiert und das bis in die Heutige Zeit immer noch nicht 100% klar ist bei welcher Intensität die Stahlung schädlich ist.

Es ist wie mit dem Alkohol. In geringen Mengen ist er gesund und förderlich, aber in zu vielen Mengen und zu hoher Konzentration ist er schädlich oder sogar tödlich.

Genau so verhält es sich mit der Strahlung. Wir brauchen sie zum Leben, aber in einer zu hohen Konzentration oder einer zu langen Bestrahlung in einer sehr starken Dosis kann sie gesundheitsschädlich oder sogar tödlich sein.
Das Gefährliche daran ist, das wir kein Sinnesorgan haben, um diese Strahlung wahrzunehmen. Es ist nur möglich mit einem Meßgerät die genaue Dosis zu ermitteln. Und dann kommt es auf die Erfahrungswerte an, die man im Lauf der Geschichte gesammelt hat. Aber leider wird darüber zu wenig berichtet. Ich habe den Eindruck, das diese Angelegenheit geheim ist und das Ärtzte darüber nicht reden. Jedenfalls wäre es sehr viel hilfreicher, wenn Ärzte mehr berichten und ihre Erfahrungen an die Öffentlichkeit bringen. Nur so kann eine Diskussion ordentlich geführt werden, die auch sachlich und mit Fakten geführt wird.

11. September 2016, 22:52 Uhr, permalink

Ben

Roth:
"Aber das Problem besteht darin, das zu viel Strahlung schädlich ist und Krebsgeschwüre und Krankheiten hervorruft. "

Komisch das die moderne Krebsmedizin genau diese gefährlichen Strahlen einsetzt um Krebs und Tumore zu bekämpfen.

Und in Tschernobyl leben auch heute noch Menschen in der Sperrzone, welche sich weigerten Ihre Heimat zu verlasse. Sie essen Kartoffeln aus angeblich radioaktiv-versuchtem Boden und.....ihnen gehts gut. Selbst die Flora und Fauna dort ist zu 100% intakt.....hmm schon komisch oder?

01. November 2018, 23:39 Uhr, permalink

Wilfried Schuler

Von der DU Munition im Irak hat der Gute nichts mitbekommen?

Die ganze Sache ist ziemlich witzlos.
Da alle Kernkraftwerke vollkommen unprofitabel sind, wird sich das Problem von selbst erledigen. EDF und Areva sind de facto bankrott. Die KKW Branche in UK auch.

27. Januar 2020, 19:45 Uhr, permalink

zuwenig

@Wilfried
Er weiss sehr wohl und erzählt es auch, das ein paar Soldaten genügen um mit abgereicherter Munition sämtliche Panzer zu knacken. Er sagt Panzerkriege sind obsolet wegen dieser DU Munitionaber ihr seid ja hier die Experten die mehr wissen als Winsor... Seht euch mal besser alle Videos an.

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