Missing 411: Spurensuche auf fünf Kontinenten

Wer sich auf die Suche nach Parallelen zum Phänomen der „Missing 411“ macht – dem spurlosen und mysteriösen Verschwinden einzelner Personen in der nordamerikanischen Wildnis –, wünscht sich bald, es lieber nicht getan zu haben. Denn er wird nicht nur schauerliche Fakten aufdecken, sondern auch auf allen Kontinenten fündig werden und Muster entdecken, die sich herkömmlichen Erklärungsversuchen entziehen.


Doch das war erst der Anfang von Lamers’ Kontakt mit dem Phänomen, das er bald systematisch zu erforschen begann. Als er wenig später eine Freundin besuchte, erfuhr er von ihr, was ihrem Cousin unlängst zugestoßen war. Bei einer Wanderung in den Bergen waren er und vier seiner Freunde verschwunden; doch während von den anderen bis heute jede Spur fehlt, tauchte er drei Monate später wieder auf – völlig abgemagert und verstört. Lamers, der ihn interviewen wollte, musste sich gedulden, bis er einigermaßen wiederhergestellt war. „Durch seine Erfahrung war er so traumatisiert, dass er monatelang kein Wort herausbrachte.“ In den Bergen drei Monate zu überleben sei unmöglich, erläutert Lamers; doch wo der verschwundene Cousin in der fraglichen Zeit gewesen war, wisse dieser nicht. „Das Gedächtnis der Leute, die diesen Wesen begegnet sind, scheint in der Regel wie ausgelöscht zu sein.“ Lediglich einzelne Fragmente würden gelegentlich aufblitzen; und „eigentlich will er sich auch gar nicht erinnern“. Aus der bruchstückhaften Erzählung des Cousins schlussfolgerte Lamers unter anderem, dass dieser von den seltsamen Wesen am Leben erhalten und so platziert worden war, dass man ihn bald finden würde. Auf diese Weise würden sich die jin kurcaci den Menschen hin und wieder in Erinnerung bringen und sie davor warnen, ihnen zu nahe zu kommen. Die Einheimischen erzählen sich übrigens, die kleinen Teufelchen würden sich unheimlich schnell fortbewegen.

„Fast so, als würden sie einfach aus dem Nichts erscheinen und wieder verschwinden. Dabei sind Indonesier selbst sehr flink auf den Beinen – wenn die also davon sprechen, die Wesen seien ungewöhnlich schnell, müssen sie wirklich schnell wie der Blitz sein.“

Wie sich die Bilder gleichen. Nachdem die Freunde eine Weile gewandert waren, sahen sie sich obendrein „großen Tieren mit Hörnern“ gegenüber – die es in Indonesien nicht gibt. Interessant ist noch ein anderes Detail: Lamers gelang es kaum, die Aussagen des Cousins aufzuzeichnen, da selbst frische Batterien im Nu leer waren – ein weiteres Element, das nicht nur aus der UFO- und paranormalen Forschung wohlbekannt ist, sondern auch bei den Missing 411 in Erscheinung tritt. Paulides hatte am Fundort einer der Leichen selbst einmal erlebt, dass es ihm nicht gelang, dort ein Foto aufzunehmen – so wenig wie anderen zuvor. Wer Lamers übrigens für einen 411-Trittbrettfahrer hält (die es natürlich gibt), den muss ich enttäuschen: Er berichtete bereits vor dem Erscheinen von Paulides’ erstem Missing-411-Buch von seinen Erfahrungen.

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Paulides musste auf Striebers Frage nach dem Vorkommen greller Kleidung bei den 411-Fällen einräumen, dass ihm diesbezüglich keine Häufung aufgefallen war. Das verwundert kaum und besagt noch nichts – schließlich wird die Farbe der Kleidung der Vermissten in den wenigsten Fällen überhaupt festgehalten; zudem kann man es einem Detektiv westlicher Prägung kaum verübeln, keinen Zusammenhang zwischen Bekleidung und Verschwindenswahrscheinlichkeit vermutet zu haben. Durch Strieber darauf gestoßen, ging Paulides seine Fälle jedoch noch einmal durch und meint heute tatsächlich, eine statistische Häufung heller bzw. leuchtender Farben auch bei den Missing 411 auszumachen.

