Missing 411: Spurensuche auf fünf Kontinenten

Wer sich auf die Suche nach Parallelen zum Phänomen der „Missing 411“ macht – dem spurlosen und mysteriösen Verschwinden einzelner Personen in der nordamerikanischen Wildnis –, wünscht sich bald, es lieber nicht getan zu haben. Denn er wird nicht nur schauerliche Fakten aufdecken, sondern auch auf allen Kontinenten fündig werden und Muster entdecken, die sich herkömmlichen Erklärungsversuchen entziehen.

Doch die Sache wird noch wilder. Der Mythen-Metzger, der sich seit über zwei Jahrzehnten mit dem Djatlow-Pass-Mysterium beschäftigt und dem man saubere und unaufgeregte Recherche attestieren darf, fand durch seine Kontakte Folgendes heraus: Der Hollywood-Regisseur Renny Harlin, der uns unter anderem „Stirb langsam 2“, „Cliffhanger“ und „Nightmare on Elm Street 4“ bescherte, soll nach ausgiebiger Recherche vor Ort einen detailgetreuen Blockbuster über die Ereignisse vom Djatlow-Pass gedreht, ihn aber kurz vor der Premiere unvermittelt zurückgezogen haben. Der Trailer des Streifens ist heute noch verfügbar – im Gegensatz zum Film selbst, der nie veröffentlicht wurde. Doch Harlin reiste noch einmal in den Ural und drehte einen zweiten Film über das Unglück, der im Unterschied zum ersten allerdings eher als B-Movie einzustufen ist und die Fakten völlig verzerrt darstellt. Gerüchteweise soll Harlins merkwürdiger Sinneswandel auf den Besuch zurückzuführen sein, den er kurz vor der Premiere des ursprünglichen Films von einigen Russen erhalten habe.

Resümee und Ausblick

Die am Djatlow-Pass gesichteten Lichter bringen mich auf eine naheliegende, bisher noch gar nicht betrachtete Frage: Inwiefern lassen sich Parallelen zwischen den Missing 411 und dem UFO-Entführungsszenario ziehen? Aus Platzgründen kann ich darauf an dieser Stelle nicht im Detail eingehen, will die Situation aber kurz zusammenfassen: Während einige Aspekte wie fehlende Zeit, Auftauchen aus dem Nichts oder telepathische Beeinflussung sowohl von UFO- als auch von paranormalen Begegnungen bekannt sind, gibt es andererseits mindestens ebenso viele Unterschiede. Doch in der Tat hat sich in etlichen Fällen herausgestellt, dass exakt zum Zeitpunkt des Verschwindens einer Person ganz in der Nähe Lichter unbekannter Herkunft beobachtet wurden. Da es Paulides sorgsam vermeidet, seine Fälle mit der UFO-Thematik zu vermengen, sind andere Rechercheure dabei, diesen Abgleich an seiner statt durchzuführen; man darf gespannt sein. Ähnlich verhält es sich mit den Viehverstümmelungen, die ebenfalls seit Jahrhunderten belegt sind, aus einer anderen Welt heraus zu erfolgen scheinen und rational kaum zu erfassen sind.

Bei der Entschlüsselung des 411-Rätsels lohnt es sich, auch die jüngsten Werke von Autoren zu studieren, die sich der Thematik eher aus dem paranormalen Blickwinkel nähern. Zwar speisen sich diese im Gegensatz zu Paulides’ Büchern mehr aus Erfahrungsberichten und überlieferten Geschichten denn aus unumstößlichen Fakten, doch sind etliche Rechercheure – wie etwa Nick Redfern, David Weatherly oder Keith McCloskey – auch in diesem Feld bemüht, Fakt von Fiktion zu unterscheiden, der Faszination des Übernatürlichen zu widerstehen und zum Kern der Dinge vorzudringen. Paul Sinclair etwa spürte den zehn Vermissten nach, die binnen einer Dekade in seiner Heimat in Yorkshire verschwanden, und förderte Erstaunliches zutage. Die ebenfalls in England ansässige Autorin Steph Young verfasste eine ganze Reihe von Büchern, in denen sie eine Unmenge wohlrecherchierter, furchteinflößender Geschichten von Begegnungen in den Wäldern präsentiert. Über die Ungereimtheiten bezüglich der ertrunkenen Collegestudenten (siehe Teil 1) schrieb sie schon, bevor Paulides überhaupt darauf aufmerksam wurde.

Weitere obskure – aber belegte – Vorgänge verdienen im Zusammenhang mit den Missing 411 näher angeschaut zu werden. So werden an der kanadischen Pazifikküste regelmäßig abgetrennte Füße angespült, die noch in Schuhen stecken, und in Manchester sind seit 2008 über 80 Personen unter Umständen ertrunken, die fatal an die studentischen Opfer erinnern (letzte Telefonanrufe mit Jaulen und Knurren inklusive). Oder nehmen wir den Fall der im Jahr 1900 am Hanging Rock in Australien verschwundenen Personen. Beim Ausflug eines Mädcheninternats bleiben drei Kinder und eine Lehrerin trotz ausgiebiger Suche unauffindbar; nur eines der Mädchen taucht später wieder auf, kann sich jedoch an nichts erinnern. Von den anderen fehlt bis heute jede Spur. Noch bizarrer als der Vorfall selbst ist die mysteriöse Geschichte des Romans, den Joan Lindsay darüber nach jahrzehntelanger Recherche verfasste. Mit dem letzten Kapitel, das erst nach ihrem Tod erscheinen durfte, rückt sie den ansonsten eher bodenständigen Roman in ein merkwürdiges Licht: Von einem „Loch im Weltraum“ ist darin die Rede, durch das die Vermissten verschwunden seien. Manche Rechercheure bringen das 411-Phänomen mit militärischen Untergrundbasen in Verbindung, die gerade auch in Nationalparks angelegt worden sein sollen. Auf deren Konto soll auch das Verschwinden des Youtubers Kenny Veach gehen, der angekündigt hatte, eine merkwürdige Höhle in der Nähe der Nellis Air Force Base näher inspizieren zu wollen. Trotz einer eindringlichen anonymen Warnung zog er los – seither ist er verschollen. Und der Tod der jungen Kanadierin Elisa Lam, die man im Wassertank des berüchtigten Hotel Cecil in Los Angeles fand, nachdem sich die Bewohner über den Geschmack des Wassers beschwert hatten, birgt so viele Geheimnisse und Querverbindungen, dass er einen eigenen Artikel rechtfertigen würde. In einem Überwachungsvideo sieht man sie mit einer nicht sichtbaren Person streiten; der Wassertank soll verschlossen und unzugänglich gewesen sein, und der ganze Ablauf entsprach weitgehend dem 2005 erschienenen Horrorfilm „Dark Water“. Zuletzt stand die Mystery-Gemeinde Kopf wegen eines ihrer letzten Tweets, der auf einen Artikel der Huffington Post über Unsichtbarkeitstechnologie verlinkt. NEXUS veröffentlichte zu ebendiesem Thema unlängst ein Interview mit einem Ingenieur und Rosenkreuzer, demzufolge militärische Tarnsysteme dieser Art zwar nicht nach der herkömmlichen wissenschaftlichen Doktrin, wohl aber auf der Basis einer okkulten, alternativen Physik möglich seien.

Versuchen wir trotz aller Unvollständigkeit ein grobes Fazit. Was immer hinter dem 411-Phänomen steckt, ist offenbar a) intelligent, b) schon lange am Werk und c) wenig mitfühlend; zudem agieren die Täter recht unbeeindruckt von den Grenzen, die die vorherrschende menschliche Wissenschaft dem Möglichen setzt. Portale, Dimensions- und Zeitsprünge scheinen ebenso Bestandteil der Lösung zu sein wie Unsichtbarkeits- und Gedankenkontrollmethoden, seien sie nun natürlicher oder technologischer Art. Die Unterschiedlichkeit der Beobachtungen legt zudem die Vermutung nahe, dass wir es nicht nur mit einer, sondern verschiedenen Gruppen von Übeltätern zu tun haben. Die Regierungen dieser Welt schließlich dürften mehr wissen, als sie preisgeben; andererseits gibt zu denken, was mir John DeSouza unlängst auf meine Frage antwortete, inwiefern die US-Regierung über das Phänomen im Bilde sei:

„Die Regierung weiß nicht so viel, wie die Menschen meinen. [Die Behörden] befinden sich größtenteils in der Zuschauerrolle, ohne etwas dagegen ausrichten zu können. Und sie führen nur Anweisungen aus – Anweisungen, die nicht aus dem Büro des Präsidenten stammen.“

DeSouza will beim FBI einst als „Para-Ermittler“ gewissermaßen für die wahren X-Akten zuständig gewesen sein. Der multidimensionale Charakter des 411-Phänomens steht für ihn übrigens außer Frage.