Wer das zu vage findet und die Vorliebe der indonesischen Ureinwohner für schwarze Kleidung als Aberglaube (und lokalen Einzelfall) abtun möchte, der hätte zu erklären, warum ein ähnlich spezifischer „Aberglaube“ de facto auch andernorts anzutreffen ist – Tausende Meilen entfernt, bei Kulturen, zu denen keinerlei Verbindung besteht. Die Bewohner des im afrikanischen Simbabwe gelegenen Mount Nyangani etwa warnen Touristen eindringlich davor, rote Kleidung zu tragen, wenn sie den Berg – dessen Spitzname so viel bedeutet wie „der Berg, der Menschen verschluckt“ – unbedingt erkunden wollen. Solche Tracht würde, neben einigen anderen Verhaltensweisen, die dort lebenden Geistwesen erzürnen, die den Betreffenden zur Strafe in einer als chimidza bezeichneten Zwischenwelt gefangen setzen würden. Nur durch sorgsam ausgeführte Opferrituale könnten die Geister dann besänftigt und die Verschwundenen befreit werden. Einer derartigen Zeremonie sei es beispielsweise zu verdanken, dass ein in den 1980er Jahren verschwundenes hochrangiges Regierungsmitglied und seine Begleiter wieder in unsere Realität „entlassen“ wurden, nachdem man sie vier Tage lang vergeblich gesucht hatte. Die Geretteten waren nicht weniger erstaunt als ihre Retter, waren für sie doch nur ein paar Stunden vergangen. So merkwürdig dieser Umstand ist, erklärt er doch, warum die Vermissten in einer erstaunlich guten Verfassung aufgefunden wurden. Sie waren weder hungrig noch unterkühlt oder erschöpft – einer von mehreren Faktoren, die uns auch bei den Missing 411 des Öfteren begegnen. In der fraglichen Zeit, so berichteten sie, seien sie benommen und verwirrt herumgeirrt und hätten beim besten Willen die Umgebung nicht wiedererkennen können. Sogar Suchkräfte hätten sie gesehen, die aber auf ihre Rufe partout nicht reagierten.

Die meisten Wanderer, die der Mount Nyangani verschluckt, bleiben eigenartigerweise ebenso spurlos verschwunden wie ihre nordamerikanischen Schicksalsgenossen; die wenigen Überlebenden werden – auch das kommt uns mittlerweile bekannt vor – in einem Zustand der Verwirrung aufgegriffen und können sich nicht erinnern, was genau geschehen ist. Detaillierte Schilderungen wie die des 2014 verschwundenen britischen Studenten Thomas Gaisford, der seine Rückkehr in die Zivilisation vielleicht nur seiner Umsicht und der Beherzigung der Ratschläge der Einheimischen verdankt, sind selten. Ein merkwürdig dichter Nebel habe sich eines Nachmittags vom Gipfel zu ihm herabgesenkt, ihn vollständig eingeschlossen und es ihm unmöglich gemacht, sich zu orientieren. Kaum hatte er sich entschlossen, sein Zelt aufzuschlagen und auf dem Berg auszuharren, bis sich das Wetter wieder normalisiert hätte, begann es wie aus Eimern zu regnen. Die ganze Nacht hindurch habe er gebetet, während zahlreiche Tiere sein Lager umstreiften und ihn fortwährend beobachteten, darunter „mehrere furchterregende Schlangen“. Er erinnerte sich daran, was ihm die Einheimischen gesagt hatten: Tiere, die sich merkwürdig verhielten, solle er konsequent ignorieren – denn sie gehörten nicht zu unserer Welt. Der junge Mann beherzigte den Rat und wurde tatsächlich von den Tieren in Frieden gelassen. Hätte er sich anders verhalten, meinen die Bergbewohner, wäre er nie zurückgekehrt. Oder waren es seine fortwährenden Gebete, die die Kreaturen ferngehalten hatten?

Ist Missing 411 überall?