Irgendwann gelangte ich bei meiner Recherche an einen Punkt, an dem ich nicht sicher war, ob ich noch länger und tiefer in diesen Abgrund schauen wollte. Zur Entspannung sah ich mir eins von Michael Vogts „Querdenken“-Interviews an, zu einem Thema, das möglichst großen Abstand zu unsichtbaren Killern und parallelen Dimensionen versprach. Prompt erwähnte Vogt, der gerade von einer Reise ins schöne Bhutan zurückgekehrt war, dass die Bhutanesen im Wald stets vorsichtig seien – wegen der Portale, die sich dort gelegentlich öffnen und Leute verschlucken. Ich wünschte, ich könnte Ihnen sagen, um welche Sendung es sich handelte – doch meine diesbezügliche Notiz ist spurlos verschwunden. Ich gehe davon aus, dass ich sie eines Tages an einem Ort wiederfinden werde, den ich schon dutzendfach durchsucht habe.

Endnoten

  1. Farkas, V.: „Unerklärliche Phänomene jenseits des Begreifens“ (Augsburg: Bechtermünz Verlag, 1997)
  2. Böck, E.: „Sagen aus Niederbayern“ (Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 1977)
  3. Berlitz, C.: „Das Drachen-Dreieck“ (München: Droemer Knaur, 1990), S. 127
  4. Steiger, B.: „Strange Disappearances“ (New York: Lancer Books Inc., 1972)
  5. DK Zealand: „Missing 411 - Strangest Cases“ auf Youtube.com, 26.06.2017; http://tinyurl.com/411-strangest
  6. Paulides, D.: „The Hoopa Project“ (Canada: Hancock House Publishers Ltd, 2008); http://tinyurl.com/411-hoopa
  7. James King: „The Fairy Faith - Documentary – evidence for reality and origin theory“ auf Youtube.com, 30.05.2017; http://tinyurl.com/411-fairy
  8. Jarvis, D.: „Wonderful Strange. Ghosts, Fairies, and Fabulous Beasties“ (Flanker Press, 2005)
  9. Narvaez, P.: „The Good People: New Fairylore Essays“ (University Press of Kentucky, 1997)
  10. Rieti, B.: „Strange Terrain: The Fairy World in Newfoundland. Social and Economic Studies“ (St. John’s: Institute of Social and Economic Research, Memorial University of Newfoundland, 1991)
  11. „Disappearances in Indonesia“ auf UnknownCountry.com, 28.05.2010; http://tinyurl.com/411-lamers1
  12. ConspiracyInfoTV2: „The Indonesia UFO Abductions“ auf Youtube.com, 16.02.2014; http://tinyurl.com/411-lamers2
  13. http://tinyurl.com/411-sick
  14. Swancer, B.: „Vanishings and High Strangeness at Africa’s Cursed Mountain“ auf MysteriousUniverse.org; https://tinyurl.com/411-nyangani
  15. Mythen Metzger: „Rätselhafter Vorgang: Was ist da 2014 mit diesen Wanderinnen passiert?“ auf Youtube.com, 10.08.2016; http://tinyurl.com/411-panama
  16. Rosales, A. S.: „Humanoid Encounters 2000-2009: The Others amongst Us“ (CreateSpace, 2015)
  17. Beyond Creepy: „The Strange Disappearance of Carl Robert Disch“ auf Youtube.com, 25.07.2015; https://tinyurl.com/411-disch
  18. Mythen Metzger: „Missing 411 ist überall!?“ auf Youtube.com, 04.02.2017; http://tinyurl.com/411-schland
  19. Agostini, N.: „Spanierin vier Tage lang im Waadtland vermisst: Das rätselhafte Verschwinden von Au-pair Lucia (23)“ auf Blick.ch, 01.09.2017; http://tinyurl.com/411-schweiz
  20. Krogmann, K.: „Wie starb der Oldenburger Mike Mans­holt wirklich?“ auf NWZonline.de; https://tinyurl.com/411-mansholt