Nächster Halt: Mittelamerika. In den Bergen Panamas verschwanden 2014 zwei junge Holländerinnen, deren Handys und Kamera man später fand. Wie sich herausstellte, hatten sie während einer bis dahin unbeschwerten Wanderung plötzlich versucht, telefonisch Hilfe anzufordern, kannten aber die örtliche Notrufnummer nicht. Die größte Suchaktion in der panamaischen Geschichte blieb erfolglos. Einige Zeit später fand man einen Schuh der beiden und einen Beckenknochen; auch in dem Schuh waren Knochen – die zu einer Hand gehörten. Weitere Knochenstücke und den Rucksack entdeckte man in den folgenden Monaten, zum Teil an weit voneinander entfernten Orten. Zehn Tage nach dem versuchten Notruf hatten die beiden noch einmal Fotos geschossen – 90 Stück binnen einer Stunde, und zwar in der Nacht. Die Bilder zeigen praktisch nichts; offenbar hatten die Frauen versucht, den Weg mit dem Blitzlicht zu erhellen.

Der Fall weist etliche weitere Merkwürdigkeiten auf, etwa die Frage, warum sie – wie man rekonstruieren konnte – während dieser zehn Tage in der oberen Region eines Berges geblieben waren, statt einfach talwärts zu laufen, wo sie zwangsläufig in einem der zahlreichen Dörfer gelandet wären. Nicht nur dieser Umstand erinnert an die Missing 411, sondern auch die vereinzelt gefundenen Knochen und persönlichen Gegenstände (bei gleichzeitigem Fehlen anderer Spuren). Andererseits munkelt man, dass in der Gegend Banden ihr Unwesen treiben, die auf Organhandel spezialisiert sind.

Andere Fälle, die aus verschiedenen Regionen der Welt gemeldet werden, entsprechen ganz unmittelbar dem 411-Profil – so geschehen unter anderem in Australien, Neuseeland, England und Russland. 2004 beispielsweise machte sich ein 19-jähriger Moskauer im Taganai-Nationalpark (südlicher Ural) daran, den Berg Krugliza zu besteigen. Nachdem er nicht zurückkehrte und Suchtrupps losgeschickt worden waren, fand man ihn schließlich an einem ganz anderen, weiter entfernten Berg. Wie er dorthin gelangt war, konnte er sich nicht erklären; er war völlig verwirrt, und seine Kleidung lag verstreut um ihn herum. Nicht einmal vor der Antarktis scheint das Phänomen Halt zu machen. Es war im Mai 1965, als der junge Physiker Carl Robert Disch seine Kollegen informierte, dass er zur Hauptstation der Byrd-Forschungsanlage hinübergehen werde – ein Marsch von etwa anderthalb Kilometern, den er schon Dutzende Male unternommen hatte. Als er dort nicht auftauchte und man ihn zu suchen begann, folgte man seinen Fußspuren, die allerdings in ganz anderer Richtung verliefen und sich am Ende der nahe gelegenen Landebahn verloren. Trotz minutiösen Durchkämmens (das durch den einsetzenden Schneesturm erschwert wurde) fand man nie eine Spur von ihm. Auch die eingesetzten Hunde nicht, und das verwunderte den Stationsleiter schon damals: „Wenn Disch einfach gestürzt wäre […], hätten ihn die Huskys schon lange vor den Suchtrupps entdeckt. Nicht viel anders wäre es gewesen, wenn der Schnee ihn zugedeckt hätte – die Hunde hätten den Huckel entdeckt und inspiziert“, zitierte ihn die Baltimore Sun. Tage später verschwand übrigens auch Dischs eigener Husky ebenso spurlos wie sein Herrchen.

Kommentare

13. Mai 2019, 14:49 Uhr, permalink

Nurkut

Hallo Admins,

Diverse Videolinks funtkionieren nicht mehr.
Zum Beispiel diese hier sind Deadlinks:

5. DK Zealand: „Missing 411 - Strangest Cases“ auf Youtube.com, 26.06.2017; tinyurl.com/411-strangest

7. James King: „The Fairy Faith - Documentary – evidence for reality and origin theory“ auf Youtube.com, 30.05.2017; tinyurl.com/411-fairy

13. Mai 2019, 18:16 Uhr, permalink

Redaktion

Danke, Kritik angekommen. Wir kümmern uns.

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