  21. rosetta9: „My very strange and very frightening hiking experience“ auf Reddit.com, 07.09.2016; https://redd.it/51m23e
  22. INSANE DISAPPEARANCES!!!!: „INSANE DISAPPEARANCES‼ Anonymous Interview with a National Park survivor“ auf Youtube.com, 10.08.2017; http://tinyurl.com/411-survivor
  23. Bigfoot Hotspot Radio: „Sasquatch Chronicles SC EP:57 Missing people and bigfoot encounters“ auf Youtube.com, 01.03.2017; http://tinyurl.com/411-biker
  24. jsstealthss: „I recently had an experience that also involved my son while we were on a trail. Strange visual anomaly“ auf Reddit.com, 30.06.2017; https://redd.it/6kequ3
  25. justa33556: „I Believe I Was Almost Snatched. Here's what Happened“ auf Reddit.com, 06.07.2017; https://redd.it/6lpmd9
  26. blueraindrops: „Missing time in the Great Smokies NP“ auf Reddit.com, 13.08.2017; https://redd.it/6tfzqe
  27. Rusty West: „10 More Strangest National Park Disappearances – Volume 10“ auf Youtube.com, 31.08.2016; http://tinyurl.com/411-oldfield
  28. Baldwin, J. und Grubb, E.: „Unsolved Disappearances in the Great Smoky Mountains“ (Suntop, 1998)
  29. Tens_sand_shoes: „Personal experience: Unexplained invisible or cloaked being/humanoid“ auf Reddit.com, 09.09.2016; https://redd.it/51vfwr
  30. Harpur, P.: „Landscape of Panic“ in Fortean Times, Nr. 141
  31. Tolling Bell Films: „THE DYATLOV PASS - Official Teaser Trailer“ auf Youtube.com, 12.07.2011; http://tinyurl.com/411-trailer
  32. „The Dyatlov Pass Incident“, 2013; siehe www.imdb.com/title/tt1905040
  33. Mythen Metzger: „Das haut rein: Djatlov Pass neue Infos!“ auf Youtube.com, 23.07.2016; http://tinyurl.com/411-harlin
  34. Sinclair, P.: „Truth Proof“ (Psychic Book Publishing, 2016)
  35. Young, S.: „Terror in the Woods: The Missing“ (CreateSpace, 2017) u. a.
  36. „Salish Sea human foot discoveries“ auf Wikipedia.org (abgerufen am 02.11.2017); http://tinyurl.com/411-feet
  37. „The Manchester Pusher: Relatives of canal death victims raise claims of serial killer in TV documentary“ auf ManchesterEveningNews.co.uk, 19.01.2016; http://tinyurl.com/411-manchester
  38. Mythen Metzger: „Das Rätsel von Hanging Rock“ auf Dailymotion.com, 17.09.2017; http://www.dailymotion.com/video/x612c0t
  39. Joyce, M: „Underground Military Bases Hidden in North Carolina Mountains“ (2015)
  40. The Paranormal Scholar: „Elisa: The Documentary“ auf Youtube.com, 10.03.2017; http://tinyurl.com/411-elisa
  41. „Quantum Stealth Invisibility Cloak, From Canada’s Hyperstealth Biotechnology, Gets Pentagon Backing“ auf HuffingtonPost.ca, 12.11.2012; http://tinyurl.com/411-cloaking
  42. Guffey, R.: „Magische Wissenschaft: Hightech vom Hohepriester“ in NEXUS 66 (August-September 2016), S. 28–37

Kommentare

13. Mai 2019, 14:49 Uhr, permalink

Nurkut

Hallo Admins,

Diverse Videolinks funtkionieren nicht mehr.
Zum Beispiel diese hier sind Deadlinks:

5. DK Zealand: „Missing 411 - Strangest Cases“ auf Youtube.com, 26.06.2017; tinyurl.com/411-strangest

7. James King: „The Fairy Faith - Documentary – evidence for reality and origin theory“ auf Youtube.com, 30.05.2017; tinyurl.com/411-fairy

13. Mai 2019, 18:16 Uhr, permalink

Redaktion

Danke, Kritik angekommen. Wir kümmern uns.

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